SIBIIR: Ropes

SIBIIR: Ropes

Die teils kargen Landschaften Sibiriens dienen nicht von Ungefähr als Namenspate für die Norweger. In der Tat ist die Musik SIBIIRs in vielerlei Hinsicht ähnlich unwirtlich wie die kalten Winter in der russischen Region. Von der schönen Natur, die man dort auch findet, ist auf „Ropes“ nichts zu spüren. Zwischen Black Metal und Hardcore gleicht die Platte vielmehr einer Abrechnung mit der postmodernen Gesellschaft.

Am Menschen lassen SIBIIR kaum ein gutes Haar, weshalb sie in „The Silent Repent“ letztlich nur einen sinnvollen Ausweg sehen: Allein kollektiver Selbstmord kann den Planeten von seiner größten Plage erlösen. „Ropes“ umarmt uns in der Folge konsequent mit Stacheldraht, damit wir gar nicht erst auf die Idee kommen, es uns mit dem kompromisslosen Gespann heimelig zu machen.

Das Schlagzeug verleiht „Ropes“ eine ungeschliffene Note

Mit Blast Beat und frostigen Gitarren heißt uns „Leeches“ Willkommen, während die keifende Stimme von Jimmy Nymoen den schwarzen Himmel durchschneidet. Die Hardcore-Wurzeln SIBIIRs merken wir bald darauf, wenn „Worlds Apart“ mit unverschämt dreckigem Groove die zuvor kahl gerodeten Felder zum Pit umfunktioniert. Auch Nymoen klingt nach dem ersten Willkommensgruß am Anfang der Platte so brachial, wie wir es von Post Metal-Bands à la CULT OF LUNA – schön zu hören in „Monoton“ – oder VATTNET VISKAR gewohnt sind.

Stets präsent sägen sich die Gitarrenwände ins Fleisch, während das erdige Schlagzeug mit seinen scheppernden Becken den Kompositionen eine ungeschliffene Note verleiht. „Transparent Lives“ balanciert auf diese Weise zwischen Post Metal, Hardcore sowie Black Metal und verlässt sich dabei in erster Linie auf das abgezockte Riffing der beiden Gitarristen Steffen Grønneberg und Tobias Gausemel Backe.

Richtig ausbrechen wollen SIBIIR aus ihrer kreativen Nische nicht

Ehrlicherweise erkennen wir nach der Hälfte bereits, dass „Ropes“ abseits dieser Stilmittel sein Repertoire bereits erschöpft hat. Da gibt es vielleicht noch die unheilschwangere Leadgitarre in „The Silent Repent“ oder den schleppenden Doom-Charakter von „Blurred Flickering Pictures“. Richtig ausbrechen wollen SIBIIR aus ihrer kleinen kreativen Nische jedoch nicht.

Dass wir dies nicht einmal als sonderlich störend empfinden, verdanken die Norweger ihrer Konsequenz, die das Album atmosphärisch geschlossen hält, ohne sich zu sehr im Kreis zu drehen. Innovationen sind spärlich gesät, aber häufig genug, um uns regelmäßig in diese unerbittlichen Klangwelten zurückzuholen. Genau dieser Kniff ist letztendlich die größte Errungenschaft SIBIIRs: Denn wer verbringt sonst freiwillig seine Zeit an einem Ort, dessen karge Permafrost-Landschaften so einladend sind wie ein russischer Winter?

Veröffentlichungstermin: 4.10.2019

Spielzeit: 41:16

Line-Up:

Jimmy Nymoen – Vocals
Steffen Grønneberg – Guitars
Tobias Gausemel Backe – Guitars
Kent Nordli – Bass
Eivind Kjølstad – Drums

Produziert von SIBIIR und Øyvind Røsrud Gundersen; Magnus Lindberg (Mix); Brad Boatright (Mastering)

Label: Fysisk Format

Homepage: http://www.sibiir.com/
Facebook: https://www.facebook.com/sibiir/

SIBIIR „Ropes” Tracklist

1. Leeches
2. Worlds Apart
3. For The Few (Audio bei YouTube)
4. A Trail Of Failed Attempts
5. Transparent Lives
6. The Silent Repent
7. Blurred Flickering Pictures
8. Monoton
9. Old Patterns

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.