MORA PROKAZA: By Chance

MORA PROKAZA: By Chance

Aus Weißrussland dringen nicht viele Infos zu mir vor. Es sei denn, wenn Präsident Lukaschenko die eine oder andere fragwürdige Entscheidung trifft. Abgesehen davon habe ich keinen besonderen Eindruck vom Land und dessen Menschen. Ad hoc fallen mir bloß ein paar Biathleten und eine Tennisspielerin ein. Auch musikalisch ist das Land ein geradezu weißer Fleck. Einzig die Violinen-Virtuosen von VICIOUS CRUSADE sind mir in (bester) Erinnerung geblieben.

Mit MORA PROKAZA gesellt sich nun aber eine weitere Band hinzu. Denn das Duo aus Minsk blickt nicht nur über die Genregrenzen des Metals hinaus sondern ist mit ihrem neuen Album „By Chance“ drauf und dran, sich auch außerhalb der weißrussischen Landesgrenzen einen Namen zu machen.

MORA PROKAZA sind der weißrussische IGORRR

„By Chance“ ist das dritte Album von MORA PROKAZA – und das erste, das bei einem zentraleuropäischen (und größeren) Label erschienen ist. Zu Recht, wie ich meine. Denn das Album spannt einen interessanten Bogen zwischen Extreme Metal, Avantgarde, Folklore und „New School Trap“ (eine Form des Raps, wie ich selber erst nachlesen musste). Um die Musik mit Referenzbands zu beschreiben, fällt mir am ehesten eine Mischung aus viel IGORRR mit den experimentellen Ideen und dem extremenen Gesang und etwas PERCHTA mit dem Folklore-Touch, der visuellen Selbstinszenierung und der grundsätzlich wenigen, aber dafür theatralischen Musik.

Die Gitarren wurden bei „By Chance“ auf Kurzarbeit geschickt

Denn „By Chance“ bringt es nur auf eine Spielzeit von gut 30 Minuten. Doch diese halbe Stunde hat es in sich. Bereits der Opener „WIMG“ eröffnet ein spannendes Feld, indem der Song dramatisch und mit aggressivem Gesang eingeleitet wird. „Check It“ punktet dann mit atmosphärisch angelegten Blasinstrumenten und bei „I See It This Way“ lassen die eingestreuten Klavier-Anschläge aufhorchen. Dabei wird die Gitarrenarbeit an sich zurückgefahren, als dass unterschiedliche Griffe nur sehr sparsam eingesetzt werden. Zwischendurch wird dann eher schwarzmetallisch gewütet, ohne aber dem grundsätzlich experimentellen Stil abzuschwören. Nicht ganz überzeugen können dagegen das zerfahrene „I Am A Human“ sowie das etwas einfallslosere „Blacker Than Black“.

MORA PROKAZA punkten mit facettenreichem Gesang

Da wir dort thront über der Musik jedoch der ausdrucksstarke Gesang von Farmakon, der gallig und dramatisch die Lyrics zum Besten gibt. Dabei wechselt der Frontmann, der auch für Gitarre und Bass verantwortlich zeichnet, zwischen hohem Gequake, diabolisch tiefen Growls und gar etwas Kehlkopf-Gesang („Madonna“). Mitunter werden die Vocals weiterhin verzerrt oder eben in rappender Form zum Besten gegeben. Witzig anzuhören sind auch Passagen, wo Farmakon scheinbar mit sich selbst in einen Dialog tritt („Sorry Man“). Doch hierfür brauchen sich MORA PROKAZA sicherlich nicht zu entschuldigen. Viel mehr ist Danksagung angebracht, als dass „By Chance“ nicht nur einen bislang lichteren Fleck auf der Metal-Landkarte erschließt, sondern auch unbekanntes musikalisches Terrain betritt. Reinhören.

Veröffentlichungstermin: 03.07.2020

Spielzeit: 31:00 Min.

Line-Up:
Farmakon – Gesang & Kompositionen
Hatestorm – Schlagzeug

Produziert von Andrei „Farmakon“ Shepelevich

Label: Season Of Mist

Homepage: http://moraprokaza.com

Mehr im Netz: https://moraprokaza.bandcamp.com
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/moraprokaza

MORA PROKAZA „By Chance“ Tracklist

1. WIMG (2:41) (Video bei YouTube)
2. Im Not Yours (3:39) (Video bei YouTube)
3. Check It (3:36) (Video bei YouTube)
4. Im A Human (2:41)
5. I See It This Way (6:08)
6. Madonna (3:19)
7. Be There (3:30)
8. Sorry Man (3:11)
9. Blacker Than Black (3:01)

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.