Port Noir - The Dark We Keep Cover

PORT NOIR: The Dark We Keep

„The Dark We Keep“ beherbergt viele starke Augenblicke, PORT NOIR verlieren darauf jedoch an Profil, weil der moderne Djent-Sound plötzlich über allem zu thronen schein.

Die Musik von PORT NOIR war schon immer eine trügerische Angelegenheit. Soft und verträglich auf der Oberfläche, doch fordernd und vielschichtig, wenn man dann in die Welt der Schweden eintaucht. Das hat freilich nicht nur Vorteile: Hören wir nur mit einem Ohr hin, verschwindet „The Dark We Keep“ schnell im Hintergrund – ein potenzielles Problem, das die dynamikarme Produktion tendenziell verschlimmert.

Gerade die so wichtigen Kontraste gehen unter, wenn – wie in „Noir“ – Gesang und Instrumente stets auf demselben Lautstärkeniveau agieren. Schenken wir dem Trio hingegen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, offenbart sich zunächst dieselbe Tiefe, die wir schon in der Vergangenheit an der Musik der Band zu schätzen lernten. Dabei sind die Kompositionen anno 2026 wieder ein ganzes Stück härter geworden.

PORT NOIR wollen sich auf „The Dark We Keep“ stilistisch nicht so einfach festlegen

Klar, Drumcomputer und Pop-Anleihen begrüßen uns in „Complicated“, werden aber schnell durch tief gestimmte Gitarren ergänzt, welche wiederum Love Anderssons sanften, doch schwermütigen Gesang betten. Hier und da kann man durchaus Parallelen zu SLEEP TOKEN ziehen, wobei PORT NOIR in diesen Anfangsminuten weniger affektiert zu Werke gehen und stärker noch im atmosphärischen Alternative Metal zu Hause scheinen – und dieses sogenannte „Genre-Bending“ ohnehin schon zu einer Zeit betrieben hatten, als es die Briten noch nicht einmal auf dem Papier gab.

Das alles ändert sich mit „Redshift“, wo plötzlich Djent-Vibes den Ton angeben: VOLA lassen grüßen. Teilweise zumindest, denn im Finale warten plötzlich angeschwärzte Gitarren und ein kleiner Blastbeat auf uns. Der Gesang in „My Destroyer“ wiederum ruft manchmal KATATONIA ins Gedächtnis, nachdem zuvor die Arrangements von „Ebb And Flow“ mit klassischen DEFTONES geflirtet hatten.

PORT NOIR entdecken den Djent-Sound für sich

Die zahlreichen Referenzen belegen auch auf „The Dark We Keep“ die Vielseitigkeit des Gespanns, das jedoch bei allem Wunsch nach mehr Punch die Balance aus den Augen verloren hat. Denn das plötzliche Faible für laute Djent-Gitarren kostet PORT NOIR gleichzeitig Profil: Was beim generischen, unnatürlichen Schlagzeug-Sound beginnt, zieht sich durch jede Facette der Produktion: Nicht erst „Burst“ ersäuft im matschigen Schrammelsound.

Dadurch läuft sich das Album in der zweiten Hälfte schneller tot, als es sein müsste. Obwohl „Bloodlust“ mit seinem Blackened-Alternative-Anstrich zum Ende hin ein dickes Ausrufezeichen setzt und das Ganze mit wabernden Synthesizern garniert, ist der anfängliche Schwung zu diesem Zeitpunkt längst verpufft. Es hätte mehr Raum gebraucht, wie ihn „We Shall Die Together“ als konsternierter Schlussakt für sich zu nutzen weiß.

„The Dark We Keep“ beherbergt viele starke Augenblicke, PORT NOIR verlieren darauf jedoch an Profil

Dass „The Dark We Keep” sein Potenzial nicht gänzlich entfalten kann, liegt somit weder an der wiederentdeckten Heaviness noch allein am Songwriting: PORT NOIR stellen für ein postmodernes Soundgewand schlicht die Trademarks zurück, die ihnen in der Vergangenheit eine eigene Nische geschaffen haben. Verschwunden sind sie nicht, nur brechen sie diesmal viel zu selten durch die unruhige Geräuschkulisse, deren einst so sanft-verträgliche Oberfläche für filigrane Nuancen nun nur noch schwer zu durchdringen scheint.

Veröffentlichungstermin: 15.05.2026

Spielzeit: 49:18

Line-Up

Love Andersson – Gesang, Bass
Andreas Hollstrand – Gitarre, Keyboard, Backing Vocals
AW Wiberg – Drums

Produziert von PORT NOIR

Label: InsideOut Music

Homepage: https://www.portnoir.com/
Facebook: https://www.facebook.com/portnoirofficial/
Instagram: https://www.instagram.com/portnoir
Bandcamp: https://portnoir.bandcamp.com

PORT NOIR “The Dark We Keep” Tracklist

  1. Complicated (Video bei YouTube)
  2. Redshift (Video bei YouTube)
  3. Noir (Video bei YouTube)
  4. Ebb and Flow (Video bei YouTube)
  5. My Destroyer
  6. Vargtimmen
  7. Burst (Video bei YouTube)
  8. Reverie
  9. This View
  10. Bloodlust
  11. We Shall Die Together