NEKROMANTHEON: Visions of Trismegistos

Ich habe ja gerne mal Schwierigkeiten mit aktuellen Thrash-Veröffentlichungen, obwohl es das Sub-Genre ist, das meinen Einstieg in den Metal in den 80ern (neben Doom) und damit ja auch mich und meine Wahrnehmung von Metal (oder Musik allgemein) entscheidend geprägt hat. Aber das meiste was in den letzten Jahren im Thrash-Sektor erschienen ist, hat mit dem, was ich erwarte, nicht viel zu tun. Es ist mir zu glatt, zu technisch, zu clean produziert, zu viel Kopie, zu wenig wild und aggressiv und damit auch leider meist zu langweilig.

NEKROMANTHEON stehen für Lederjacken-Thrash

Aber es gibt immer wieder Ausnahmen, Bands die es richtig machen, die den Spirit verstanden haben, in die heutige Zeit transferieren und neu beleben, ohne wie ein Abklatsch zu klingen. SCHIZOPHRENIA waren das zuletzt, aber vor allem waren das NEKROMANTHEON mit „Rise, Vulcan Spectre“ im Jahr 2012. Was für eine fantastische Platte! Ein wilder Ritt durch alles, was für mich Thrash ausmacht: Wütendes Geschrei, überbordende Energie, Düsternis, rauer Sound, wunderbar hektische Riffs, schön schnelle Uffta-Drums in jedem Song und vor allem jede Menge Chaos und Authentizität.

Kurz, Lederjacken-Thrash als Gegensatz zum Spandex-und-Schnäuzer-Thrash. Die Vertonung des Cover-Fotos der „Sentence of Death“-EP von DESTRUCTION. Die selbstverständlich, wie auch die frühen Werke von SODOM, als musikalische Referenz dienen können. Allerdings mit technisch sauber gespielten Instrumenten.   

“Visions of Trismegistos” bietet tighte Over-The-Top-Riffs

Das ist übrigens ein weiterer der Punkt, der mich an vielen aktuellen (nicht nur) Thrash-Kapellen aufregt, die im Gegensatz zu den oben beschriebenen bewusst rumpelig klingen und spiel-technische Unzulänglichkeiten als Kauzigkeit verkaufen. Nur weil Tom Angelripper 1983 nicht vernünftig Bass spielen konnte, ist das kein Grund, das heute ebenso zu tun!

NEKROMANTHEON haben so was nicht nötig. Sie beherrschen ihre Instrumente so, dass es auch bei rauem, dreckigen Sound zu hören ist, dass hier jeder Ton sitzt und die Band tight und damit auch kraftvoll spielen kann und trotzdem nicht steril klingt.

OK, ich rede die ganze Zeit von der letzten Platte, aber alles, absolut alles, was ich gesagt habe, kann man auch zu 100% auf „Visions of Trismegistos“ anwenden. Hammer-Songs, extrem viel Energie, düstere Atmosphäre, rausgebellte Vocals, Over-The-Top-Riffs und angenehmes Chaos, Hektik und Zappeligkeit. Vielleicht haben die Songs etwas mehr „Hell Awaits“ in den Riffs und etwas weniger „Infernal Overkill“, wie etwa in „Neptune Descent“ oder im Mittelteil von „Zealot Reign“, aber im Grunde ist diese Platte genau so gut wie die letzte und das ist definitiv eine bemerkenswerte Leistung.

NEKROMANTHEON klingen mehr nach Velbert als nach Essen

Durch die leicht geänderten Nuancen im Songwriting rücken die Norweger etwas mehr in die Nähe einer meiner Lieblings-Bands aus den 80ern, nämlich LIVING DEATH, die aus dem schönen Velbert und eben nicht aus Essen gekommen sind und dann eine der Bands wurden, die leider nie so ganz die Beachtung bekommen hat, die sie verdient gehabt hätten. Vor allem die „Back to the Weapons“-EP sei als Referenz genannt und dazu „Thanatos“ als Hörprobe auf „Visions of Trismegistos“.

Aber NEKROMANTHEON sind noch mehr als das, mehr als die Vergangenheit, schaffen sie es doch, all das eben nicht altbacken klingen zu lassen, nicht retro, sondern absolut kraftvoll, lebendig und überzeugend. Man wird jetzt kein Riff finden, was in Konstruktion und Tonalität vollkommen neuartig ist, aber trotzdem klingt die Band nach sich, nach 2021, und nicht nach Kopie.

Ich freue mich immer wieder, wenn ich eine Band finde, die diesen Spagat erfolgreich meistert und damit beweist, dass es möglich ist, heutzutage noch echten Thrash zu spielen, der wild und gefährlich daher kommt und nicht wie wahlweise Gitarren-Unterricht oder Karneval.   

Vergesst HAVOK, SUICIDAL ANGELS und den ganzen generischen Retorten-Trash. Echter Thrash kommt aus Kolbotn!

Ein klarer Fall für die Jahres-Top-Ten 2021!

Release Date: 30.04.2021

Label: Indie Recordings worldwide | Hells Headbangers USA

Line-Up:
Sindre Solem – Bass, Vocals
Christian „Kick“ Holm – Drums
Arlid „Arse“ Myren Top – Guitars, Vocals

NEKROMANTHEON “Visions of Trismegistos” Tracklist

1.The Visions of Trismegistos (Audio bei YouTube)
2.Seven Rulers of Fate
3.Faustian Rites
4.Neptune Descent
5.Scorched Death
6.Dead Temples 
7.Thanatos ( Audio bei YouTube)
8.Zealot Reign

https://nekromantheon.bandcamp.com/

https://www.facebook.com/nekromantheonofficial