OBSIDIOUS: Iconic

Mit “Iconic” gelingt OBSIDIOUS ein starkes und vor allem facettenreiches Progressive / Tech Death Metal-Debüt, welches das Potenzial der Band aber im ersten Anlauf noch nicht ganz ausschöpfen kann.

Räumen wir das Offensichtliche direkt aus dem Weg: Natürlich sind im Fall von OBSIDIOUS die Vergleiche zu OBSCURA nahezu unvermeidbar, allein schon, weil drei Viertel des Line-Ups ehemals bei der deutschen Tech-Death-Metal-Band die Instrumente bediente. „Iconic“ wiederum ist das erste Lebenszeichen, nachdem man den alten Brötchengeber im Jahr 2020 geschlossen verlassen hatte. Diese Vergangenheit hört man den zehn Kompositionen dieses Full-Length-Debüts durchaus an, wenngleich das Album als Gesamtwerk dennoch ein eigenes Profil zu entwickeln vermag.

Da „Iconic“ stilistisch weiter gefasst ist als seine naheliegendste Referenz, bewegen sich OBSIDIOUS alsbald nicht nur im technischen bzw. progressiven Death Metal, sondern lassen neben symphonischen Elementen („Under Black Skies“) sogar Klangfarben des Power Metals einfließen. Das gelingt nicht zuletzt dank Sänger Javi Perera, der zwar im groovenden Nackenbrecher „Sense Of Lust“ auch ordentlich growlen kann, darüber hinaus jedoch über eine ausgesprochen formidable Singstimme verfügt.

OBSIDIOUS arrangieren ihr Material zwar schlüssig, aber nie zu offensichtlich

Der spieltechnisch stets makellose technische Ansatz verbindet sich so in „Delusion“ mit erhabenem Klargesang und etwas Jazz-Flair, nachdem uns „Iron & Dust“ zuvor aufgezeigt hatte, dass OBSIDIOUS auch majestätisch und eingängig können. Diese Balance, welche sich im Übrigen keineswegs mit dem kreativen Drumming Sebastian Lansers oder dem präsenten Bassspiel Linus Klausenitzers (u.a. „Nowhere“) beißt, sorgt für einen vergleichsweise direkten Zugang, so dass wir uns schnell vollumfänglich auf Entdeckungsreise begeben können.

Tracks à la „Devotion“ bleiben trotz ihrer Verspieltheit relativ stringent, während OBSIDIOUS ansonsten bemüht sind, ihr Material zwar schlüssig, aber nie zu offensichtlich zu arrangieren. Nur ein paar Haken schlägt das Quartett am Ende des Tages meistens doch, was die Scheibe einerseits frisch hält, an manchen Stellen hingegen etwas viel werden kann. Insbesondere der Titeltrack wandelt hierbei auf schmalem Grat.

“Iconic” ist ein starkes Debüt, das aber das Potenzial der Band noch nicht voll ausschöpft

Aus diesem Grund fehlt „Iconic“ hier und da noch der Killerinstinkt, uns zu packen und über die komplette Laufzeit hinweg nicht mehr loszulassen. Der grundsätzlich hohen Qualität der Musik macht das freilich keinen Strich durch die Rechnung, obschon OBSIDIOUS beim ersten Anlauf ihr Potenzial noch nicht gänzlich ausgeschöpft haben. Die wichtigste Aufgabe meistern die vier Musiker indes mit Bravour: Dank individueller Vision und definiertem Profil beschreitet die Instrumental-Abteilung schon jetzt erfolgreich einen eigenen Pfad – und statt an der Vergangenheit dürfte sich die Formation in Zukunft exakt an jenem messen lassen.

Veröffentlichungstermin: 28.10.2022

Spielzeit: 38:24

Line-Up

Javi Perera – Vocals
Rafael Trujillo – Gitarre
Linus Klausenitzer – Bass
Sebastian Lanser – Drums

Produziert von OBSIDIOUS und V. Santura

Label: Season Of Mist

Homepage: https://obsidious-band.com/
Facebook: https://www.facebook.com/ObsidiousBand

OBSIDIOUS “Iconic” Tracklist

1. Under Black Skies(6:00)
2. Sense Of Lust (4:18)
3. Iconic (6:40)
4. Bound by Fire (5:12)
5. Iron & Dust (6:01)
6. I Am (6:56) (Video bei YouTube)
7. Delusion (4:55)
8. Devotion (4:59)
9. Nowhere (4:18)
10. Lake Of Afterlife (3:57) (Video bei YouTube)