TIMES OF GRACE: Songs Of Loss And Separation

Zehn Jahre nach dem Debüt “The Hymn Of A Broken Man” setzen TIMES OF GRACE andere Schwerpunkte: “Songs Of Loss And Separation” ist durchzogen von Schwermut und Melancholie, ohne dabei aber seine eigene DNA zu verraten.

Wir würden ja von einer Selbstfindungsphase sprechen, wären die Köpfe hinter TIMES OF GRACE nicht schon ewige Zeiten im Geschäft. Zehn Jahre haben Adam Dutkiewicz und Jesse Leach (beide KILLSWITCH ENGAGE) gebraucht, um einen Nachfolger des Debüts „The Hymn Of A Broken Man“ (2011) einzuspielen. Zehn Jahre – nicht ungewöhnlich für ein Nebenprojekt -, die hörbar ihre Spuren hinterlassen haben: Denn wo die letzte Platte noch deutliche Parallelen zur Hauptband aufwies und selbst in den düstersten Momenten einen Hoffnungsschimmer aufblitzen ließ, zeigt sich das Projekt nun von Narben gezeichnet.

„Songs of Loss And Separation” titelt das neue Kapitel und macht dabei keinen Hehl aus der treibenden Kraft dieses Albums: Melancholie und Schwermut ziehen sich durch alle elf Stücke, die zusammengefasst fast schon als eine einzige überlange Ballade durchgehen könnten. Dabei beschreiten TIMES OF GRACE musikalisch nun wesentlich eigenständigeres Terrain als zuvor. Mit dem energetischen Metalcore, den Dutkiewicz und Leach mit KILLSWITCH ENGAGE bisweilen zelebrieren, hat „Songs Of Loss And Separation“ kaum noch zu tun.

Im Verlauf des Albums schicken uns TIMES OF GRACE durch mehrere Höhen und Tiefen

„The Burden Of Belief“ startet wehmütig mit leichten Southern Rock-Anleihen, während sich ein klagender Jesse Leach in Selbstzweifel flüchtet. Ein niederschmetternder Auftakt, der umgehend die emotionalen Wunden offenbart, mit denen der Sänger zu kämpfen hat. Wenig verwunderlich also, dass uns TIMES OF GRACE im Laufe des Albums durch mehrere Höhen und Tiefen schicken: Härtere Ausbrüche wie in „Far From Heavenless“ oder dem intensiven Albumfinale „Forver“ bleiben aber dosiert und treffen vielleicht gerade deshalb umso heftiger, weil Jesse Leach nur dann leidenschaftlich ins Mikro schreit, wenn Wut und Schmerz kein anderes Ventil finden.

„Songs Of Loss And Separation” durchzieht die Melancholie wie ein roter Faden, versäumt es zugleich jedoch nicht, einen Spannungsbogen aufzubauen. Im aufrüttelnden „Rescue“, das etwas KILLSWITCH im Blut hat, blitzt dann doch etwas Zuversicht auf, während sich „Cold“ dank Akustikgitarre und der eindringlichen Singstimme Dutkiewicz‘ in Selbstreflexion übt – wie ein enthüllender Blick in den Spiegel.

“Songs Of Loss And Separation” hat trotz anderer Schwerpunkte dieselbe DNA im Blut wie sein Vorgänger

Für ein Modern Metal-Album ist „Songs Of Loss And Separation“ vergleichsweise ruhig, dabei aber nicht minder intensiv. Weil Adam Dutkiewicz in seinen Arrangements Kontraste pointiert zu nutzen weiß und Drummer Dan Gluszak in den richtigen Momenten Akzente setzt, reißt selbst das sechsminütige „Medusa“ mit, bevor das schwere „Currents“ eine unbequeme Sogwirkung entwickelt.

Spätestens hier unterstreichen TIMES OF GRACE, dass ihr Zweitwerk musikalisch vielleicht neue Schwerpunkte setzen mag, ansonsten aber dieselbe DNA im Blut hat wie sein Vorgänger. Die Art und Weise, wie die Kompositionen zueinander finden, ist so markant wie charakteristisch. Insofern können wir den Gedanken der Selbstfindungsphase an dieser Stelle definitiv ad acta legen. „Songs Of Loss And Separation“ ist ein Werk, das so klingt, wie es klingen muss: Nicht weil dem Duo zwischenzeitlich die Ideen ausgegangen wären, sondern weil sich innerhalb einer Dekade schlicht eine ganze Menge in unseren Leben verändert – ob wir das wollen oder nicht.

Veröffentlichungstermin: 16.07.2021

Spielzeit: 49:37

Line-Up

Jesse Leach – Vocals
Adam Dutkiewicz – Gitarren, Vocals
Dan Gluszak – Drums

Produziert von Adam Dutkiewicz und Ted Jensen (Mastering)

Label: Wicked Good Records

Facebook: https://www.facebook.com/OfficialTimesofGrace

TIMES OF GRACE “Songs Of Love And Separation” Tracklist

1 The Burden of Belief (Video bei YouTube)
2 Mend You (Video bei YouTube)
3 Rescue (Video bei YouTube)
4 Far From Heavenless
5 Bleed Me
6 Medusa (Video bei YouTube)
7 Currents (Video bei YouTube)
8 To Carry The Weight
9 Cold
10 Forever