TRIVIUM: In The Court Of The Dragon

Nur anderthalb Jahre nach “What The Dead Men Say” fehlt es TRIVIUM keinesfalls an Kreativität: Auf “In The Court Of The Dragon” zeigen TRIVIUM stattdessen ein komplett neues Selbstverständnis ihres modernen Thrash Metal, indem sie unbekümmerte Wildheit mit Routine und Erfahrung in Einklang bringen.

Ein ominöser Trailer, ein aufwändiger Kurzfilm, ein beeindruckendes Ölgemälde aus der Feder des französischen Künstlers Mathieu Nozieres. All das strahlt in seiner Opulenz ein neues Selbstverständnis im Hause TRIVIUM aus. Im Vorfeld des zehnten Studioalbums wird also geklotzt, wenn auch geschmackvoll. Und vielleicht ist es deshalb zunächst umso enttäuschender, dass „In The Court of The Dragon“ überhaupt kein Konzeptalbum ist, obwohl es in jeder Hinsicht wie eines wirkt.

Der Titeltrack, der nach dem cineastischen Intro aus der Feder IHSAHNs durchstartet, basiert seinerseits auf einer Kurzgeschichte, maßgebend für das restliche Album ist er aber einzig in musikalischer Hinsicht. Mit drückenden Riffs, massiven Growls und einer derben Thrash-Schlagseite zeigen die US-Amerikaner direkt auf, dass es diesmal überraschend bissig zugeht. Der Drive und der Schwung, den TRIVIUM seit dem Einstieg von Drummer Alex Bent entwickelt haben, entlädt sich schließlich in einem packenden Refrain, wo Klargesang, die melodische Leadgitarre und aufpeitschende Blasts um den Platz in der ersten Reihe streiten.

Nur anderthalb Jahre nach “What The Dead Men Say” fehlt es TRIVIUM keinesfalls an Kreativität

Kraftvoll und selbstbewusst zeigt sich „In The Court of The Dragon“ nicht nur während der ersten Minuten. „Like A Sword Over Damocles“ etwa ist ein Midtempo-Thrasher mit Stil; wandelt sich vom groovenden Nackenbrecher zur eingängigen Mitsing-Hymne im Refrain, nur um dann in der zweiten Hälfte mit ausgedehnten Soli und Instrumental-Parts das Tempo anzuziehen. Spätestens hier dürfen neben Alex Bent, der hinter den Kesseln ohnehin ein Feuerwerk nach dem anderen abbrennt, auch Bandkopf Matt Heafy sowie Kollege Corey Beaulieu an der Gitarre glänzen.

Bezeichnend ist, dass TRIVIUM nur anderthalb Jahre nach „What The Dead Men Say“ (2020) das zu Beginn angeschlagene Level halten können. Es fehlt nicht an Kreativität, auch wenn „No Way Back Just Through“ im Refrain etwas beliebig wirkt und uns das eingängige „Feast Of Fire“ anfangs bis auf die explosive Bridge ein wenig kalt lässt. Doch zumindest hier krallen sich die vier Musiker mit jedem Durchgang ein Stück tiefer in unseren Gehörgängen fest.

TRIVIUM vereinen unbekümmerte Wildheit mit Routine und Erfahrung

Wenngleich das Album mancherorts nicht sofort fesselt, hat „In The Court of The Dragon“ also Wachstumspotenzial. Nötig ist das freilich nicht immer, denn zwischen Aggression und Zugänglichkeit spannt „A Crisis Of Revelation“ einen routinierten Bogen, während Paolo Gregoletto am Bass sein Können zur Schau stellt. Überhaupt sind die harten Ausbrüche diesmal ungemein erfrischend, wenn beispielsweise „The Shadow Of The Abattoir“ nach seinem balladesken Beginn schließlich doch noch das Gaspedal findet. Bevor TRIVIUM aber zu herrisch werden, öffnet sich „Fall Into Your Hands“ im Refrain einem getragenen Refrain, bevor schließlich „The Phalanx“ mit seiner unterschwelligen Epik den Geist der „Shogun“-Ära (2008) heraufbeschwört.

Es ist ein starkes wie würdiges Ende für ein Album, das unbekümmert und wild nach vorne pflügt – in etwa als stürmten die blutjungen TRIVIUM gerade aus dem Proberaum -, zugleich aber dank Routine und Erfahrung den Feinschliff nicht aus den Augen lässt. Die wenigen Stolperfallen hier und da bügelt das Quartett einfach glatt – mit einem furiosen Drummer, mit einem fantastisch aufeinander abgestimmten Bandgespann und mit einer dichten Produktion, die einzig eine Spur differenzierter hätte sein dürfen. Aber vielleicht klingt „In The Court Of The Dragon“ auch ganz bewusst so herausfordernd und eindringlich: neben dem Kurzfilm und dem Ölgemälde schlicht ein weiterer Beleg für das neue Selbstverständnis der amerikanischen Metal-Größe.

Veröffentlichungstermin: 8.10.2021

Spielzeit: 52:11

Line-Up

Matt Heafy – Vocals, Guitars
Corey Beaulieu – Guitars, Backing Vocals
Paolo Gregoletto – Bass, Backing Vocals
Alex Bent – Drums, Percussion

Produziert von Josh Wilbur

Label: Roadrunner Records

Homepage: https://www.trivium.org/
Facebook: https://www.facebook.com/Trivium

TRIVIUM “In The Court Of The Dragon” Tracklist

  1. In The Court Of The Dragon (Video beu YouTube)
  2. Like A Sword Over Damocles
  3. Feast Of Fire (Video bei YouTube)
  4. A Crisis Of Revelation
  5. The Shadow Of The Abattoir
  6. No Way Back Just Through
  7. Fall Into Your Hands
  8. From Dawn To Decadence”
  9. The Phalanx (Video bei YouTube)