SONATA ARCTICA: Reckoning Night

Alles in allem hat die CD über die gesamte Spielzeit einiges zu bieten und ist für meinen Geschmack besser ausgefallen als die beiden Vorgängeralben.

Auch wenn es manche Leute nicht wahr haben wollen, so wohnt doch jeder Plattenkritik ein subjektives Moment inne. Außerdem kann es sich begeben, dass der Autor nach der Lektüre von Herman Hesse mit einem Mal gar sonderbare Formulierungen erdenkt. Nachdem dies nun gesagt ist, will ich nicht länger zögern.

Die Finnen um Frontmann Tony Kakko haben den Heavy Metal zwar weder erfunden noch revolutioniert. Aber ich finde die Band schlicht und ergreifend sympathisch! Schon der Erstling Ecliptica vermochte mich mit seiner Frische rückhaltlos zu begeistern. Dass die folgenden Veröffentlichungen streckenweise arg routiniert klangen, tat meiner Begeisterung wenig Abbruch. Denn im Gegensatz zu unzähligen anderen Melodic Speed Metal-Bands bewahrte sich die Band eine jugendliche Aura. Am deutlichsten wurde dies stets am Gesang von Tony Kakko. Mal melodisch hoch, mal kräftig tief sorgte er für das Portiönchen Eigenständigkeit, das SONATA ARCTICA von anderen Bands abhob. Weder klangen sie wie eine 1:1-Kopie ihrer Vorbilder, noch fehlte es der Musik an den nötigen Aufhängern, die eine erstklassige Band von einer Nachwuchs-Combo unterscheiden.

Ich schicke diese ausführliche Einleitung vorweg, weil Reckoning Night die logische Fortsetzung der bisherigen Bandgeschichte darstellt. Das bedeutet keineswegs, dass die Band auf Nummer Sicher gegangen ist und sich lediglich selbst kopiert hat. Vielmehr wurden bewusst neue Elemente in die Songs eingebaut, die für Abwechslung sorgen und so verhindern, dass SONATA ARCTICA auf ihrem nunmehr vierten Album stagnieren.

Der Opener Misplaced ist ein klassischer Hochgeschwindigkeitsfeger, der einfach nur Spaß macht. Auch Ain´t Your Fairytale verwandelt sich nach einem ruckartigen Einstieg in ein tolles Speed Metal-Stück, das problemlos auf allen anderen Alben hätte stehen können. Dazwischen gibt es mit Blinded No More einen schleppenden Song, der mich offen gestanden etwas irritiert. Abgesehen von den beiden etwas gesichtslosen Tracks Don´t Say A Word (flott mit dramatischem Refrain) und My Selene (flotter mit fast schon schnulzigem Refrain) ist dies aber meines Erachtens der einzige Ausfall. Denn die verbleibenden vier Stücke (Titel- und Bonustrack sind nicht mehr als Zwischenspiel und Akustikgekasper) bergen noch so manche (positive) Überraschung. Die unterhaltsame Geschichte The Boy Who Wanted To Be A Real Puppet verzichtet auf die übliche Songstruktur und besitzt herrliche Melodien. Wildfire bewegt sich dagegen knapp unterhalb der Thrash-Grenze. Die Keyboards – Henrik Klingenberg hat sich bestens in die Band eingefügt! – bleiben zwar auch hier präsent, nehmen der Musik hier aber wenig von ihrer Härte und Bosheit. White Pearl, Black Oceans… krönt schließlich mit einem hymnischen Chorus die CD, ehe die obligatorische Halbballade Shamandalie das Album würdig abschließt.

Alles in allem hat Reckoning Night also über die gesamte Spielzeit einiges zu bieten und ist für meinen Geschmack besser ausgefallen als die beiden Vorgängeralben. Ob SONATA ARCTICA mit der CD den skandinavischen Power Metal-Thron besteigen dürfen, sei dahingestellt. Aber die Band hat ein erstklassiges, unverbrauchtes Album abgeliefert und sammelt weiterhin fleißig Sympathiepunkte. Deshalb Kaufempfehlung für alle Fans des Genre!

Veröffentlichungstermin: 11.10.2004

Spielzeit: 56:40 Min.

Line-Up:
Tony Kakko: Gesang

Jani Liimatainen: Gitarre

Marko Paasikoski: Bass

Tommy Portimo: Schlagzeug

Henrik Klingenberg: Keyboards

Produziert von SONATA ARCTICA
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.sonataarctica.info

Tracklist:
1. Misplaced

2. Blinded No More

3. Ain´t Your Fairytale

4. Reckoning Day, Reckoning Night…

5. Don´t Say A Word

6. The Boy Who Wanted To Be A Real Puppet

7. My Selene

8. Wildfire

9. White Pearl, Black Oceans…

10. Shamandalie

11. Wrecking The Sphere (Bonustrack)