SOLSTAFIR: I Blodi Og Anda

Thema verfehlt. SOLSTAFIR wollten wohl majestätischen, rohen Black Metal spielen – und bringen es nur zum Prädikat „roh“. Wer damit zufrieden ist, wird allerdings bestens bedient.

In Island gibt es einen Ort namens “Dimmu Borgir”, was soviel wie “Tor zur Hölle” bedeutet, wenn ich richtig informiert bin. In Norwegen gibt es eine Band gleichen Namens. Daraus kann man nun folgern, daß diese sozusagen das Tor zur Hölle öffnet. Daß sie das nicht tut, ist hinlänglich bewiesen; was aber tun, wenn man trotzdem in die Hölle will, zumindest metaphorisch gesehen?

Ich empfehle diese netten Herren hier: SOLSTAFIR. Sie kommen nicht nur original aus Island, nein, sie haben auch noch rein gar nichts mit DIMMU BORGIR zu tun. Stattdessen sind sie völlig wahnsinnig. Musikalisch betrachtet mag der Hörer bei den ersten Liedern des Kleinodes „I Blodi Og Anda“ zwar nicht so recht an Black Metal denken, sondern vielmehr an ziemlich abgefahrenen New School Hardcore, aber mit einer großen Portion Vorstellungskraft mag daraus sowas wie ein Album „roh, urtümlich und doch voll von hymnischer Gewandtheit“ (Labelinfo) entstehen, na ja, roh und urtümlich stimmt, aber mit der hymnischen Gewandtheit hapert´s wohl in Island. Die Songs sind zwar saumäßig lang, was für „Hymnen“ offenbar eine notwendige Bedingung darstellt, aber leider auch so eintönig, daß man sich nach fünf Minuten einfach fragt, ob jetzt nicht mal ein neuer Akkord ganz passend wäre. Gut, wenig Abwechslung kann man den Nordlichtern auf ihrem Debütalbum nicht vorwerfen, denn Tempowechsel und verschiedene melodische Akkordfolgen sind schon auszumachen – nichtsdestoweniger ist es einfach der Mangel an songwriterischer Klasse, der die Lieder zu dem macht, was sie sind: Brutale, kranke und viel zu lange Selbstbeschäftigungen irgendwo zwischen Punk, Black Metal und Hardcore – ja, dieses Album mag in der Tat als Lehrbeispiel dafür gelten, was so mancher kluge Kopf schon längst als These vertritt: daß nämlich Punk und Black Metal weitaus mehr gemein haben als man denken mag. Und so jagt ein Schrammelriff das nächste, wobei die Jagden immer ausgesprochen in die Länge gezogen werden, der Sänger kreischt wirklich außergewöhnlich pervers durch die Gegend, und das Schlagzeug poltert mehr als daß es spielt. Ausnahme: die wunderschöne und mit einem Gastsänger eingespielte Black Metal-Ballade „Bitch In Black“, die allerdings kein bißchen repräsentativ für das Album ist: hier stört nicht einmal die Überlänge.

Also: Thema verfehlt. SOLSTAFIR wollten wohl majestätischen, rohen Black Metal spielen – und bringen es nur zum Prädikat „roh“. Wer damit zufrieden ist, wird allerdings bestens bedient.

VÖ: Frühjahr 2002

Spielzeit: 56:59 Min.

Line-Up:
Adalbjörn Tryggvason – Gitarre & Gesang

Svavar Austmann – Bass

Gudmundur Oli Palamson -Drums

Produziert von SOLSTAFIR
Label: Ars Metalli
Email: solstafir@helviti.com

Tracklist:
1. Undir Jökli

2. I Blodi Og Anda

3. The Underworld Song

4. Tormentor

5. 2000 HR

6. Ei Via Munum Idrast

7. Bitch In Black

8. I Viking

9. Arstiair Daudans