THE FACELESS: Planetary Duality

Zu perfekte und sterile Verpackung, für spannenden, mitreißenden und tiefen Tech Death Metal.

Beginnt der Fortschritt mit einem gewissen Rückschritt? Ist eine neue Szene des technischen Death Metal am Entstehen? Es scheint so. Spätestens seit der CYNIC-Reunion haben einige junge, höchst talentierte Bands begriffen, wie diese Musik noch klingen kann und verbinden Elemente von Focus, das derzeit eine Renaissance erlebt, mit ihrem jungendlichem Leichtsinn. THE FACELESS sind eine dieser Bands und haben ihr zweites Album Planetary Duality schon im November in den USA veröffentlicht, wo es wie eine Bombe einschlug. Und das nicht ganz zu unrecht, wie jeder feststellen wird, der sich mit diesem Album mehr als nur einen Nachmittag befassen wird.

Und so ist dieses Album das, was man als einen Grower bezeichnet, denn wenn die Zeit reif ist, nimmt dich Planetary Duality gefangen und umgarnt dich mit einer wahren Wand aus hochkomplexen Riffs, tödlichen Blast Beats und absolut ungewöhnlichen Melodien und Leadgitarren. Hier wird peinlich genau auf eine ausgewogene Balance zwischen kompromissloser Brutalität und niveauvoller Melodik geachtet, so dass man sich nicht vorstellen kann, dass bei THE FACELESS derart junge Musiker zu Werke gehen, denn das klingt nach einer höchst erfahrenen Band. Vom Songwriting her sind die fünf aus Kalifornien, allen voran Bandchef Michael Keene, schon sehr reif, dennoch klingt es stellenweise so, als hätten sie von ihren Lieblingsbands die besten Riffs für ihre Zwecke eingesetzt. Die Einflüsse von SPAWN OF POSSESSION, NILE und CYNIC sind allgegenwärtig, auch die verquere Rhythmik von MESHUGGAH und die Fusion-Elemente von FREDRIK THORDENDALS SPECIAL DEFECTS machen sich immer wieder bemerkbar, eine eigene Identität hat man sich ergo noch nicht zugelegt.

Dafür sind die Songs derart packend und spannend, dass man dies gerne übersieht. Gerade, wenn der Fuß vom Gaspedal genommen wird und man THE FACELESS sich auf die atmosphärischen Gitarren konzentrieren, fasziniert es dich, garantiert. Die durchdachten Soli und Leadgitarren machen von vorne bis hinten Sinn und hinterlassen nicht selten Gänsehaut. Auch da die fünf aus Hollywood nicht nur von anspruchsvollen Gitarren leben, der Vocodergesang, eine klare Verneigung vor CYNIC, und das in Legion of the Serpent eingesetzte, irre Piano rückt die Band in Nähe norwegischer Avantgardisten. Auch vermögen es die US-amerikanischen Musiker dichte Spannungsbögen aufzubauen, was besonders gut bei dem abschließendem Zweiteiler funktioniert, von dem der erste Teil vor allem durch den geschickten Einsatz von hysterischen Sprachsamples wirken.

Dennoch gibt es ein paar Kritikpunkte an Planetary Duality, die nicht überhört werden können. Zunächst ist das Gegrunze von Derek Rydquist sehr eintönig und passt sich nicht der Diversität des Quintetts an, wird aber glücklicherweise durch den klaren Gesang und die Vocoder-Einsätze von Michael Keene deutlich aufgelockert. Auch die Produktion stößt ein wenig auf, ist viel zu sauber und zu steril. Man hört deutlich, dass hier einiges bearbeitet wurde, zum Bespiel bei den abgehackten Riffs, die kein Mensch auf der Welt so sauber spielen kann. Das nimmt dem Album viel von seiner Authenzität.

Dennoch überwiegen die positiven Eigenschaften an dem mit sehr interessanten Texten ausgestattetem Zweitwerk von THE FACELESS deutlich und sorgen für Erstaunen und Entzücken, hauptsächlich natürlich beim angesprochenem Klientel. Bei aller Klasse ist Planetary Duality dennoch nur ein Vorgeschmack auf sensationelle Dinge, die schon bald kommen werden. Du wirst es merken, wenn es so weit ist, denn daran wirst du nicht vorbei kommen. Bis dieses Orakel sich bewahrheiten wird, ist dieses unverschämt kurze Album allerdings eine gute Überbrückung.

Veröffentlichungstermin: 20. Februar 2009

Spielzeit: 31:38 Min.

Line-Up:
Derek Rydquist – Vocals
Michael Keene – Guitar, Vocoder, Clean Vocals
Steve Jones – Guitar
Brandon Griffin – Bass
Lyle Cooper – Drums

Produziert von Michael Keene
Label: Lifeforce Records
MySpace: http://www.myspace.com/thefaceless

Tracklist:
1. Prison Born
2. The Ancient Covenant
3. Shape Shifters
4. Coldly Calculated Design
5. Xenochrist
6. Sons of Belial
7. Legion of the Serpent
8. Planetary Duality I (Hideous Revelation)
9. Planetary Duality II (A Prophecies Fruition)