ROOT: Black Seal

ROOT: Black Seal

Wer es bis heute geschafft hat, diese bereits 1987 gegründete tschechische Band vollkommen zu ignorieren, gehört geschlagen. Kleinlaut erwarte ich also den Schmerz.
Da erscheint es doch umso gerechter, dass gerade mal einen Monat, nachdem ich mir das Album Black Seal zugelegt habe, völlig unerwartet die Promo des bereits im Jahre 2001 erschienen aktuellen Werkes vom Label ins Haus flattert. Ich habe die Ironie verstanden, danke.

ROOT haben im Laufe ihrer Karriere schon einige Stilwechsel vollzogen – nie aber zu ihrem Nachteil. Und so unterscheidet sich auch Black Seal deutlich von Alben wie Kärgeras oder Hell Symphony, ist aber gleichzeitig ein weiteres Meisterwerk dunkler Metallkunst geworden, das man irgendwo zwischen den drei Eckpfeilern KING DIAMOND, CANDLEMASS und SAVIOUR MACHINE einordnen könnte. Und dennoch schreckt man davor zurück, Vergleiche anzustellen, denn so berechtigt sie im einen Moment erscheinen, glaubt man der Band im nächsten damit völlig Unrecht zu tun.

Im Mittelpunkt des Sounds von ROOT steht Bandmitbegründer und Urviech Big Boss, der mit seiner mächtigen Opernstimme tiefe Spuren hinterlässt. Es ist unglaublich, mit was für einer Ausstrahlung dieser Mensch agiert und mit welchem Facettenreichtum er sein Organ einsetzt – trotz dass er völlig anders klingt, liegt der Vergleich mit dem King nahe, so stehen Ausdruck und Darbietung ganz klar im Mittelpunkt des Schaffens.
Ein völlig eigenwilliges Gebräu, das im Gegensatz zum besungenen sagenumwobenen Allheiltrank Theriak alles andere als eklig schmeckt, ist auch die musikalische Seite. Schwerste, schleppende Doomsongs, die in ihrer Intensität und Darbietung an ältere, epische LAIBACH-Stücke erinnern, sind ebenso auf dem Album zu finden, wie eher flottere Metalnummern oder mystisch anmutende Gohicsounds. Völlig simple Songstrukturen treffen auf vertracktes Spiel (und umgekehrt) und wie immer ist es die Mischung aus den Einzelfaktoren, die die Faszination ausmachen.
Da passt es auch perfekt ins Bild, wenn die Leadvocals beim atmosphärischen Salamandra von Fernando Ribeiro (MOONSPELL) stammen – ein Song, der für den Portugiesen geradezu maßgeschneidert erscheint.
Viele kleine Details sind es dann aber, die die Faszination ausmachen, sei es ein kehliges Grunzen im Hintergrund, ein bösartiges Lachen an der richtigen Stelle oder einfach nur die Betonung einzelner Worte. Wie die Tschechen die okkulten Themen in ihrer Musik transportieren ist plakativ und doch hintergründig, eine Mischung, die den Gros der Black Metal Szene weit hinter sich lässt. Zumal die Ausstrahlung der auch schon etwas betagteren Herren weit ernsthafter rüber kommt als es dem großen Wust an pseudocharismatischen Finster-Drein-Blicker je gelingen könnte.

Ein wahrlich fesselndes Album, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Spielzeit: 73:49 (netto ca. 59:00) Min.

Line-Up:
Big Boss – All Voices
Blackie – Guitars / Keys / Effects
Ashok – Lead / Rythm guitar / Keys
Igor – Axebass
Evil – All Drums

Produziert von Root
Label: RedBlack

Hompage: http://www.redblack.cz/root

Tracklist:
The Festival of Destruction
The Incantation of Thessalonian Women
Nativity
His Eyes Were Dark
Black Seal
The Faith
Salamandra
Necromancy
Theriak
The Mirror Of Soul
Liber Prohibitus
…Before I Leave!

Fierce
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