PANZERFAUST: The Suns Of Perdition II: Render Unto Eden

Wenn es neben der Liebe etwas Urmenschliches gibt, dann den Konflikt. Diese beiden Antagonisten hängen nicht selten fatal nah beisammen und bedingen sich in der Kunst auch oft gegenseitig. PANZERFAUST lassen die Liebe beiseite, ihnen geht es um den Konflikt, beziehungsweise der ultimativen Konsequenz daraus: den Krieg. Es geht darum, was die Menschen antreibt, sich diesem Wahnsinn hinzugeben, berauscht von der Gewalt in Gewehrsalven zu rennen, und allem was dazu gehört. Wenn „The Suns Of Perdition I: War, Horrid War“ ein Flakfeuer war, das Grauen im Schützengraben, dann ist der zweite Teil der Tetralogie die Unterdrückung durch Despoten wie Diktatoren und Religion, angetrieben von Machthunger, berauscht von der eigenen Gewalt.

Wo Teil 1 chaotisch und bisweilen sehr schnell war, da ist „Render Unto Eden“ oft langsam und schleppend. In Sachen Heaviness und Brutalität steht das brachiale Werk seinem Vorgänger in nichts nach. So baut sich „The Promethean Fire“ zu Beginn mit über zehn Minuten als hässliches, kriechendes Monstrum auf, atmosphärischem Mittelteil mit Gastsängerin Maria Arkhipova von ARKONA inklusive. Durch das Drumming und die dunkle, nach JARBOE klingende Stimme Arkhipovas, werden sogar Erinnerungen an NEUROSIS wach. Ab da klingt das Album mal nach Ohnmacht, mal nach purer Wut, mal nach tiefer Trauer. Das funktioniert so gut, da PANZERFAUST über den stilistischen Tellerrand blicken und eine gesunde Portion Death Metal und Sludge einfließen lassen.

PANZERFAUST nehmen den Fuß vom Gas, die Durchschlagskraft ist die Gleiche

Die Direktheit von „The Suns Of Perdition I: War, Horrid War“ kommt immer wieder durch, aber PANZERFAUST bleiben wie in „The Faustian Pact“ und „Pascal’s Wager“ insgesamt schwerer greifbar, bieten dabei immer wieder Momente, die hängen bleiben. Einzig „Areopagitica“ setzt über längere Strecken auf Schnelligkeit. Das Highlight des Albums ist der Zehnminüter „The Snare Of The Fowler“, bei dem jeder einzelne Teil mit voller Wucht mitreißt, seien es die extrem boshaften Black Metal-Elemente, oder die bedrohlich-atmosphärischen Momente. Insgesamt gilt: Gitarrist, Songschreiber und Texter Kaizer schreibt Stücke, die simpel wirken, aber reich an Wendungen und Details sind.

Das Drumming ist deutlich einfallsreicher als es im Black Metal Standard ist, der brutale, aber verspielte Stil hebt PANZERFAUST ebenso vom Genre ab, wie die brutalen Vocals von Gründungsmitglied Goliath, der sich nicht zufällig so nennt. Auch der voluminöse, verzerrte Bass und die massive Produktion tragen zur Durchschlagskraft der Kanadier bei. Obwohl „Render Unto Eden“ mit so einer schwer durchdringlichen Soundwand aufwartet, ist es nicht emotionslos geworden, viel mehr kommt die Dynamik und die düstere, fast melancholische Seite der Musik dadurch erst recht zur Geltung.

„The Suns Of Perdition II: Render Unto Eden“ ist rauschhaft und verstörend geworden

In Sachen Songwriting, Performance, Intensität und Eigenständigkeit gehören PANZERFAUST seit „The Suns Of Perdition I: War, Horrid War“ zur Speerspitze des Genres, „Render Unto Eden“ zementiert dies. PANZERFAUST präsentieren sich so kontrovers wie eh und je und überlassen nichts dem Zufall. Dazu passt auch die Wahl des Covers, das von Käthe Kollwitz stammt – allein das spricht Bände und zeigt, das PANZERFAUST vom Krieg und was dazu gehört fasziniert sein mögen, ihn aber nicht glorifizieren. Somit ist „The Suns Of Perdition II: Render Unto Eden“ ein rauschhaftes, verstörendes Album geworden, das einen Teil der Natur des Menschen präzise wiedergibt und seine Rezipienten mit kaltem Schweiß auf dem Körper hinterlässt. Groß!

Wertung: 4 von 5 Bauernaufstände

VÖ: 28. August 2020

Spielzeit: 43:57

Line-Up:

Kaizer – Guitars

Goliath – Vocals

Thomas Gervais – Bass

Alexander Kartashov – Drums

Label: Eisenwald

„The Suns Of Perdition II: Render Unto Eden“ Tracklist:

  1. The Promethean Fire
  2. The Faustian Pact (Official Audio)
  3. Areopagitica
  4. The Snare Of The Fowler (Official Audio)
  5. Pascal’s Wager

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