NOVEMBRE: Materia

Ein Album, das eine kleine progressive, simple, dunkle, helle, traurige, schöne, gediegene, wütende, heiße, kalte Welt in sich birgt.

Wie eine Reise mutet Materia, das mittlerweile fünfte Album der italienischen Metaller, an. Am Schluss angekommen, blickt man zurück auf das Geschehene und erinnert sich der vergangenen Geschehnisse. Viel, wirklich viel ist passiert. Nur man muss diese Reise wieder und wieder wagen, bis man sich der ganzen Geschehnisse erinnern kann. Oder, wie das Artwork es noch viel besser ausdrückt: Man erfasst alles erst nach und nach. Der kleine Junge sieht auch zunächst nur eine Stadt im Nebel, es dauert, bis sich alles aufklart.

Wären OPETH aus Italien und würden nicht ganz so lange Stücke schreiben, sie klängen exakt wie NOVEMBRE. Wieso ist die Herkunft der Band wichtig? Ganz einfach, das südliche Temperament, die Leidenschaft, die teils sengende, unwirtliche Sonne, man hört sie raus. So sind OPETH und NOVEMBRE verschwägert und doch unterschiedlich. Die Italiener jedoch können den Schweden in keinster Weise das Wasser reichen, ob sie das wollen, ist die andere Frage. Denn auf Materia geht es elegischer, weniger aggressiv zu als beispielsweise auf Ghost Reveries. Gleichförmig wirkt das Material des Albums dadurch, aber nur wenn man sich mit der Materie nicht ordentlich befasst. Hier ist ein kleiner, niemals versiegender Quell der Kreativität am Werk und bietet mit jedem Hören neue, wichtige wenn auch kleine Details.

So begeistern Aquamarine, Jules, das erstklassige DURAN DURAN-Cover The Promise, Nothijngrad und der Titeltrack durch ihre Verspieltheit, ihre nicht angeberische Erhabenheit. Materia bietet viel Potenzial für lange Nächte, in denen man sich mit der Musik befasst und sie immer mehr versteht und begeistert. Geformt wird die Musik in erster Linie natürlich durch Gitarrist und Sänger Carmelo Orlando, der eine ganz eigene, traurig-schöne Stimme hat. Die Gitarren agieren, kommunizieren miteinander – das ist mehr als simpler Schönklang. Comedia hingegen bietet anfangs pure Raserei, ist wütend und brachial, verwandelt sich aber mit zunehmender Dauer ins genaue Gegenteil. Das hier ist ein schwieriges Album, dem man sich langsam nähern muss, sonst wird es nichts mit der Freundschaft.

Den Rest müsst ihr selbst hören. Es ist verdammt schwer, dieses Album in Worte zu fassen, ein Album das eine kleine progressive, simple, dunkle, helle, traurige, schöne, gediegene, wütende, heiße, kalte Welt in sich birgt. Voller Gegensätze und gerade deshalb wie aus einem Guss ist dieses knapp 70minütige Werk. Kaufpflicht für alle Reiselustigen, die gerne etwas Neues erleben möchten und viel Ausdauer mitbringen. Außerdem ideal zum Zusammenführen der Gegensätze des Hörers. Abschließend möchte ich bemerken, dass das Artwork das mit Abstand schönste des bisherigen Jahres ist, allein deshalb wünsche ich mir ganz frech eine Vinylversion dieses Albums.

Veröffentlichungstermin: 28. April 2006

Spielzeit: 68:01 Min.

Line-Up:
Carmelo Orlando – Vocals, Guitars
Massimiliano Pagliuso – Guitars
Guiseppe Orlando – Drums

Label: Peaceville Records

Homepage: http://www.novembre.co.uk

Tracklist:
1. Verne
2. Memoria Stoica / Vetro
3. Reason
4. Aquamarine
5. Jules
6. Geppetto
7. Comedia
8. The Promise
9. Materia
10. Croma
11. Nothijngrad