THE GATHERING: The West Pole

THE GATHERING: The West Pole

Wer THE GATHERING zu sehr auf Anneke van Giersbergens Stimme reduziert und entsprechend Album Nummer eins nach dem Ausstieg der Frontfrau keine Chance einräumt, übersieht definitiv, dass die Rutten-Brüder von Anfang an diejenigen waren, die die unnachahmlichen Soundlandschaften erschaffen haben, welche die Holländer so einzigartig macht. Und so klingt The West Pole auch ohne die rothaarige Sängerin einmal mehr unverkennbar nach THE GATHERING. Zwar klingt das neue Album nicht so konsequent abgespaced und experimentell wie How To Measure A Planet?, natürlich nicht so metallisch wie Mandylion und nicht so introvertiert-melancholisch wie der Vorgänger Home, doch auch ohne den ganz eindeutigen emotionalen roten Faden weiß The West Pole zu überzeugen und sich meilenweit über den Sumpf der Female-Fronted-Epigonen zu erheben. Nach dem relaxt-rockigen Intro When Trust Becomes Sound darf die Neuerwerbung Silje Wergeland ihre Stimme ein erstes Mal in Treasure erklingen lassen und sorgt zunächst einmal für überraschtes Stirnrunzeln, klingt sie doch kaum anders als ihre Vorgängerin und ihre Gesangslinien sind ähnliche Gratwanderungen zwischen direkter Hookline und komplexen Arabesken. Das mag in Zukunft Fluch oder Segen sein, der Übergang in die neue Ära fällt dadurch jedenfalls schon mal enorm leicht. Dass The West Pole weniger in sich gekehrt und dafür etwas rockiger ausfällt, zeigt danach All You Are mit flotten Snareschlägen, zu denen Silje brilliert. Hier und da klingt sie in der Folge etwas zerbrechlicher als Anneke, was manch einer ihr als Stimmschwäche auslegen wird, doch spätestens bei der unkitschigen Klavierballade You Promised Me A Symphony wird klar, dass das Buch von THE GATHERING noch viele weitere spannende Kapitel haben dürfte, auch ohne die auf diesem Album noch in zwei Songs eingesetzten Gastsängerinnen. Musikalisch präsentieren sich Hans und René Rutten gemeinsam mit ihrem Mitmusikern dazu nochmals organischer als schon auf Home. Die elektronischen Soundspielereien von Souvenirs werden weiter auf ihr bloßes Skelett reduziert, dafür stehen simple, aber effektive Gitarre-Bass-Schlagzeug-Arrangements mit großen Melodien und dieser unverkennbaren Atmosphäre, die trotz aller Dunkelheit jegliche Gothic-Untiefen weiträumig umschifft. The West Pole mag kein absolutes Meisterwerk der Band sein, doch angesichts der komplizierten Situation stellt es ein deutliches Ausrufezeichen dar, das beweist, dass mit THE GATHERING nach wie vor zu rechnen ist.

Veröffentlichungstermin: 08.05.2009

Spielzeit: 54:19 Min.

Line-Up:
Silje Wergeland – Gesang
René Rutten – Gitarre
Hans Rutten – Schlagzeug
Marjolein Kooijman – Bass
Frank Boeijen – Gitarre

Produziert von René Rutten
Label: Psychonaut Records/Soulfood

Homepage: http://www.gathering.nl/

MySpace: http://www.myspace.com/gatheringofficial

Tracklist:
When Trust Becomes Sound
Treasure
All You Are
The West Pole
No Bird Call
Capital Of Nowhere
You Promised Me A Symphony
Pale Traces
No One Spoke
A Constant Run