ROPE SECT: The Great Flood

In einer Zeit, in der es uns höchstens unterhält, eher aber langweilt, wenn sich die nach wie vor sehr blasse Wissenschaft mit ihren unbequemen Fakten versucht, gegen grellen Populismus anzukommen, wundert es nicht, wenn sich Menschen von dem ganzen Zirkus abwenden. Ob aus Verzweiflung, Zynismus oder Nihilismus sei dahin gestellt. Werden wir absaufen, wenn wir so weiter machen wie bisher, weil alle Gletscher schmelzen? Werden wir verhungern, weil die Ernten für die Erdbevölkerung nicht mehr reichen und werden deshalb auch Kriege entstehen, weil sich manche endlich holen wollen, was ihnen zusteht? Beruhigend ist da, dass wir ein unendlich kleiner Punkt in einem unfassbar großen Universum sind, dass es für das große – und damit meine ich das aller-verficktnochmal-größte Ganze – scheißegal ist, ob auf diesem kleinen Punkt noch Tierchen rumwuseln, oder nicht.

Ob Inmesher, der Kopf hinter ROPE SECT, ähnliche Gedanken hatte, als er seine Postpunk-Band gründete? So oder so, wäre die Extinction Rebellion eine Band, wir hätten sie in ROPE SECT gefunden. Oder doch nicht? Denn auf ihrem Debütalbum „The Great Flood“ heben die Norddeutschen nicht den mahnenden Zeigefinger, sie lassen einfach alles enden. Die Flut kommt und schwemmt alles weg, was auf den Landmassen unseres klitzekleinen Punktes im All rumkriecht. Bis es so weit ist, versüßen wir uns die Zeit mit düsteren Predigten, süchtig machenden Melodien, krachenden Riffs und treibendem Schlagzeug. Verglichen mit den anderen Endzeit-Predigern und stilistisch nahestehenden GRAVE PLEASURES haben ROPE SECT einen metallischeren Gesamtsound und tragen weniger Rockstar-Gene in sich. Es scheint also kein Zufall zu sein, dass Kvohst Gefallen an der Sekte gefunden hat, bei den Stücken „Prison of You“ und „Flood Flower“ ist er als Gastsänger und -texter zu hören.

ROPE SECTs Debüt ist so stark, dass die Gastauftritte von Kvohst zu den Schwachpunkten von “The Great Flood” zählt.

Es spricht für die Qualität des Albums, dass die Songs mit dem GRAVE PLEASURES-Sänger die schwächeren auf „The Great Flood“” sind. Denn obwohl ich Kvohsts Stimme – auch hier – sehr mag, ist das tiefe, weiche Timbre von Inmesher mit der Grund, warum ich ROPE SECT geradezu verfallen bin. Seine Stimme bildet wenn es härter wird einen Kontrast zur Musik und ist in den leisen Stellen umso subtiler und gefühlvoller. Dass so unglaublich mitreißende Stücke im Spannungsfeld aus Postpunk und Deathrock entstehen, ist geradezu unumgänglich. Der Opener „Divide Et Impera“, „Rope of The Just“, „The Underground Paradise“ und „Issohadores“ sind kompakte Stücke, die ins Ohr und ins Bein gehen, aber immer wieder unerwartete Wendungen und Details parat haben, absolut frisch und unverbraucht klingen. Oder wer erwartet bei dieser Musik Blast Beats, die sich so wunderbar organisch in die Musik einfügen?

Daneben steht das träumerische „Eleutheria“, das neben seiner intensiven Melancholie eine sehr bedrohliche Seite hat. „Hiraeth“ kommt dem auch nahe, ist aber etwas härter und sehr dynamisch gehalten und bildet den Bogen zum doomigen Abschlusstrack „Diluvian Darkness“. Hier fahren ROPE SECT das ganze Spektrum auf, das es in diesem recht eingeengten Genre gibt und erschaffen einen epischen wie vielseitigen Schlusspunkt. So schnell und so nachhaltig hat mich seit einiger Zeit kein Album mehr mitgerissen. Durch den Kontrast aus finsterem Konzept, eingängiger, aber gewitzter Musik und wahnsinnig gutem, gefühlvollem Gesang haben ROPE SECT in dem Genre einen eigenen, schon jetzt unverwechselbaren Klang.

Das Konzept von “The Great Flood” schlägt aufs Gemüt, die Musik von ROPE SECT wirkt aber wie eine Droge

Das Konzept ist so hoffnungslos wie bitter, die Texte sind sehr komplex, und das ist es, was bei vermehrtem Konsum des Albums dann doch aufs Gemüt schlägt. Zur Dauerberieselung ist „The Great Flood“ dann doch nicht geeignet, aber genau diese Intensität musste erzielt werden, um der Weltuntergangssekte das passende Gewicht zu verleihen. Aber verständlich, wer von ROPE SECT, einer Droge gleich, nicht die Finger lassen kann. Zum Glück gibt es noch ein paar EPs, die fast genauso gut sind. Wer sich vor dem von Inmesher prophezeiten, unvermeidlichen Ende allen Lebens noch eine neue Lieblingsband im Postpunk und Deathrock zulegen will: Bitteschön, ROPE SECT warten.

Wertung: 9 von 10 Schwimmflügel

VÖ: 12. August 2020

Spielzeit: 44:26

Line-Up:
Inmesher – Guitars, Drums, Lyrics, Vocals
Harbinger – Bass
Gaarentwynder – Guitars
Redeemer – Drums

Label: Iron Bonehead

ROPE SECT „The Great Flood“ Tracklist:

1. Divide Et Impera
2. Rope of The just
3. Eleutheria
4. Prison of You
5. The Underground Paradise
6. Hiraeth (Official Video bei Youtube)
7. Flood Flowers
8. Non Serviemus
9. Issohadores
10. Diluvian Darkness

Mehr im Netz:

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