MORGOTH: The Best Of MORGOTH 1987 – 1997

MORGOTH: The Best Of MORGOTH 1987 – 1997

Lange bevor die unzählig vielen skandinavischen Death Metal Bands mit Keyboardklängen und immer melodiöseren Gitarren den Markt überschwemmten, damit den reinen Death Metal mehr oder weniger verwässerten, war man spätestens Anfang der Neunziger Jahre mit fünf motivierten Jungens aus dem Sauerland höchstzufrieden. In einer Zeit, in der deutsche Thrashgeschosse wie KREATOR und SODOM ein geiles Brett nach dem anderen ablieferten, waren MORGOTH u.a. einer der wenigen deutschen Death-Vorreiter, die den Amis von MORBID ANGEL, DEATH, OBITUARY, … Paroli bieten bzw. auch hin und wieder ein I-Tüpfelchen draufsetzen konnten. Eins vorweg: Bei der vorliegenden The Best Of MORGOTH 1987 – 1997 handelt es sich 1. um keine schnell veröffentlichte Best Of-Scheibe eines Labels, das Jahre nach Bandauflösung eine Geldrakete veröffentlichen will, 2. um keine lieblos zusammengewürfelte Best Of und 3. um keine sonstige Mogelpackung!

Wenn es tatsächlich jemals eine Spaltung in Neu- und Altfans von MORGOTH gab, dann wird bei dieser Best Of mit Sicherheit das Herzchen auf beiden Seiten höher schlagen. Von den Anfangstagen bzw. von der The Resurrection Absurd-EP bis zum viel diskutierten und experimentellen Feel Sorry For The Fanatic-Album sind jeweils drei Songs – wie auch von jedem anderen MORGOTH-Album – auf der CD 1 vertreten. Bereits das angehauchte John Carpenter-Intro von Selected Killing, dem ersten Song auf der CD, erzeugt bei mir Gänsehaut. Danach sind die düsteren und schleppenden Gitarrenläufe immer noch so mächtig wie die rasenden Drumparts, die zu seiner Zeit neue Wege aufzeigten bzw. ein neues Taktgefühl weckten. Der unverwechselbarste Bestandteil setzt dem Ganzen natürlich immer noch die Krone auf: Marc Grewes Stimmorgan. Wahnsinn! Ein geiler Typ und auf ein vergleichbares Level ohne Effektgeräte schaffen es heutzutage auch noch nicht viele neue Sänger aus dem Death Metal Lager. Die schnelleren und aggressiveren Stücke wie Body Count und Sold Baptism schmettern erneut und ohne Umwege ins Ohr. Genauso wie die eher heavy und schon mal doomig angehauchten Stücke aus der Odium-Ärea. Die Hymnen- und Ohrwurmfanatiker, auch die, die nur auf Hartgeknüppeltes abfahren, können sich z. B. den This Fanatic Decade und Graceland-Tracks neueren Datums widmen. Schlicht genial wie sich eine Band positiv ändern kann, immer noch erstklassige Musik fabriziert und sich neueren Stilen öffnet. Das muss man sich einfach anhören, schon alleine wegen der mächtigen Atmosphäre der Stücke!

Die zweite CD ist ein absoluter Killer. Darauf zu finden ist das komplette erste MORGOTH-Demo Pits Of Utumno mit sechs Songs aus dem Jahre 1988. Die Stücke sind zwar mit einer eher befriedigenden Qualität versehen, aber dadurch konnte u.a. der achtziger Jahre Demo-Charakter erhalten bleiben. Grüße an die alten 4-Spur-Aufnahmegeräte. Durch das Demo bot der Century Media Gründer Robert Kampf den MORGOTH Jungens ihren ersten Plattendeal an, um die Aufnahmen für die The Resurrection Absurd-EP zu starten. Was ihn dazu bewog sollte sich jeder selbst auf der CD anhören bzw. auch davon begeistern lassen. Im Weiteren folgen drei bisher unveröffentlichte Songs aus neueren Schaffensphasen: Golden Age, aus dem Jahre 1992, klingt dabei wie ein vergessenes Stück vom Cursed Album: strukturiert und gnadenlos brutal! MORGOTH-Fans aus der Neuzeit können sich über TV War freuen. Dabei handelt es sich um eine frühe Version (1994) von A New Start, das man zwei Jahre später erst auf Feel Sorry For The Fanatic, aber mit anderen Texten versehen, hören konnte. Aus diesen Zeiten bzw. aus den Aufnahmesessions zu Feel Sorry … stammt auch Indifferent und erinnert erneut an einem Mix aus VOIVOD und softeren Elektrosampeln.

Es gibt noch mehr zu hören bzw. auch zu sehen, aber für das Päuschen zwischendurch sollte man sich das amtliche Booklet betrachten. Neben allen Texten der Songs auf CD 1 findet man eine umfassende Bandbiographie, die Sänger Marc selbst verfasst hat. Lustig zu lesen das Ganze. Da schreibt er u.a. von den Anfangstagen, als MORGOTH noch unter dem Bandnamen CADAVEROUS SMELL aktiv waren und im zarten Alter von 16 Jahren ihre Gegend mit Grindcorechaos mit fehlender musikalischer Struktur aufmischten. Oder richtig lustig wird es, wenn man mehr über das amerikanische Gesetz Open Container Law erfährt. In Amerika ist es halt nicht erlaubt mit offenen, auch wenn bereits leeren, Bierflaschen im Fahrzeug rumzugurken. $50 sind pro(!) Flasche zu entrichten. Wahnsinn. Um Näheres zu erfahren sollte man sich die CD unbedingt kaufen, denn im Downloadhandel wird es das Booklet wohl nicht vollständig geben. Genauso wenig wie die vielen Promotion-, Live- und Privatfotos!

Nach dem Päuschen sollte man sich unbedingt dem Videozusatz von der CD 2 widmen. Nicht nur ein, zwei oder drei Video(s) wurden mit draufgepackt, sondern gleich sechs, unter denen Live-Aufnahmen und Clips zu finden sind! Auch hier ist alles prima aufgemacht. Man braucht sich nicht die einzelnen Songs in den CD-Ordner zusammensuchen, denn die CD startet automatisch und mit einem schönen Menü wird die Navigation erleichtert. Die drei Clips zu Cursed & Sold Baptism, Under The Surface und Last Laugh wurden für die damaligen Verhältnisse professionell produziert. Neben den growlenden und gekreuzigten Marc Grewe im Cursed & Sold Baptism-Clip gibt es eine Ladung rollender Panzer, aufsteigender Atomraketen, marschierenden Soldaten und explodierenden Gebäuden in Under The Surface zu sehen. Ist zwar nicht jedermanns Sache, passt in diesem Fall aber optimal zur Mucke. Wer erst die heutigen Rock Hard Festivals kennt, sieht bei Isolated, dass es bereits 1990 auf dem Lichtenfelser RH Open-Air gut zur Sache ging. Sound, Band und Zuschauer wurden gut eingefangen Bei den zwei letzten Stücken Body Count und Resistance handelt es sich um Aufnahmen, die es mit ihrer Qualität im Ton- und Bildsektor nur auf einen Bootleg-Charakter schaffen. Anschauen kann man sich die Live-Aufnahmen trotzdem, denn die vorhandene Stimmung ist immer noch gut auszumachen. Anfang der 90er stand halt nicht ¾ der Meute still in der Gegend rum, sondern feierte die Bands vollständig ab.

Eine gelungene Best Of Doppel-CD ohne Schwachstellen. Pflichtkauf!

Veröffentlichungstermin: 24.01.2005

Spielzeit: 103:51 Min.

Line-Up:
Harry Busse: Gitarre

Marc Grewe: Gesang

Rüdiger Hennecke: Schlagzeug

Carsten Otterbach: Gitarre

Sebastian Swart: Bass

Produziert von Jens Prüter und MORGOTH
Label: Century Media

Homepage: http://www.morgoth.eastpool.com

Tracklist:
CD 1

01. Selected Killing – Resurrection Absurd EP (1989)

02. Lies Of Distrust – Resurrection Absurd EP (1989)

03. Travel – Resurrection Absurd EP (1989)

04. Burnt Identity – Eternal FallEP (1990)

05. White Gallery – Eternal Fall EP (1990)

06. Pits Of Utumno – Eternal FallEP (1990)

07. Body Count – Cursed (1991)

08. Isolated – Cursed (1991)

09. Sold Baptism – Cursed (1991)

10. Resistance – Odium (1993)

11. Under The Surface – Odium (1993)

12. Drowning Sun – Odium (1993)

13. The Fantastic Decade – Feel Sorry For The Fanatic (1996)

14. Graceland – Feel Sorry For TheFanatic (1996)

15. Last Laugh – Feel Sorry For The Fanatic (1996)

CD 2

01. From Dusk To Down – Pits Of Utumno (1988)

02. Being Boiled – Pits Of Utumno(1988)

03. Eternal Sanctity – Pits Of Utumno (1988)

04. Pits Of Utumno – Pits Of Utumno (1988)

05. The Beyond – Pits Of Utumno (1988)

06. Dance Their Dance – Pits Of Utumno (1988)

07. Golden Age – unveröffentlichteDemo Version (1992)

08. TV War – Rarer Track (1994)

09. Indifferent – Rarer Track (1996)



10. Isolated – Rock Hard Festival – Lichtenfels, 1991

11. Cursed & Sold Baptism

12. Under The Surface

13. Last Laugh

14. Body Count – Live In Chemnitz, 18. Juni 1993

15. Resistance – Live In Chemnitz, 18. Juni 1993