PENSÉES NOCTURNES: Grand Guignol Orchestra

PENSÉES NOCTURNES: Grand Guignol Orchestra

Vor knapp neun Jahren hatte Kollegin Arlette PENSÉES NOCTURNES noch etwas mehr Geduld gewünscht, um das Songwriting reifen zu lassen. Diese Zeit hat sich das Ein-Mann-Projekt aus Paris auch genommen. Denn anstatt einem Jahr zwischen dem damaligen Albumdebüt „Vacuum“ und dem angesprochenen „Grotesque“ liegen heute zwischen dem aktuellen Album „Grand Guignol Orchestra“ und seinem Vorgäner „À boire et à manger“ zumindest drei Jahre. Drei Jahre, in denen sich PENSÉES NOCTURNES-Mastermind Vaerohn eingehend mit „Grand Guignol“ beschäftigen konnte. Das Kasperletheater für Erwachsene mit seinem grotesk-trivialen Horror bildet dann auch die Basis für die einzelnen Tracks des Albums. Denn so bizarr wie einst die Stücke im Théâtre du Grand Guignol waren, so klingen auch die Songs auf dem sechsten Album des Franzosen.

„Grand Guignol Orchestra“ ist bunt und bedrohlich wie ein Clownsfratze

Auf „Grand Guignol Orchestra“ werden akustische Elemente der Zirkusmanege in den Black Metal von PENSÉES NOCTURNES untergemischt. Das gelingt der Band großteils ganz gut, wie etwa „Poil de lune“ beweist. Hier gibt es einen adäquaten Rhythmus und auch der Einsatz der Posaune trägt sein Übriges bei. Hinzu kommt Black Metal-Raserei und reichlich Abwechslung innerhalb des Songs. Generell erweisen sich die Tracks als sehr bunt. So überrascht „Les valseuses“ mit einem Didgeridoo und Sirenen und „Anis maudit“ hat einen deutlichen Hang zum Jazz und macht auch von einem breiten Vocals-Spektrum Gebrauch. Spannend, was die Franzosen hier abliefern. Aber auch anstrengend, wenn man kakophonere Tracks à la „Deux bals dans la tête“ auf Dauerrotation laufen hat. Dennoch haben clowneske Tracks wie „L´Alpha mal“ durch ihren bedrohlich und doch fröhlich beschwingten Touch dann doch auch ihren Reiz. Selbst wenn es wirklich anstrengend ist, so viele Instrumente und Stimmen übereinander liegen zu haben.

PENSÉES NOCTURNES sind ein herausforderndes Beispiel französischer Avantgarde

PENSÉES NOCTURNES machen beileibe nicht als erste Gebrauch von einer (gruseligen) Zirkus-Thematik. Ad hoc fallen mir ETERNAL DEFORMITY mit „Frozen Circus“ und TAKETH mit ihrer „Freakshow“ ein. Doch so konsequent wie auf „Grand Guignol Orchestra“ wurde das Konzept meines Erachtens noch nirgends durchgezogen. Hinzu kommt das französisch Verrückte, das auch schon WORMFOOD auszeichnete. „Grand Guignol Orchestra“ ist demnach ein überaus interessantes Album, das den Hörer fordert. Mitunter auch etwas zu viel, als dass sich das Album und die Thematik auf Dauer dann doch etwas tot läuft. Dennoch Daumen hoch und Respekt für die Einzelleistung.

Veröffentlichungstermin: 01.02.2019

Spielzeit: 45:81 Min.

Line-Up:
Vaerohn – Musik & Lyrics

Label: Les Acteurs de L´Ombre Productions

Homepage: https://www.facebook.com/PNRecords

Mehr im Netz: https://penseesnocturnes.bandcamp.com/

PENSÉES NOCTURNES “Grand Guignol Orchestra” Tracklist:

1. Un trop plein d´rouge
2. Deux bals dans la tête (Audio bei YouTube)
3. Poil de lune
4. L´Alpha mal
5. L´Etrangorium
6. Les valseuses (Audio bei YouTube)
7. Gauloises ou Gitanes ?
8. Comptine à boire
9. Anis maudit
10. Triste sade

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.