NOVEMBRE: The Blue

Viel bequemer sind sie nicht geworden. "The Blue" ist trotzdem der nächste logische Schritt für NOVEMBRE.

Diese italienische Band ist schon etwas Besonders. Nichts, das man sich anhört, wenn man unterhalten werden will, und zumindest in meinem Fall keine der Bands, die man zu besonderen Anlässen hört. Warum mag ich NOVEMBRE also? Weil sie immer wieder neue Reisen offenbaren, die man auch nach vielen Durchgängen noch nicht wirklich fertig erlebt hat. Warum laufen ihre Alben bei mir also nicht auf Dauerrotation? Weil so zu unbequem sind? Vielleicht. Weil es bessere Bands als sie gibt. Wahrscheinlich.

Aber wir wollen NOVEMBRE, gerade nach dem schönen Materia, das vor anderthalb Jahren erschien, nicht unrecht tun. Und auch The Blue ist ein facettenreiches Album, das sich wunderbar zu entfalten vermag, aber nur wenn sich der Hörer auch etwas anstrengt. Zwischen OPETH, KATATONIA und GREEN CARNATION gelegen liefert das Quartett warmherzige Musik für kalte Zeiten ab, mit viel Dynamik, schlauen, überraschenden und anspruchsvollen Arrangements. Vertrackt und rein gar nicht eingängig. Das ist es übrigens, warum man bei NOVEMBRE schneller aufgibt als bei NAHEMAH. Doch The Blue macht alles anders, denn es gibt viele wunderschöne Stellen, die das Hirn des Hörers trotz allem nicht so schnell verlassen. Die unbequeme Elegie ist auf The Blue aber noch in gleichen Teilen enthalten, so dass dieses Album gleichermaßen interessant als auch Hirn zermarternd ist.

Das soll aber nicht negativ aufgefasst werden, denn Songs wie Bluecracy, Architheme und Zenith haben so viele Facetten, so viele großartige Ideen, die verwoben wurden zu einem Soundgewand, das gleichermaßen stimmig und stilvoll ist. NOVEMBRE haben ihren Stil auf diesem Album fast perfektioniert, selbst wenn nicht alle Songs und Ideen beim Hörer zünden, dafür ist die Musik eben zu eigenwillig. Schade ist nur, dass manche Stellen aus Cantus Christi dreist bei Light of Day, Day of Darkness geklaut wurden. Das Quartett bleibt sich und ihrer Vision dennoch treu, formt aus ungewöhnlichen Riffs, schwebenden Leadgitarren und ungewöhnlichen Melodien die Grundvoraussetzung für ein akustisches Abenteuer, das zwischen Melancholie und Wut pendelt, dabei nur selten in heftige Gefilde abrutscht – etwas mehr hätte dem Album sicherlich nicht geschadet, wie das schön ausgewogene Doppel Iridescence und Sound Odyssey beweist.

Musikalisch ist jedoch alles im Lot, die Instrumentalisten beherrschen ihre Arbeit, vor allem an der Gitarrenseite. Auch Sänger Carmelo und seine gefühlvolle Stimme garantieren stellenweise für Gänsehaut. Das Gebrüll ist dann aber doch eher unspektakulär, verschafft aber die nötige Abwechslung. Unterm Strich ist The Blue aber ein sehr schönes Album, das mit genügend Willenskraft seitens des Hörers, Potenzial hat, zu einem echten Highlight in seiner Sammlung zu werden. Zumindest, falls er Fan von progressivem Düstermetal ist. NOVEMBRE machen hiermit den logischen nächsten Schritt. Ganz am Zenith ihres Schaffens sind sie noch nicht angelangt, vielleicht gelingt das aber dann mit dem nächsten Werk. Ich erwarte Großes und spreche derweil gleichzeitig die dringende Empfehlung aus, es zumindest mit The Blue zu versuchen.

Veröffentlichungstermin: 9. November 2007

Spielzeit: 67:27 Min.

Line-Up:
Carmelo Orlando – Guitars/vocals
Giuseppe Orlando – Drums
Massimiliano Pagliuso – Guitars
Luca Giovagnoli – Bass

Label: Peaceville Reccords

Homepage: http://www.novembre.co.uk

Tracklist:
1. Aenemia
2. Triesteitaliana
3. Cobalt of March
4. Bluecracy
5. Architheme
6. Nascence
7. Iridesence
8. Sound Odyssey
9. Cantus Christi
10. Zenith
11. Argentic
12. Deorbit