MIKE LEPONDS SILENT ASSASSINS: Whore Of Babylon

MIKE LEPONDS SILENT ASSASSINS: Whore Of Babylon

Da SYMPHONY X nach der Veröffentlichung von “The Odyssey” irgendwie enorm an Fahrt verloren und in 18 Jahren nur noch drei weitere Alben veröffentlicht haben, hat Mike Lepond genug Zeit, sich um das eine oder andere Projekt zu kümmern. Neben Engagements bei THEM, ROSS THE BOSS und seit kurzem auch DEATH DEALER hat er mit MIKE LEPONDS SILENT ASSASSINS auch seine eigene Band am Start. Mit Alan Tecchio hat er immerhin eine echte US Metal Underground-Legende als Sänger vorzuweisen. Unser Jutze hat seinerzeit das Debüt mit eher mittlerer Begeisterung aufgenommen. Viel von dem, was Jutze damals geschrieben hat, vor allem was die Stilistik angeht, könnte ich auch 2020 eins zu eins übernehmen. Größtenteils spielen SILENT ASSASSINS harten, rifflastigen US Power Metal, der gerne mal die Grenze zum Thrash kreuzt.

MIKE LEPONDS SILENT ASSASSIN bieten rifflastingen Power Metal mit Konservendrums

So zum Beispiel direkt zu Beginn beim Opener “Dracul Son”: rasante Riffs, ein hoher Schrei von Alan Tecchio und schon beginnt der Nacken unkontrolliert zu zucken. Allerdings fällt auch sofort auf, dass sich an der bereits von Jutze bemängelten Abwesenheit jeglicher Dynamik beim Schlagzeugsound nichts geändert hat. Da im Bandinfo und auch sonstwo nirgends ein Drummer erwähnt wird, gehe ich mal von Konserventrommel aus. “Ides Of March” überzeugt als klassische Up Tempo Power Metal-Nummer, während “Tell Tale Heart” das Tempo etwas rausnimmt und vertrackter zu Werke geht. Hier nimmt sich Meister Lepond auch etwas mehr Raum für sich und seinen Viersaiter in Form immer mal wieder eingestreuter Bass-Breaks. Ausklingen lässt man den Song mit den Klängen eines Western-Pianos, was ein schöner Farbtupfer ist.

Inzwischen hat man auch mehr als eindrücklich Bekanntschaft mit Gitarrist Lance Barnewold gemacht, der mit seinen Soli so manches Mal die Saiten zum Glühen bringt. Patente Mitmusiker hat sich Herr Lepond da geangelt, dass muss man sagen. Spielerisch ist dieses Album, vom eher unspannenden Drumming mal abgesehen, große Klasse. Mit “Night Of The Long Knives” folgt eine beschwingte Nummer mit leichtem Folk-Anstrich. Eine nette Abwechslung vom bisherigen Riff-Massaker.

Da hat man Spaß mit “Whore Of Babylon”… und dann kommt die Ballade

Soweit macht “Whore Of Babylon” eigentlich echt Spaß. Doch dann kommt mit “Champion” eine ganz, ganz furchtbare Ballade. Los geht es mit lahmem Flötengedudel, bei dem man sich wünscht, Devon Graves würde der Schuldigen die Flöte aus der Hand reißen und ihr zeigen, wie man es richtig macht. Eben jene Sarah Teets ist neben der Flöterei auch für den Gesang bei diesem Song zuständig, was alles noch viel schlimmer macht. Dermaßen schunkelig, man würde sanft klatschen und mit der dritten Hand ein Feuerzeug hochhalten, wenn das nicht völlig unter meiner Würde wäre. Ohne Scheiß, gegen Ende singt sie sogar “na na na na na na, who ho ho”. Ich muss brechen. Dazu ein bisschen Gitarrengezupfe aus der Abteilung Lagerfeuer für Anfänger und fertig ist der absolute Tiefpunkt des Albums. Und das Beste daran: Das verdammte Ding ist fast sieben Minuten lang!

Sieben Minuten Qual

Danach bin ich erstmal unglaublich dankbar für die schnellen, harten Riffs von “Ironborn” und Alan Tecchio, der mich anschreit. Danke! Knapp fünf Minuten widmen sich MIKE LEPONDS SILENT ASSASSIN hier den Ironborn aus “A Song Of Ice And Fire”. Der Großteil des Songs segelt hart am Thrash, der Refrain und ein kurzer Part im hinteren Teil sind dann wieder purer Epic Metal. Passt aber durchaus gut zusammen. Bei “Lady Bathory” und “Power Of Steel” zeigt die Band sich von Ihrer rockigen Seite. Letzteren Song könnte man wohl mit MANOWAR treffen auf AC/DC ganz gut beschreiben. Eine relaxte, lockere, textlich allerdings etwas platte Nummer.

Fans von zeitgemäßem Power Metal dürfen gerne mal in “Whore Of Babylon” reinhören

Den Titeltrack eröffnet Lepond mit etwas Bass-Gefummel, bevor der Song einen orientalischen Vibe bekommt. Alan Tecchio singt hier so melodisch wie auf keinem anderen Song, manchmal ist sein Gesang in Verbindung mit den orientalischen Skalen fast schon ein wenig hypnotisch. Ein schönes, ruhiges Stück. Zum Schluss gibt es mit “Avalon” noch ein achtminütiges Epos, bei dem Folkiges auf Frickliges trifft, epische Heldengesänge auf Hammondorgeln. Das Stück hat viele wirklich gute Momente, allerdings auch ein paar Längen. Alles in allem ist “Whore Of Babylon” ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Album geworden. Unter den Songs ist mit Ausnahme des allerdings ziemlich miesen “Champion” kein Ausfall zu vermelden, allerdings auch kein alles überragender Hit der nachhaltig im Gedächtnis bleiben würde. Fans von zeitgemäßem Power Metal dürfen gerne ein Ohr riskieren.

Veröffentlichungsdatum: 26.06.2020

Spielzeit: 54:00

Line Up:
Alan Tecchio – vocals
Mike Lepond – rhythm guitars, bass
Lance Barnewold – lead guitars

Produziert von: Mike Lepond
Label: Silver Lining Music / Warner Music

Facebook: https://www.facebook.com/mikelepondssilentassassins

MIKE LEPOND´S SILENT ASSASSINS „Whore Of Babylon“ Tracklist

1. Dracul Son (Video bei YouTube)
2. Ides of March (Video bei YouTube)
3. Tell Tale Heart
4. Night of The Long Knives
5. Champion
6. Ironborn (Video bei YouTube)
7. Lady Bathory
8. Power of Steel
9. Whore of Babylon
10. Avalon

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.