STYGIAN CROWN: Stygian Crown

„Candlethrower“ wird der musikalische Stil von STYGIAN CROWN, die hier ihr Debüt vorstellen, im Info der Plattenfirma genannt, was auf eine Mischung von CANDLEMASS und BOLT THROWER hindeuten soll, also zwei Bands, die ich außerordentlich gut finde. Gefährliches Terrain also,  auf dass sich die KalifornierInnen hier begeben….Aber, soviel sei vorab gesagt, sie machen ihre Sache wirklich gut.

Man muss allerdings feststellen, dass die Band für ihren „Candlethrower“ eine gehöriges Arsenal an Kerzen aufgestellt, aber nur einen recht kleinen Schleuder-Mechanismus aufgebaut hat, so dass es die meiste Zeit bei der Kerzenmesse bleibt, und nur gelegentlich etwas geworfen wird. Was aber nicht schlimm ist, denn dicke, epische Kerzen zu gießen hat die Band wirklich drauf.

STYGIAN CROWN sind geübte & gute Songwriter

Die Band besteht nicht aus Frischlingen, teilweise sind die Musiker mit GRAVEHILL seit 2001 aktiv, Rhett Davies mit MORGION bereits seit Anfang der 1990er, und so verwundert es nicht, dass sie das Songwriting-Handwerk perfekt beherrschen. Trotz der Länge der Songs, kommt kaum Leerlauf, Überflüssiges oder Redundanz vor, ganz im Gegensatz zu dieser Aufzählung. Auch die Produktion ist gelungen, mit einen fantastischen Gitarren-Sound und kraftvollen Drums, sowie einer beeindruckenden Klarheit, die aber trotzdem nicht steril, sondern warm rüberkommt. Bis hierher also alles richtig gemacht und meinen Geschmack exakt getroffen.

Musikalisch bekommen wir Epic Doom, mit viel Melodie und dramatischem Klar-Gesang, fantastisch dargeboten von Sängerin Melissa Pinion, bei der ich nicht anders kann,als sie mir in Mönchskutte vorzustellen, so nah ist ihr Gesangs-Stil an Messiah Marcolin. Man höre nur „Up from the Depths“, da wird der bewitched Samarithan zum Gallows End geführt, dass es eine wahre Freude ist.

Epic Doom in der Nähe von CANDLEMASS

Überhaupt fällt es manchmal schwer von „Nähe“ zu CANDLEMASS zu sprechen, da der Abstand im Riffing und der Songs-Struktur sich teilweise nur im Milimeter-Bereich befindet. Allerdings bewegt sich die Band dabei auf so hohem Niveau und verpackt genug Leidenschaft in die Songs, dass mich das nicht besonders stört. Im Gegenteil, Songs wie „Devour the Dead“ oder „Two Coins for the Ferryman“ (Nimm dies, Chris de Burgh!) wären auch auf den letzten Alben der Schweden Highlights gewesen. In „Trampled into the Earth“ wird sogar dem markanten Bass-Spiel und Bass-Sound des Meisters Leif Edling mit einem kleinen, typischen Solopart eine Hommage gegönnt. In Marvel-Superhelden-Filmen nennt man so was wohl Fan-Service.

Die Songs, die einen „Thrower“-Anteil besitzen, wie etwa „Flametongue“, fallen da fast schon etwas ab, wenn auch auf hohem Niveau. Allerdings verleiht Melissa Pinion mit ihrer kraftvollen, gar muskulös wirkenden Stimme auch diesen Songs die nötige Portion Dramatik und Melodie, um auch die durchaus härteren Riffs perfekt in das Album einzubinden. Ohnehin hebt die Stimme das Album über den Durchschnitt hinaus, denn die Riffs und Melodien sind allesamt gutklassig und wirklich gekonnt dargeboten, aber der Gesang ist absolute Extraklasse. Die mitreißende, technisch einwandfreie Stimme (man ertappt sich dabei, beim Zuhören unwillkürlich dramatische Gesten zu machen) verleiht der Musik das gewisse Etwas und macht das Debüt von STYGIAN CROWN zu einer außergewöhnlichen Epic Doom Platte, die man jedem, der etwas mit dem Genre anfangen kann, unbedingt ans Herz legen muss. Und der Band eine Tour mit SMOULDER, das wäre wirklich perfekt.

Label: Cruz del Sur

Release Date: 26.6.2020

STYGIAN CROWN „Stygian Crown“ Tracklist

1. The Hall Of Two Truths (0:33)
2. Devour The Dead (6:35)
3. Up From The Depths (6:55) (Audio bei YouTube)
4. Through Divine Rite (8:33)
5. Flametongue (8:08)
6. When Old Gods Die (7:12)
7. Trampled Into The Earth (6:15)
8. Two Coins For The Ferryman (7:11) (Audio bei YouTube)

 

Line Up:

Melissa Pinion – Vocals
Nelson Tomas Miranda – Guitar
Jason Thomas- Bass
Andy Hicks – Guitar
Rhett A.  Davis – Drums

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