THE RED CHORD: Prey for Eyes

Starker Deathcore, der im Vergleich zu seinem Vorgänger dennoch deutlich schwächelt.

Endlich blasen sie wieder zum Angriff, mit allen Mitteln, die THE RED CHORD haben. So brutal und kompromisslos, so wild und erbarmungslos wie auf Clients, mit dem ich mir nach wie vor gerne den Hintern versohlen lasse, geht es auf Prey for Eyes jedoch nicht zu. Um ehrlich zu sein, ihr Zweitwerk war schon deutlich ergiebiger. Aber seid beruhigt, Prey for Eyes ist für die Welt, in der wir Leben, ein wütendes, hasserfülltes Album geworden, dass anderen angesagten US-Metal-Bands locker den Rang abläuft.

Denn THE RED CHORD schaffen es auch auf Prey for Eyes sich auf das zu fokussieren, was wichtig ist: Geile Songs, gnadenlose akustische Gewaltattacken und bodenständige Technik. Eigentlich stehen THE RED CHORD für das, was die wirkliche Definition von Metalcore sein sollte. Der Mix aus brutalem Death Metal, schnellen Hardcore-Grooves und der unerbittlichen Geschwindigkeit des Grindcore wurde schon auf Clients perfektioniert, auf Prey for Eyes befindet sich das amerikanische Quintett auf gleichermaßen sicherem wie gefährlichem Boden. Sicher, weil die Qualität gleich bleibend ist, gefährlich weil THE RED CHORD zu stagnieren drohen.

Auf Album Numero drei befinden sich außerdem keine Songs mit dem Kaliber von Black Santa, Antman und Upper Decker, selbst wenn neue Songs wie It Runs in the Family, Pray for Eyes, Midas Touch und Bone Needle alles andere als schlecht sind, so lassen sie nicht die Kinnlade nach unten sausen. Der Überraschungseffekt fehlt einfach, doch wenigstens lassen THE RED CHORD ihrer Verspieltheit bei It Came from Over There wenigstens noch freien Lauf – ein interessantes Instrumentalstück, das seltsamerweise mit SOILWORK liebäugelt – das steht den Bostoner Jungs aber wirklich gut.

Ich habe von Prey for Eyes mehr erwartet. Mehr Intensität, mehr Brachialität, mehr Passagen, an denen man meint, man hält es im eigenen Körper nicht mehr aus und müsse alles zu Brei dreschen, was im Weg steht. Das furiose, wahnsinnige Element gehört einfach zu THE RED CHORD und da dieses auf ihrem dritten Album oftmals einfach größtenteils fehlt, werde ich weiterhin lieber zu Clients greifen. Schlecht ist das mörderisch fett produzierte Prey for Eyes jedoch keinesfalls. Im Vergleich zum dem furchtbaren Müll, was stolz mit New Wave of American Metal etikettiert wird, hinterlässt das Album keine Gefangenen und lässt Bands wie AS I LAY DYING wie traurige, kleine Clowns aussehen. Fans von THE RED CHORD dürfen hier natürlich gerne zuschlagen, Neueinsteigern empfehle ich aber Clients.

Veröffentlichungstermin: 20. Juli 2007

Spielzeit: 45:48 Min.

Line-Up:
Guy Kozowyk – Vocals
Mike McKenzie – Guitars
Kevin Rampelberg – Guitars
Gregory Weeks – Bass
Brad Fickeisen – Drums

Produziert von THE RED CHORD und Eric Rachel
Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.theredchord.com

Tracklist:
1. Film Critiques and Militia Men
2. Dread Prevailed
3. It Runs in the Family
4. Send the Death Storm
5. Pray for Eyes
6. Responsibles
7. Midas Touch
8. Tread on the Necks of Kings
9. It Came from Over There
10. Intelligence Has Been Compared
11. Open Eyed Beast Attack
12. Birdbath
13. Bone Needle
14. Seminar