TRAGODIA: Mythmaker

Ein überdurchschnittler Progressive-Metal-Happen mit 90er-Jahre-Flair, der an SOUL CAGES und INFERNO erinnert, wenn nicht gerade thrashige Riffs durchs Klangbild tanzen.

Was im ersten Moment wie PAIN OF SALVATION spielen MANOWAR klingt, entpuppt sich als überdurchschnittlicher Progressive-Metal-Happen. Die CD versprüht dieses 90er-Jahre-Flair, bei dem ein nachdenklicher Tenor mit metallischen Gitarren kombiniert wird. Durch die sporadischen Akustik-Gitarren im Klangbild erinnert die Grundstimmung an SOUL CAGES und INFERNO. Gewürzt wird das Ganze mit tighten Thrashriffs, die nie zu modern, aber doch recht heftig klingen. Natürlich dürfen filigrane Gitarrensoli nicht fehlen, bei aller Frickelei wird allerdings darauf geachtet, dass alles gut zum jeweiligen Song passt. TRAGODIA agieren dabei weit weniger hektisch als etwa ihre Landsmänner ELDRITCH, ohne dass Langeweile aufkommt.

Das Songwriting kommt recht geradlinig daher, die Komplexität findet überwiegend in Breaks und Stimmungswechseln statt. Das ist gut so, da sich so die Melodien ungestört in den Stücken entfalten können. Beim Titeltrack spielen TRAGODIA auch mal mit krummeren Harmonien und bei Wisdom In The Meadows Of Sorrow huldigt man in der Strophe plötzlich JUDAS PRIEST. Ansonsten bestimmt jedoch eine leicht melancholische Stimmung das Klangbild. Gerade bei den Refrain wird mit epischen Elementen geliebäugelt, allerdings nichts im Sinne von Computerorchester, sondern so, wie die Epic Metal-Bands der 80er sich Zeit für getragene Momente nahmen.

Mythmaker ist ein anachronistisches Album. Vor 15 Jahren wäre es in der Veröffentlichungsflut untergegangen. Heute lässt es aufhorchen, weil auf unnötige Experimente verzichtete wird und dafür nötige Experimente von durchaus talentierten Musikern professionell umgesetzt werden. Das Genre Progressive Metal bekommt freilich keine neuen Impulse. Aber in einer Zeit, wo jeder Stilbeschreibung einfach noch ein Post- davorgesetzt wird, sind TRAGODIA der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt. Wenn man mit ihrem inzwischen dritten Album einige Hördurchgänge verbracht hat, möchte man es nur sehr ungerne wieder weggeben. Man hat zwar noch andere, bessere Alben im Schrank stehen, aber einige unverbrauchte Stücke lockern den Alltag mit Sicherheit auf, zumal hier im Gegensatz zu etablierten Bands wie PAIN OF SALVATION oder DREAM THEATER keine überzogenen Erwartungen das Hörerlebnis behindern.

Veröffentlichungstermin: 01.11.2013

Spielzeit: 52:48 Min.

Line-Up:
Luca Meloni: Gesang
Francesco Lupi: Gitarre, Keyboard
Riccardo Tonoli: Gitarre
Luca Paderno: Bass
Daniele Valseriati: Schlagzeug

Produziert von Danielle Mandelli und TRAGODIA
Label: Kolony Records
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/tragodia

Tracklist:
1. A Cry Among The Stars
2. The Oracle And The Muse
3. A Temple In Time
4. Wisdom In The Meadows Of Sorrow
5. Tidal Waves Of Greatness
6. Once In Arcadia
7. The Stone And The Idol
8. Born Unde Niobe
9. Mythmaker
10. The Weeping Rock Of Seriphus
11. Downfall Of The Ancients 2013 (Digipak-Bonustrack)