NUCLEUS TORN: Knell

NUCLEUS TORN: Knell

Wenn ein König im Elbenland stirbt und ihm die letzte Ehre erwiesen wird, wenn ein ganzes Volk ob des Ablebens des gerechten Herrschers in tiefer Trauer liegt, wenn es dazu die passende Musik braucht, sie würden musikalisch von NUCLEUS TORN die perfekte Unterstützung erhalten. Natürlich bin ich mir bewusst, dass die Schweizer nicht auf den Lord of the Rings-Zug aufgesprungen sind, ebenso, wie ich soeben erfahren habe, dass ein Elbenkönig auf natürliche Art und Weise gar nicht sterben kann.

Aber das alles ist völlig egal. Denn NUCLEUS TORN entfalten sich auf sehr avantgardistische Art und Weise, laden ein auf eine Reise durch einen schwarzen, verzauberten Wald, der ganz ohne Fabelwesen auskommt. Stellt euch vor, zur Hälfte würden GREEN CARNATION auf Light of Day, Day of Darkness eigenwilliger und komplizierter vorgehen und zur anderen Hälfte würden WOLVES IN THE THRONE ROOM epischen Folk Metal spielen. Dann käme ungefähr das heraus, was das Schweizer Kollektiv auf seinem zweiten Album bietet. Hierbei sind die dezenten, leisen Stellen am besten. Gleich das erste Stück beginnt mit einer wunderschönen Gesangslinie und weitet sich dann mächtig aus. Getragen von der wundervollen Stimme von Maria D´Alessandro verliert man glatt den Boden unter den Füßen.

Schade, dass NUCLEUS TORN nicht immer so emotional und intuitiv agieren. Das ist vor allem bei den monumentalen Passagen der Fall. Dann, wenn die Band um Multiinstrumentalist Fredy Schnyder den unbequemen Bombast auffährt, vor allem in II ist sie zu sehr damit beschäftigt, alles zu erschlagen, um den Hörer wirklich zu berühren. Auch der Gesang von Patrick Schaad ist zu direkt, um der Musik gut zu tun. Technisch sicherlich eine sehr gute Performance, aber dennoch wirkt er zumindest stellenweise wie ein Fremdkörper. Generell gilt für die Musik auf Knell: Je weniger Metal, desto besser. Ob die Schweizer nun ihre traurig-folkige Seite ausleben, oder den klassischen Instrumente freie Hand lassen, hier brillieren sie und sorgen für atemberaubende Momente.

Dann stört es auch nicht, dass die Stücke hier und da etwas zusammengewürfelt klingen, wie in dem knapp 30minütigen III, dass klingt wie mehrere kurze, zusammen gewürfelte Songs. Knell ist unterm Strich aber ein mutiges, bisweilen wunderschönes und fesselndes, aber auch anstrengendes Album, dessen heftige Stellen jedoch verbesserungsfähig sind. Für einen einstündigen Trip in gänzlich unbekannte Welten sind NUCLEUS TORN jedoch ein adäquater Begleiter, der ebensoviel fordert, wie gibt.

Veröffentlichungstermin: 29. Februar 2008

Spielzeit: 56:01 Min.

Line-Up:
Maria D´Alessandro – Gesang
Patrick Schaad – Gesang
Christine Schüpbach-Käser – Violine
Rebecca Hagmann – Cello
Anouk Hiedl – Querflöte
Christoph Steiner – Schlagzeug, Perkussion
Fredy Schnyder – Flügel, Gitarren, Kirchenorgel, Bass, Hammered Dulcimer, Blockflöte, Irische Bouzouki, Oud, Perkussion

Label: Prophecy Productions

Homepage: http://www.nucleustorn.ch

Tracklist:
I
II
III
IV

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle