NECROPHAGIST: Epitaph

Höchst anspruchsvoller Death Metal für Genießer.

Ein heißes Eisen, was da geschmiedet wurde, beinah zu heiß. NECROPHAGIST frickeln, dass die Herdplatte glüht und das lecker Essen fast verglüht. Das neueste Signing des Relapse-Stalls ist – man höre und staune – aus Deutschland, bringt Death Metal im Stil von ATHEIST, CYNIC, NILE und um ein aktuelles Beispiel zu nennen PAVOR mit, der so anspruchsvoll wie furios und schwindelerregend ist. Rücksicht auf Metalfans, die vielleicht nicht wie Mr. Malmsteen Gitarre spielen nehmen NECROPHAGIST nicht und somit ist Epitaph gleichmaßen beeindruckend wie anstrengend und verlangt ordentlich viel Verständnis vom Hörer für ausufernde Soloeskapaden und Taktwechsel.

Gerade Soli kommen in manchen Songs öfter vor als Gesangspassagen und genau das ist der Punkt, der an NECROPHAGIST stört. Nicht, dass ich neidisch auf die Flitzefinger wäre, aber NECROPHAGIST schießen übers Ziel hinaus und ermüden den Hörer schnell. Dem stehen jedoch interessante Songs gegenüber mit denen man sich sehr lange und ausgiebig beschäftigen kann. Abwechslung ist das Stichwort, das es dem Hörer möglich macht, die Nerven zu behalten und sich durch Epitaph zu hören. Das Quartett holt nicht nur den Knüppel aus dem Sack, auch zahlreiche langsamere Passagen im Stil von MORBID ANGEL schleichen sich in den Songs ein und wie in The Stillborn One oder Diminished to Be bleiben sie auch gerne mal im Kopf hängen und können sich inmitten der ganzen Hochgeschwindigkeitsriffs gut entfalten. Abgefahrener Stoff wie das jazzige Ende von Only Ash Remains könnte gerne öfter vorkommen, in dieser Hinsicht sind NECROPHAGIST zu kopflastig und etwas verkrampft.

Davon abgesehen gibt es viele schöne Dissonanzen und verrückte Harmonien, die auf den ersten Blick undurchdringlich anmuten, die man aber recht schnell versteht, wenn man konzentriert zuhört. Apropos Konzentration: Epitaph ist für die Headbanger wohl die Hölle, so viele Taktwechsel macht kein Genick gerne mit. Live könnten dies die vier Musiker jedoch ohne Frage locker schaffen, man hört, dass allesamt wunderbar eingespielt sind und miteinander bestens harmonieren. NECROPHAGIST sind einen Einheit, Drums, Bass, Gitarren und der tiefe, kraftvolle Gesang sind allesamt auf einer, ungleich hohen Ebene. Damit ist es besser sich von dem zweiten Album der deutschen Virtuosen zum im Wohnzimmer wegblasen lassen, als es live zu genießen. Genießen, jetzt habe ich das Wort, das mir auf der Zunge lag – Epitaph ist wahrlich Death Metal für Genießer. Extrem anspruchsvoll, extrem kraftvoll, extrem fordernd und extrem extrem. Ein derartiges Album erlebt man nur selten.

Veröffentlichungstermin: 6. September 2004

Spielzeit: 32:54 Min.

Line-Up:
Muhammed Suicmez – Guitar & Vox

Christian Münzner – Guitar

Heiko Linzert – Bass

Daniel Silva – Drums

Label: Relapse Records

Homepage: http://www.necrophagist.de

Tracklist:
1. Stabwound

2. The Stillborn One

3. Ignominious and Pale

4. Diminished to Be

5. Epitaph

6. Only Ash Remains

7. Seven

8. Symbiotic in Theory