REVENGE: Strike.Smother.Dehumanize

Revenge Cover

In ihrer völligen Ablehnung von allem was schön oder angenehm bzw. einfach nur normal ist, lärmen REVENGE nun auch bereits seit 20 Jahren durch den Black Metal Underground um ihren Chaotic War Metal zu zelebrieren. Die Sturheit, mit der sie ihre sehr eigene Art „Musik“ mit ihrem markanten, militant-wirkenden Artwork durchziehen, ist alleine schon bemerkenswert.

Böse Zungen behaupten, dass die Kanadier in dieser ganzen Zeit eigentlich nur einen Song geschrieben haben, noch bösere meinen, es wäre eigentlich gar keiner. Auch die bisherige Meinung zu den Outputs der Band in diesem Magazin hier war eher, naja, von verhaltener Euphorie geprägt….

REVENGE machen auf „Strike. Smother. Dehumanize“ großen Spaß!

Das soll sich jetzt ändern. Mir macht diese Band großen Spaß, so absurd das jetzt auch klingen mag. Und das gilt auch für die neue Platte, so wie es bislang für die meisten ihrer Platten gegolten hat. Was sicher auch daran liegt, dass man Unterschiede zwischen den Platten mit der Lupe suchen muss. Und so wird auch auf dieser Platte Krach, Chaos und Rumpelei präsentiert, die genau das aufweist, was ihr jede schlechte Kritik vorwirft: nicht vorhandenes Songwriting und Dilettantismus. Aber schlechtes Songwriting oder fehlende Filigranität in der Beherrschung der Instrumente zu kritisieren, ist eigentlich sinnlos, denn beides gehört nicht zum Ansatz der Band. Wäre das der Fall, könnte, ja, MÜSSTE man es definitiv kritisieren. Aber was REVENGE abliefern möchte, ist der pure musikalische Schrecken auf die primitivst-mögliche Art, und das bedeutet konsequenterweise auch ohne wirkliches Songwriting und ohne richtige Musikalität. Und das schaffen sie jedes Mal. Auf allerhöchstem niedrigsten Niveau, wenn man so will.

Und dieses Niveau hält man auch auf „Strike.Smother.Dehumanize“. Im Review zwischen Songs und Sound zu trennen ist ebenso wenig sinnvoll, wie auf einzelne Songs einzugehen. Reden wir also zusammenfassend vom „Chaos“. Das „Chaos“ auf dieser Platte ist drückend und extrem heavy, Die Drums sind prominent und wuchtig an der vordersten Linie platziert, China-Crash-Becken klingen wie Peitschenknallen auf den Rücken der Zuhörer. Direkt dahinter wird gewürgt, geröchelt und rumgeschrieen, teilweise verfremdet, teilweise nur krank. Der Bass ist stark verzerrt, die Gitarre dumpf und wird nur unterhalb des 5. Bundes gespielt.

Das „Chaos“ ist mit primitiv noch euphemistisch beschrieben, es rumpelt an allen Ecken und Enden und natürlich gibt es nahezu durchgehend Blastbeats – alles genauso wie sich Fans und Hater der Band das vorstellen.

Und man fragt sich: Wieso gefällt mir so was? Was stimmt mit mir nicht? Wieso möchte man beim Hören der Platte umgehend mit Getriebeöl eingerieben einen Stammes-Tanz um ein Lagerfeuer aus Atom-Brennstäben aufführen? Was wird hier angesprochen? Animalische Instinkte? Archaische Gene? Die Faszination des Genialen im Primitiven? Hat der Teufel die Hand im Spiel? Oder ist das doch irgendwo Kunst? Vermutlich ist es all das zusammen.

Sind REVENGE mehr Crust als Black Metal?

Interessanterweise ging es mir genauso, als ich Anfang der 90er das erste Mal EXTREME NOISE TERROR gehört habe. Wenn man REVENGE den Black Metal-Aspekt in ihrem Auftreten, die Songtitel und das martialische Artwork wegnimmt und dann jemandem „Strike.Smother.Dehumanize“ vorspielt, könnte derjenige glatt auf die Idee kommen, irgendeine Underground-Crust/Grind-Band aus dem England der frühen Neunzigern entdeckt zu haben. Mit dieser Art musikalischer Eruptionen haben REVENGE aus meiner Sicht  – zumindestens musikalisch – mehr zu tun als mit Black Metal, wie ihn zum  Beispiel EMPEROR mit ihrer, bei aller Raserei, stets filigranen Kunstfertigkeit zelebrieren. Insofern mag der Vergleich zum frühen Crust passen, auch wenn ihn vermutlich alle genannten Bands weit von sich weisen würden. Vermutlich wird sowieso jede Band eine Vergleich mit REVENGE weit von sich weisen. Zugegebenermaßen höre ich mir auch lieber mehrere Platten von EMPEROR hintereinander an, als mehrere von REVENGE. Aber für Kunstgenuss mit Rotwein am Kaminfeuer ist das alles hier ja auch nicht gemacht worden.

Dennoch ist für all das Platz in meiner großen musikalischen Welt, in der eben auch REVENGE ihren kleine, verdreckte Nische zusammen mit ARCHGOAT und BESTIAL RAIDS haben. Ich finde, jeder sollte für seine primitiven, dunklen und anti-humanistischen Momente eine solche Nische mit einer Notfall-Box haben, die ihm den wirklich passenden Soundtrack für den Hass auf alles und jeden liefert. Welche Platte aus dem bisherigen Schaffen von REVENGE da hinein soll, ist dann eigentlich wieder völlig egal, aber mit „Strike.Smother.Dehumanize“ macht man auf jeden Fall nichts falsch.

Label: Seasons of Mist

Release Date: 22.05.2020

REVENGE „Strike.Smother.Dehumanize“ Tracklist

1. Reaper Abyss (Real Rain)
2. Reign Power (Above All Born)
3. Oath Violator  (Audio bei Youtube)
4. Salvation Smothered (Genocide of Flock)  (Audio bei Youtube)
5. Human Animal
6. Excommunication
7. Lightning Mythos
8. Self Segregation (System Torched) (Audio bei Youtube)
9. Death Hand (Strike Dehumanization)
10. Apostasy Imposed (Takeover Mode)

Line up:
J. Read – all music and lyrics

Recording lineup:

J. Read – Drums -Vocals – Effects
Vermin – Session Guitar – Bass – Effects

https://www.facebook.com/RevengeofficialSoMpage/

https://revengeofficial.bandcamp.com/