POWER TRIP: Manifest Decimation

POWER TRIP: Manifest Decimation

Drei der fünf kleinen Livebilder auf dem Backcover von Manifest Decimation nehmen mir gleich eine Menge Arbeit ab. Gitarrist Nick Stewart trägt ein NUCLEAR ASSAULT-Shirt, sein shreddender Kollege Blake Ibanez kleidet sich mit einem CRO-MAGS-Oberteil und Bassist Chris Whetzel stellt sein liebstes OBITUARY-Leibchen zur Schau. Was das mit dem Debütalbum von POWER TRIP zu tun hat? Na, Manifest Decimation klingt wie die exakte Schnittmenge aus diesen drei Bands. Da wird grimmig und wild gethrasht (Heretic´s Fork, The Hammer Of Doubt), dann wird altmodisch gemosht, mal näher am Death Metal (Crossbreaker), dann wieder sehr am Hardcore (Drown, Power Trip) orientiert. Die acht Nummern von Manifest Decimation sind dabei immer furchtbar wütend und wild, aber das Songwriting wird bei aller Simplizität nicht vernachlässigt. Statt einfach nur Riff an Riff zu reihen oder – schlimmer noch – aus jedem Riff einen eigenen Song zu konstruieren, gehen POWER TRIP erstaunlich planvoll vor, erschaffen abwechslungsreiche Stücke und haben so ein kurzweiliges Album parat.

Manifest Decimation ist überhaupt ein Album, das nicht nur Musik wie aus den Achtzigern bietet, sondern das sogar wie ein vergessenes Juwel aus dieser Zeit wirkt. Die Aufmachung mitsamt dem geilen Artwork könnte nicht authentischer sein, die Produktion geht d´accord: Auf der Snare-Drum ist der typische Hall zu hören, den es vor fünfundzwanzig Jahren auf allen brutalen Platten gab, der Gitarrensound kratzt und knirscht wie ehedem. Wer sagt, die Verbindung von Metal und Hardcore sei automatisch zum Scheitern verurteilt, der sollte seinen Fokus auf dieses Album richten. Statt stumpfer Breakdowns, Pig Squeals und hässlicher Mode ist hier der Spirit der Achtziger am Leben, mit all seiner Wut und seiner Reinheit. Ein paar Songs hätten doch etwas kompakter sein dürfen und vielleicht hätte es ein paar schnelle Nummern mehr gebraucht, dann wäre dies die ultimative Killermaschine geworden. So ist Manifest Decimation ein liebevolles Tribut an die späten Achtziger: POWER TRIP schaffen einen wilden, in Sachen Geschwindigkeit oft gemäßigten, dafür umso heavieren Höllenritt für Crossover-Thrash-Fans und das old-school Hardcore-Publikum, bei dem der Bandname Programm ist. Kein Oberhammer, aber dein Geld kannst du definitiv schlechter anlegen.

Veröffentlichungstermin: 28. Juni 2013

Spielzeit: 34:37 Min.

Line-Up:
Riley Gale – Vocals
Nick Stewart – Rhythm Guitar
Blake Ibanez – Lead Guitar
Chris Whetzel – Bass
Chris Ulsh – Drums

Produziert von Arthur Rizk
Label: Southern Lord Recordings

Homepage: http://powertriptx.bandcamp.com/
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/powertripTX

Tracklist:
Side A:
1. Manifest Decimation
2. Heretic´s Fork
3. Conditioned To Death
4. Murderer´s Row

Side B:
5. Cross Breaker
6. Drown
7. Power Trip
8. The Hammer Of Doubt