THE AMITY AFFLICTION: Everyone Loves You…Once You Leave Them

THE AMITY AFFLICTION: Everyone Loves You…Once You Leave Them

Da haben sich wohl einige Fans zu früh gefreut. Als sich THE AMITY AFFLICTION nach dem soften Vorgänger „Misery“ mit der Single „All My Friends Are Dead“ zurückmeldeten, war die Welt wieder in Ordnung: Brutale Screams, ballernde Blasts und eine Aggressivität, die manche schon verloren glaubten. Die Australier können es also doch noch.

„Everyone Loves You…Once You Leave Them” startet zunächst enorm vielversprechend. Der Intro-Song “Coffin” startet leise und atmosphärisch, türmt sich auch dank des Synthie-Loops in der zweiten Hälfte immer weiter auf und entlädt sich schließlich im erwähnten „All My Friends Are Dead“. Dass THE AMITY AFFLICTION im Folgenden nur noch selten dieses Energielevel erreichen, ist ein Jammer, denn auf diese Weise wird aus dem Opener bereits der vorgezogene Höhepunkt.

Zugutehalten müssen wir THE AMITY AFFLICTION ein Gespür für nette Melodien

Im Folgenden zieht es „Everyone Loves You…Once You Leave Them” dann eben doch wieder in die poppige Schiene. Das geschieht mal über eine deutliche Emo-Schlagseite („All I Do Is Sink“), mal mittels exzessiver Laut-Leise-Dynamik in „Soak Me In Bleach“. Zugutehalten müssen wir den Australiern das Gespür für nette Melodiebögen, deren moderner Anstrich jedoch oftmals mit überbordendem Autotune erkauft wird. Im schlimmsten Fall erinnert das in „Just Like Me“ gefährlich an die letzte I PREVAIL-Bruchlandung „Trauma“, wobei sich THE AMITY AFFLICTION zumindest erzwungene Trap- und Rap-Parts verkneifen.

Der poppige Alternative-Rocker „Baltimore Rain“ kommt immerhin mit einem coolen, aber kurzen Solo daher, legt jedoch auch das Problem des aktuellen Materials offen: Shouter Joel Birch hat über weite Strecken des Albums kaum zu tun und agiert häufig als besserer Background-Vokalist. Falls überhaupt: Die schmalzige Pop-Ballade „Aloneliness“ mag catchy sein, ist von den Wurzeln der Band aber so weit weg, dass wir uns fragen, ob THE AMITY AFFLICTION nicht endlich den Schnitt wagen sollten, den BRING ME THE HORIZON jahrelang vor sich hergeschoben haben.

Eigentlich können THE AMITY AFFLICTION es doch…

Zumindest würden die Australier dann nicht mehr so kopflos zwischen den Genres umherirren. Das einzig Positive daran: Zwischen den extensiven Emo-Rock-Passagen freuen wir uns selbst über simples Metal-Riffing, das in „Born To Lose“ die Melancholie durchbricht. Immerhin stimmt „Catatonia“ zum Schluss halbwegs versöhnlich. Hier gibt es brutale Screams, knallende Blasts und eben die Aggressivität, die wir im Verlauf des Albums schon verloren glaubten. THE AMITY AFFLICTION können es also doch noch – nur wollen sie offenbar nicht.

Veröffentlichungstermin: 21.02.2020

Spielzeit: 36:21

Line-Up:

Joel Birch – Vocals
Dan Brown – Guitar
Ahren Stringer – Bass, Vocals
Joe Longobardi – Drums

Produziert von Matt Squire

Label: Pure Noise Records

Homepage: http://theamityaffliction.net/
Facebook: https://www.facebook.com/theamityafflictionofficial/

THE AMITY AFFLICTION “Everyone Loves You…Once You Leave Them” Tracklist

01. Coffin
02. All My Friends Are Dead (Audio bei YouTube)
03. Soak Me In Bleach (Video bei YouTube)
04. All I Do Is Sink
05. Baltimore Rain
06. Aloneliness
07. Forever (Video bei YouTube)
08. Just Like Me
09. Born To Lose
10. Fever Dream
11. Catatonia (Audio bei YouTube)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.