THE GATHERING: Disclosure

THE GATHERING: Disclosure

Wirkte The West Pole noch wie ein vorsichtiges – und dennoch absolut hörenswertes – Abtasten und Ausprobieren nach dem Ausstieg von Anneke van Giersbergen, bestätigt Disclosure, dass THE GATHERING wieder zur vollen Leistungsfähigkeit zurückgefunden haben.

Kaum sind auf Disclosure die ersten flirrenden Akkorde des eingängigen Openers Paper Waves erklungen, erkennt man sofort drei Dinge: zum einen die klare Handschrift der Rutten-Brüder, die dafür sorgt, dass jede Note unverkennbar THE GATHERING ist, zudem die exponiertere Rolle von Silje Wergeland, die nun auch mit ihrer klaren Stimme ganz wie ihre Vorgängerin einem Song diese unwiderstehliche Sogwirkung verleihen kann, die süchtig macht nach den ungekünstelten, aber umso eindringlicheren Melodien. Drittens fällt auf, dass THE GATHERING die alte Experimentierfreude wiedergewonnen haben und nahezu jeden der acht Songs mit einem ganz eigenen Gesicht versehen. Meltdown schwankt zwischen vergleichsweise wuchtiger Elektronik, männlichem Sprechgesang im Vers und einer starken Hookline von Silje, nur um anschließend von Trompetenklängen ebenso überraschend wie atmosphärisch passend weitergeführt zu werden. Paralyzed und vor allem auch Heroes For Ghosts wiederum unterstreichen die Ausnahmestellung von THE GATHERING, wenn es um die maximale Verdichtung von Stimmungen mit minimalsten Mitteln geht. Ein einfacher Beat, ein paar gezielt eingesetzte Gitarrenparts, eine wunderschöne Melodie – Reduktion in Perfektion.

Gleichzeitig scheinen THE GATHERING ihre Freiheit in vollen Zügen zu genießen, indem sie Heroes For Ghosts in einen minutenlangen, trippigen Jam inklusive Streichern, Bläsern und einem langen Spannungsbogen ausufern lassen. Im Spannungsfeld zwischen Minimalismus und Experimentierfreude sind auch die beiden Zwillinge Gemini I und Gemini II angesiedelt. Die identischen Gesangsmelodien werden hier einmal mit Rock-Dynamik, einmal mit einfachster Instrumentierung, die selbst die Spartaner verschwenderisch erscheinen lässt, dargeboten, wodurch ein völlig unterschiedliches und doch unverkennbar eineiiges Zwillingspärchen entsteht, das das introvertierte, eindringlich von Silje mit Klavierbegleitung vorgetragene Missing Seasons und den neunminütigen Parforceritt I Can See Four Miles umrahmt. Letzterer Song besticht durch seinen an ältere PINK FLOYD-Psychedelik erinnernden Anfang und die äußerst gelungene Dynamik, die ständig zwischen extrem ruhig, rockend, treibend und völlig abgespaced variiert. Unterstützt wird der Trip-Charakter des Stücks von abgedrehten Synthiesounds und Effekten sowie von Tribal-Trommeln, die nach und nach die Hauptrolle übernehmen. Dadurch entsteht ein Soundkaleidoskop, das die im Titel genannte gute Fernsicht darauf zurückführen lässt, dass man beim Hören von I Can See Four Miles auch ganz ohne die Zuhilfenahme illegaler Stimulanzien high wird. Selten war der Name von THE GATHERINGs eigener Plattenfirma – Psychonaut Records – passender als für Disclosure, das zudem alle Qualitäten eines Growers mitbringt, und dennoch schon vom ersten Hördurchgang an begeistert.

Veröffentlichungstermin: 12.09.2012

Spielzeit: 51:45 Min.

Line-Up:

Silje Wergeland – Gesang
René Rutten – Gitarre, Theremin 
Hans Rutten -– Schlagzeug 
Frank Boeijen – Keyboards
Marjolein Kooijman – Bass

Produziert von René Rutten
Label: Psychonaut Records

Homepage: http://www.gathering.nl

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/gatheringofficial

Tracklist:

1. Paper Waves
2. Meltdown
3. Paralyzed
4. Heroes For Ghosts
5. Gemini I
6. Missing Seasons
7. I Can See Four Miles
8. Gemini II