OFFICIUM TRISTE: Giving Yourself Away

OFFICIUM TRISTE: Giving Yourself Away

Wie schade, dass jetzt nicht schon der Herbst mit viel Nebel vor der Tür steht, auch wenn man es derzeit meinen könnte. OFFICIUM TRISTE veröffentlichen nämlich auf den Tag genau drei Jahre nach Reason ihr neues Album, das Fans von warmen, weichen Molltönen und depressiver Melancholie sofort infizieren wird, keine Frage. Nicht nur in kompositorischer Hinsicht ist Giving Yourself Away ein großer Schritt nach vorne: Ein schlüssiges, emotionales, trauriges Album, in das man sich einwickeln kann, wie in eine Decke an einem ungemütlichen, traurigen Tag.

Die Holländer liefern sechs Songs ab, die besser nicht miteinander harmonieren könnten. Ganz klar, so und nicht anders wünscht man sich Doom-Death. Bereits die beiden ersten Songs verweisen SATURNUS auf die hinteren Plätze, stellen schöne, traurige, aber irgendwo hoffnungsvolle Songs dar, die sich schnell ins Gehör brennen. Hierbei sticht vor allem der Gesang von Pim Blankenstein hervor, der in den vergangenen drei Jahren enorm dazu gelernt hat – wie dezent und unaufdringlich er die Melodien mit seinem Sprechgesang erweitert, das wirkt echt und zu keiner Sekunde aufgesetzt. Technisch mag er kein guter Sänger sein, aber das Gefühl stimmt, er lebt die Texte und ist zu jeder Zeit gläubwürdig. Gerade das lässt die Musik sehr intensiv werden.

Bei Signals geht das Quintett erstmals in eine hoffnungslose, pechschwarze Richtung. Die kalte Atmosphäre des Songs wird von dem beschwörenden Gesang Pims, der hier in Richtung FIELDS OF THE NEPHILIM tendiert, durch die sieben hoffnungslosen Minuten geleitet und scheint trotz des langen instrumentalen Zwischenteils immer präsent zu sein. Schade, dass On the Crossroads of Souls erstmal schwächelt, der Grunzgesang wirkt hier ein wenig deplatziert und raubt dem Song etwas von seiner Intensität – in der zweiten Hälfte kann er jedoch an das restliche Material locker heranreichen.

Das Album endet mit dem langen, hauptsächlich von Keyboards dominierten Stück Master of Your Own Demise, das die Grenze zu Kitsch und Pathos zwar mit wehenden Fahnen durchbricht, aber trotzdem so schön ist wie der Rest. Die Mollgitarren von Johann Kwakernaak und Gerard de Jong erschaffen eine raue, aber weiche Welt, die von den zahlreichen Keyboards erweitert wird und hier und da trotz erhöhter Kitschgefahr nie peinlich wirkt – dafür ist die Musik viel zu schön und zu dicht komponiert, vor allem die unglaublich gute erste Hälfte des Albums. Die Musik nimmt sich die Zeit, die sie braucht, und kann tief atmen, so wie es schon immer sein sollte.

Die Musik, die enorm gute Darbietung von Sänger Pim und das richtige Gefühl lässt Giving Yourself Away zu einem sehr atmosphärischem Doom-Death-Album werden, das dem Gros der Kollegen locker den Rang abläuft – OFFICIUM TRISTE lassen DAYLIGHT DIES, MORGION und SATURNUS hinter sich und sorgen für über 45 kurzweilige Minuten, die man sich als Fan des Genres nicht entgehen lassen darf. Wunderschön!

Veröffentlichungstermin: 28. Mai 2007

Spielzeit: 47:45 Min.

Line-Up:
Pim Blankenstein – Vocals
Gerard de Jong – Lead Guitars
Johan Kwakernaak – Rhythm Guitar, Acoustic Guitar
Lawrence Meyer – Bass
Martin Kwakernaak – Drums, Synthesizer, Clean Backing Vocals

Produziert von OFFICIUM TRISTE und Hans Pieters
Label: Displeased Records

Homepage: http://www.officiumtriste.com

Tracklist:
1. Your Eyes
2. My Charcoal Heart
3. Signals
4. On the Crossroads of Souls
5. Inside the Mind
6. Master of Your Own Demise

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle