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THE NEAL MORSE BAND: The Great Adventure [2CD]

THE NEAL MORSE BAND: The Great Adventure [2CD]

Ja klar, ich bin immer noch sehr dankbar, dass mir ein geschätzter Promomann mit dem 2016er Doppelalbum “The Similitude Of A Dream” endlich NEAL MORSE (FLYING COLORS, TRANSATLANTIC, SPOCK´S BEARD) und seine Band nahegebracht hat. Der Prog-Rocker aus Nashville/Tennessee wiederum hat mir mit seinem schönen 2018er Soloalbum “Live And Times” tolle Stunden bereitet, auf der Platte gab es halt eher entspannte Musik aus der Singer/Songwriter-Ecke. Nun also soll es wieder proggig rund gehen, wieder ein Doppelalbum, wieder ein Konzeptalbum mit “The Great Adventure”. Wieder ohne wirkliche Überraschungen, und ebenso wenig überraschend wieder große Musik von fantastischen Musikern. Musik für Musiker, das gibt es bei THE NEAL MORSE BAND. Aber auch normale Menschen können abermals eintauchen in eine musikalisch spannende Reise. Thematisch knüpft das neue Album etwas beim letzten Album an, es gibt wie gewohnt eine sich auf christlichen Wegen ausbreitende Geschichte. Die Storyline ist um einiges wütender und bezogen auf den besungenen Charakter jünger. Das hört man schnell heraus, musikalisch geht es hier durchaus härter zur Sache. Auch wenn einen die Thematik wenig interessiert und man die Vocals schlichtweg als Melodie führendes Instrument sieht, bauen sich Bilder auf, faszinieren die Songs. Das wäre schade um die stimmige Geschichte, die uns hier erzählt wird. Einfach wertfrei das Kopfkino anschalten. Wo steht eigentlich, dass man Texte so verteufeln muss, nur weil sie christliche Inhalte haben?

Eintauchen in eine musikalisch spannende Reise mit NEAL MORSE

Natürlich wird man sphärisch in das Album geführt. Verträumt, man fühlt sich bei der Hand genommen, setzt sich hin und hört zu. Und wird gleich mal weggehauen, was wie ein typisches Intro beginnt zeigt sich als 10-Minuten-Monster. Wild geht es zu, spinnig, zappelig, kurzer Entspannung folgt die nächste Abfahrt und schöne Melodien. So trägt die “Overture” musikalisch gleich mal alles in sich, wofür die Band steht. Plus eine deutliche Spur Heavyness. Erzählerisch erhebt sich dann einleitend die Stimme von Herrn Morse, bevor es mit “Welcome To The World” mit dem ersten richtigen Song losgeht. Dabei sind es trotzdem auch immer die instrumentalen Stücke, die Spaß machen. “A Momentary Change” kommt zart und sentimental, eingebettet ist hier ein schönes FLOYDIGES Solo mit viel GILMOUR-Tunes. Herrlich knarzig und zappelig reisst einen “Dark Melody” zurück in die Realität, viel DREAM THEATER, überraschend heavy und wie der Titel schon sagt recht düster.

Klasse auch der Titelsong. Es gibt, eingebettet im typischen Bandssound, eine gute Portion der späten original THE SWEET grob 1977/78. Dazu gibt es einen knackigen Part mit typischem TOTO-Groove. Die Herren verbeugen sich immer wieder mal gezielt vor anderen Bands. So auch bei “Venture In Black”, wo man abermals TOTO zitiert und dann einen dicken Gruß an QUEEN schickt, inklusive des typischen Solosounds von BRIAN MAY. “Hey Ho Let’s Go” kommt so positiv aus den Boxen, da swingt an automatisch durch die Bude. Ja, manchmal muss man es einfach machen! Dann wird es gut! Ok meistens, der besungene Held hat es doch etwas schwerer.

Proggig, heavy, jazzig – und viele Verweise auf Kollegen von THE NEAL MORSE BAND

Weiter geht das Abenteuer, Soundtrackintro, eine klasse musikalische Abfahrt, erfreulich heavy hier und da, aber auch alles irgendwie wie erwartet. Spannend kommt das böse “Fighting With Destiny”, zappelig, etwas von den unterbewerteten 70er Rockern THE KNACK und dazu dreckiger früher ALICE COOPER oder auch ein wahnsinniger, alter OZZY. Ha ha, funny dann “Vanity Fair” mit viel Aaaaaah, Babbabbab, Schallala und sonnigen BEACHBOYS. Ich muss kurz an METAL CHURCH-Schubiduuuhbah denken, aber nein, positiv denken, Strand/Urlaubsmusik. Heavy und kraftvoll kommt die Version von “Welcome To The World 2”, unerwartet düster und bedrohlich “The Element Of Fear”. NEAL MORSE auf dem Doom light Trip. Gerade auch als Gitarrist ist es immer wieder toll, wenn einen Drummer zum Zuhören einladen. Seien es nun die APPICE-Brüder Vinnie und Carmine oder eben hier wie auf dem ganzen Album Mike Portnoy (DREAM THEATER, SONS OF APOLLO, THE WINERY DOGS). Man kann ihm auch gerne mal bei der Arbeit zuschauen: Mike Portnoy Drum Cam – “The Great Adventure” bei youtube

Das ruhige “Child Of Wonder” hat trotz des dunklen Touch viel vom Soloalbum, bringt aber auch wie danach das lautere “The Great Despair” eine gute Ladung für RAY WILSON-Fans mit. Man gibt danach nochmal ein Pfund drauf, live wird hier unweigerlich das Publikum mitsingen und tänzeln, verdreht sich bei den spinnigen Momenten garantiert die Beine. Alles bläst sich auf für den großen Showdown. Natürlich wird alles zum Schluss hin sehr groß, theatral, bombastisch – wer mag kann das abschließende “A Love That Never Dies” als überzogen und kitschig abtun. Oder es halt als logischen Abschluss sehen.

Wenig überraschend bietet “The Great Adventure” statt großen Überraschungen große Musikalität

Wer “The Similitude Of A Dream” mochte, der wird auch “The Great Adventure” feiern. Die Änderungen liegen eher in der härteren, wütenderen Vertonung. Wer den Prog-Rock von THE NEAL MORSE BAND mag, der findet hier alles. Der Kopfhörer ist Pflicht, um der fantastischen musikalischen Umsetzung folgen zu können. Jeder hier liefert großartig ab, es gibt klasse Gitarrenarbeit, tolle wechselhafte Vocals, hier und da etwas zu aufgeblähte Keyboards. Sind die ruhigen Momente oft sehr schön oder doch eher kitschig? Als Fan ist die Antwort leicht, da schmilzt auch ein Doomer schnell dahin. Stören einen die christlichen Texte? Dann verpasst man fantastische Musikalität, große Songs und eine fesselnde Reise. Komisch, wenn der Rest der Hard `n´Heavy-Welt von Tod und Teufel singt interessiert oder stört das keinen.

Christliche Texte, na und? Kopfkino an und “The Great Adventure” geniessen!

Ist es das beste MORSE-Werk? Hm, “Act 2” mag mich nicht so arg fesseln wie die erste CD mit “Act 1”. “The Great Adventure” greift immer wieder Melodien und Parts auf, die einem von “The Great Adventure” vertraut sind. Letztendlich beendete die Zeile “Let the great adventure now begin…” das letzte Album. Das verleitet dazu, eben jenes Doppelalbum wieder zu hören. Aber trotzdem schafft es das neue Werk, stur im Player zu verweilen. Statt wie üblich ein Album in mal eben einer Woche aufzunehmen, stecken hier drei Wochen intensive Arbeit drin, und das hört man dem dritten Werk mit dem aktuellen Line-Up durchgehend an. Also auf zur nächsten Runde…

Wer anspruchsvollsten Prog Rock mag, der sollte zugreifen. Fans wählen natürlich die 3-Vinyl-Edition, welche auch die CDs enthält. Zudem gibt es eine Doppel-CD inklusive einer DVD mit “Behind The Scenes” zur Entstehung des Albums.

Keine Frage, dass man auch unvermeidbar eines der Livedates der “The Great Adventure”-Tour mitnehmen muss:
27.03. Esch/Alzette (Lux) – Rockhal Esch Sur Alzette
29.03. Köln – Kantine
03.04. Berlin – Heimathafen
04.04. Hamburg – Markthalle
05.04. Leipzig – Halle d / Werk 2
09.04. München – Technikum
10.04. Pratteln (CH) – Z7 Konzertfabrik

Veröffentlichung: 25.01.2019

Spielzeit: 54:32 / 49:45 Min.

Lineup:
Neal Morse: Lead Vocals, Keyboards, Guitars
Mike Portnoy: Drums, Vocals
Randy George: Bass
Eric Gillette: Guitar, Vocals
Bill Hubauer: Keyboards, Vocals

Label: Radiant Records / Metal Blade

Homepage: http://www.nealmorseband.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/nealmorse

Die Tracklist von “The Great Adventure”:

Act I:

Chapter 1 (12:50)
1. Overture
2. The Dream Isn’t Over

Chapter 2 (23:48)
3. Welcome To The World (Video bei youtube)
4. A Momentary Change
5. Dark Melody
6. I Got To Run
7. To The River

Chapter 3 (17:59)
8. The Great Adventure (Video bei youtube)
9. Venture In Black
10. Hey Ho Let’s Go
11. Beyond The Borders

Act II:

Chapter 4 (18:13)
1. Overture 2
2. Long Ago
3. The Dream Continues
4. Fighting With Destiny
5. Vanity Fair

Chapter 5 (30:57)
6. Welcome To The World 2
7. The Element Of Fear
8. Child Of Wonder
9. The Great Despair
10. Freedom Calling
11. A Love That Never Dies

Frank Hellweg
Lebensmotto "stay slow", Doomer halt.... Love & Peace geht auch immer, nur ohne Musik geht nichts!