RPWL: World Through My Eyes

Ganz großes Prog-Rock-Kino.

Kein Scherz, für mich sind PINK FLOYD eine der größten Bands aller Zeiten. Sie sind der Grund, warum ich – mehr schlecht als recht – anfing Gitarre zu spielen, sind vielleicht der Grund warum ich nicht vollends zum Zyniker mutiert bin. Aus meiner Heimatstadt Freising kommen die wohl prominentesten und offensichtlichsten deutschen PINK FLOYD-Verehrer, zumindest waren sie das noch auf dem großen Album Trying to Kiss the Sun. Auf Album Nummer vier sieht die Sache schon wieder anders aus.

PINK FLOYD sind zwar immer noch ein unüberhörbarer Einfluss für die Musiker, doch ist dieser längst nicht mehr so omnipräsent wie noch vor drei Jahren. Das vierköpfige Gespann um Sänger und Keyboarder Yogi Lang hat einiges an Härte zugelegt. Härte ist zwar ein relativer Begriff, doch die beiden ersten Songs Sleep und Start the Fire zeigen, dass man im Hause RPWL es auch beherrscht erdigen und kraftvollen Rock mit saftigen Riffs zu spielen. Die Erweiterung der Musik durch orientalische Elemente macht sich gerade im Opener Sleep äußerst gut und bringt die Musik des Gespanns hörbar auf die nächste Ebene. Doch nicht nur in den rockigen, auch in den ruhigen Stellen schleicht sich hörbare Weiterentwicklung ein: Everything Was Not Enough beispielsweise beginnt poppig, leicht melancholisch bis am Ende ein tolles ausgedehntes Solo den Song zu einem waren Ohrenschmaus werden lässt.

Bei RPWL liegt die Kraft im Detail, sei es durch Einsätze von schönen PINK FLOYD-mäßigen Synthies in 3 Lights oder durch verschiedenste Gitarrensounds. Die Band gibt ihren langen Songs viel Raum zu atmen und sich zu entfalten, wie das beeindruckende Sea-Nature mit seinen vielen Facetten zeigt. Dadurch bekommt der Hörer auch ein warmes Kribbeln im Bauch. Die Musik birgt eine positive Aura in sich, in den zahlreichen melancholischen Stellen muss man einfach lächeln und sich gut fühlen. Gerade im zehnminütigen Titeltrack mit seinem fantastischem Refrain oder Roses, bei dem Ex-GENESIS-Sänger Ray Wilson zu hören ist entfaltet sich die ganze Kraft des bayerischen Quartetts. Manchmal jedoch driften die Musiker wie in Day on My Pillow in etwas seichte Gefilde ab, schade, denn auch diese Stellen hätten das Zeug zu mehr gehabt.

World Through My Eyes hat jedoch etwas, das vielen Prog-Rock oder Artrock-Scheiben fehlt: Substanz. Man spürt, dass RPWL eine Message haben und diese an den Hörer weitergeben wollen. Hinter dem Konzept, hinter den Texten und hinter der Musik steckt mehr, an das sich der Hörer langsam anschleichen muss. Gerade durch den eindringlichen Gesang von Yogi Lang – auch wenn die Aussprache etwas zu deutsch ist – steigert sich die Intensität des Albums noch weiter. Hier ist alles ehrlich, handgemacht und selbst wenn die Band Vorbildern wie GENESIS oder eben PINK FLOYD manchmal etwas übereifrig frönt – übelnehmen kann man es ihnen zu keiner Sekunde.

Dieses Album ist allen ans Herz zu legen, die gerne mal eine gute Stunde abschalten können, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen um sich dann in der Musik von RPWL wiederzufinden. World Through My Eyes ist großes Kino, vielleicht nicht perfekt, aber dadurch umso bodenständiger und intensiver.

Veröffentlichungstermin: 24. Januar 2005

Spielzeit: 70:47 Min.

Line-Up:
Yogi Lang – Vocals, Keyboards

Karlheinz Wallner – Guitars

Stephan Ebner – Bass

Manfred Müller – Drums

Produziert von Yogi Lang
Label: Tempus Fugit / Inside Out Music

Homepage: http://www.rpwl.de

Tracklist:
1. Sleep

2. Start the Fire

3. Everything Was Not Enough

4. Roses

5. 3 Lights

6. Sea-Nature

7. Day on My Pillow

8. World Through My Eyes

9. Wasted Land

10. Bound to Reach the End