SKOLD: Anomie

Tim Skold röhrt ganz provokativ "Suck My Rock" und ich melde mich demnächst beim Chirurgen für eine Trommelfelltransplantation.

Über Tim Skold selbst müssen wohl keine großen Worte mehr fallen: mit KMFDM und MARILYN MANSON hat der Herr, der eigentlich Thim Sköld heißt, so ziemlich alle Stationen durch, dass manch schwarzgekleidetes Mangamädchen allein schon beim Klang seines Namens ins Ohnmacht fallen könnte. Wer das nicht tut, wird es wohl spätestens beim aktuellen Soloalbum Anomie, denn – auch wenn ich nicht allzuviel von Industrial-Gothic-Gestampfe verstehe – wird sowohl jedes Klischee bedient, als auch ziemlich hochwertige musikalische Leistungen gebracht.
Kein Wunder eigentlich bei solch einer Vorgeschichte, das elektronische Gebrülle zum Beispiel (Black Out), so erinnere ich mich ganz dumpf, könnte man von MARILYN MANSON kennen.

Aber ein Abschreiber ist der Mann nicht. Merkt man, wenn man es schafft, sich das komplette Album in einem Rutsch anzuhören, ohne vorher einen Hörsturz zu erleiden. So verbaut SKOLD nicht nur Blastbeats und böse Vocals (Angel Of Noise), sondern auch ziemlich peppig-poppige Midtempo-Beats (Satellite) und balladeske elektronische Töne (What You See Is What You Get) und beweist nebenher auch noch ein gewisses Gesangstalent. Kraftvolles Herzstück ist der Opener (This Is My) Elephant, in dem SKOLD wohl seinen größten Trumpf ausspielt und dem Hörer ein tolles Solo vor den Latz knallt, das Ganze noch mit einem Riff paart, das sich hartnäckig in die Gehörgänge frisst und einen brachialen Text dazubastelt.

Sicher ist das Album nach ein paar mal Hören für einen Nicht-Fan wie mich ziemlich anstrengend, sowohl für Mangagothics mit Schleifchen im Haar als auch für ernsthafte Musikfans ohne genrespezifische Kleidung ist Anomie dennoch ein Ohrenschmaus und einen Kauf mehr als wert.

Veröffentlichungstermin: 20.05.2011

Spielzeit: 52:08 Min.

Line-Up:
Tim Skold

Label: Metropolis Records

Homepage: http://www.skold.com/

Tracklist:
1. (This Is My) Elephant
2. Suck
3. Black Out
4. Angel Of Noise
5. Satellite
6. Becoming
7. The Hunger
8. Here Comes The Thunder
9. And Then You Die
10. Miserably Never Ever
11. Tonight
12. What You See Is What You Get