NEAERA: Omnicide – Creation Unleashed

NEAERA: Omnicide – Creation Unleashed

So richtig warm geworden bin ich mit dem vor zwei Jahren erschienenen „Armamentarium“ nie. Obwohl durchaus mit ein paar guten Songs bestückt, war mir NEAERAs Kurskorrektur – weg von Melodie und Core-Einflüssen, hin zu mehr Härte – damals noch zu unausgereift. Nicht eingängig genug für einen Nachfolger im Stil von „Let The Tempest Come“ und zu wenig Durchschlagskraft, um das bisher Dagewesene komplett niederzuwalzen. Das Resultat wurde letztendlich mit einer genreüblichen Bombastproduktion künstlich aufgeblasen, die das eigentliche Dilemma doch nicht kaschieren konnte.

Mit dem brandneuen Album in den Händen verstehe ich nun, dass „Armamentarium“ auf musikalischer Ebene ein unabdingbarer Zwischenschritt war, der aus heutiger Sicht die stilistische Brücke zwischen „Let The Tempest Come“ und Omnicide – Creation Unleashed schließt. Man kann in gewisser Weise durchaus von einer Entwicklung über zwei Generationen sprechen, denn schon nach den ersten Tönen ist klar, dass „Omnicide – Creation Unleashed“ die Tradition fortführt und dabei doch ganz anders ist; wesentlich düsterer, härter und drückender als alles, was NEAERA zuvor gemacht haben.

NEAERA walzen alles nieder

Der Grund dafür ist so simpel wie überzeugend: Diesmal geht die Härte nicht von einer Bombast-Plastikproduktion aus, sondern von der Musik selbst. Von Beginn an walzen die Münsteraner mit Tracks wie dem knallharten Opener „I Loathe“ alles nieder und ballern den Hörer mit einer solchen Wucht an die Wand, dass der nach dieser 44-minütigen Vollbedienung erstmal seine Einzelteile von der Wand kratzen darf. Angesichts dieser Energie, die der neueste Sprössling NEAERAs an den Tag legt, ist es nicht verwunderlich, dass einem unweigerlich Namen wie HEAVEN SHALL BURN oder BOLT THROWER ins Gedächtnis gerufen werden. In der Tat scheint der Einfluss letzterer gar nicht so abwegig, orientieren sich doch vor allem die Gitarren ziemlich deutlich an der englischen Death Metal-Legende, wie beispielsweise „The Nothing Doctrine“ oder der gelungene Titeltrack hörbar unterstreichen.

In jeder Hinsicht ein Schritt nach vorne

Bei aller Brachialität muss bei „Omnicide – Creation Unleashed“ dennoch nicht auf Melodie verzichtet werden. Mit jedem Durchlauf erschließen sich nämlich neue Details in den Songstrukturen. Die eingängigen Gitarreneinschübe sind also nach wie vor präsent, nur eben seit neuestem vielmehr Stilmittel als tragendes Element. Dem riesigen Fortschritt im Instrumentalbereich schließt sich auch Sänger Benny an, der wahnsinnig stark an seiner Stimme gearbeitet hat und den Kontrast zwischen hohen Screams und kellertiefen Deathgrowls noch weiter auslotet als bisher. Vor allem Letzteren verpasst er auf „Omnicide – Creation Unleashed“ besonders viel Nachdruck und Eindringlichkeit. Scheint so, als hätte er sein wahres Potenzial endlich auch für sich selbst entdeckt. Von den noch dynamischeren Vocals profitieren natürlich alle Tracks, aber insbesondere Nummern wie „The Wretched Of The Earth“, „In Near Ruins“ oder das noch am ehesten an alte Zeiten erinnernde „Prey To Anguish“ gewinnen durch die souveräne Performance Bennys noch eine zusätzliche Portion Durchschlagskraft.

„Omnicide – Creation Unleashed“ ist ein Zerstörungstrip

Zuvor habe ich es bereits angesprochen; verpackt ist dieser Zerstörungstrip in eine raue, aber dennoch fette Produktion, die sich wohltuend vom Genreeinerlei abhebt, ohne ihren modernen Anstrich zu verlieren. Aber Soundgewand hin oder her, was „Omnicide – Creation Unleashed“ zu einem erstklassigen Album macht, ist immer noch das durchweg starke Material. NEAERA befinden sich definitiv auf dem richtigen Weg und steuern mit ihrer Entwicklung nicht in eine Sackgasse, sondern präsentieren sich frischer und erwachsener als je zuvor. Mit „Armamentarium“ bin ich bis heute nicht so recht warm geworden, „Omnicide – Creation Unleashed“ heizt mir dagegen jetzt schon richtig ein.

Veröffentlichungstermin: 29.05.2009

Spielzeit: 43:57 Min.

Line-Up:
Benny Hilleke: Vocals
Tobias Buck: Guitars
Stefan Keller: Guitars
Benjamin Donath: Bass
Sebastian Heldt: Drums

Produziert von Alexander Dietz
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.neaera.com

NEAERA „Omnicide – Creation Unleashed“ Tracklist

01. I Loathe
02. Prey To Anguish (Video bei YouTube)
03. The Wretched Of The Earth
04. Grave New World
05. Age Of Hunger
06. Caesura
07. Omnicide
08. In Near Ruins
09. The Nothing Doctrine
10. I Am The Rape

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.