NAPALM DEATH: Leaders Not Followers: Part 2

Wer wissen will, woher der Spirit von Napalm Death kommt und wo die Band ihre Wurzeln hat: Hier sind sie. Und zwar dargeboten von der Kultband selber in ihrem unverwechselbaren Stil.

Klappe, die Zweite. Heißt für uns: Klappe halten und hören. NAPALM DEATH geben sich die Ehre und zollen ihren Einflüssen ein zweites Mal Tribut. Diesmal nicht in Form einer EP, wie der Vorgänger “Leaders not Followers“, sondern in Form eines kompletten Albums mit satten 19 Liedern. Was man dazu groß schreiben soll? Weiß ich auch nicht. Denn wahrscheinlich weiß jeder, was ihn erwartet, eine Platte voller Wut und Aggressionen und trotzdem voller Schönheit. 19 rohe Tracks, meistens an der Zwei-Minuten-Grenze dargeboten von einer Band, die ihren Elan niemals wirklich verloren hat.

Es geht ganz klar darum, die Einflüsse von NAPALM DEATH aufzuzeigen, folglich bekommt man das geboten, was sich unsere britischen Recken eben in den Achtziger so alles reingezogen haben. Das ist, wen wundert`s, hauptsächlich Hardcore und Death Metal und fast durchgehend angenehm zornig.

Den Anfang macht „Lowlife“ von CRYPTIC SLAUGHTER, der auch gleich zeigt, dass man mit Musik auch mächtig den Stinkefinger zeigen kann ohne mit Satan- oder Gore Klischees um sich zu werfen und zu versuchen mit aller Kraft zu provozieren.

Und, nein, ich gehe jetzt nicht jeden Song hier durch, warum denn auch die Überraschung verderben?

Mit „Messiah“ von HELLHAMMER hat man sogar einen wirklich alten Song von 1983 ausgegraben und authentisch dargeboten. „War`s no Fairy Tale“, der crustige Rocker von DISCHARGE kommt so rotzig rüber, wie er damals gemeint gewesen sein muss und mit „Riot of Violence“ von KREATOR hat man nicht nur einen der längsten Songs der Bandgeschichte eingespielt, sondern bedient erstmals wahrscheinlich auch diejenigen, die bis jetzt keinen einzigen Song erkannt haben.

Das fantastische „Game Of The Arseholes“, einer der zwei Songs von ANTI CIMEX, ist kurz, knapp, schnell und kommt verdammt noch mal auf den Punkt: Scheiß auf organisierte Religion aller Art, lass dich nicht verarschen. „Take your fucking cross and stick it up your arse…“ deutlicher kann man`s nicht sagen.

Mit “Troops Of Doom” kommen auch SEPULTURA zu ihrem verdienten Ruhm, „Leaders“ statt „Followers“ zu sein und AGNOSTIC FRONT werden mit „Blind Justice“ ebenfalls gekonnt zitiert.

Und da es hier um Wurzeln geht ist natürlich kein Song neuer als 1990 und die Produktion schön dreckig geraten, dabei aber nie verwaschen oder schlecht. Man kann diese Platte nicht nur hören, sondern mit ein bisschen Gefühl auch spüren, man spürt den Schweiß, das Blut und die Tränen einer wütenden Szene, wogegen „Guts `n Gore“ nichts als Kindergarten ist. Hier ist nichts aufgesetzt, hier ist alles hundert Prozent ehrlich und das merkt man der Musik an. Hier werden auch Proberaumaufnahmen und unveröffentlichte Platten verwurstet und bewiesen, dass man auch heute noch Fan ist und durchaus weiß woher man kommt, was man von gewissen anderen Acts durchaus nicht (mehr) behaupten kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer wissen will, woher der Spirit von Napalm Death kommt und wo die Band ihre Wurzeln hat: Hier sind sie. Und zwar dargeboten von der Kultband selber in ihrem unverwechselbaren Stil.

Veröffentlichungstermin: 23.08.2004

Spielzeit: 43:18 Min.

Line-Up:
Mark Barney Greenway – Vocals

Shane Embury – Bass

Mitch Harris – Guitar

Jesse Pintado – Guitar

Danny Herrera – Drums

Produziert von NAPALM DEATH/ Co-Produced by Russ Russell/ Engineerd by Simon Eferney
Label: Century Media

Homepage: http://www.enemyofthemusicbusiness.com

Tracklist:
01. „Lowlife” (Cryptic Slaughter)

02. „Face Down In The Dirt” (The Offenders)

03. „Devastation“ (Devastation)

04. „Messiah“ (Hellhammer)

05. „Victims Of A Bomb Raid“ (Anti-Cimex)

06. „Fright Night“ (Wehrmacht)

07. „War`s No Fairytale“ (Discharge)

08. „Conform“ (Siege)

09. „Master“ (Master)

10. „Fire Death Fate“ (Insanity)

11. „Riot Of Violence“ (Kreator)

12. „Game Of The Arseholes“ (Anti Cimex)

13. „Clangor Of War“ (Massacre)

14. „Dope Fiend“ (Attitude Adjustment)

15. „I`m Tired“ (Die Kreuzen)

16. „Troops Of Doom“ (Sepultura)

17. „Bedtime Story“ (The Dayglo Abortions)

18. „Blind Justice“ (Agnostic Front)

19. „Hate, Fear And Power“ (Hirax)