MESHUGGAH: Koloss

MESHUGGAH: Koloss

Manche MESHUGGAH-Alben können locker mit einer hochkonzentrierten Stunde Boxtraining am Punching Ball mithalten. Präzise Technik, heftigste Schläge und unerbittliche Kondition gehen dann eine unheimliche Verbindung ein und spucken zerstörerische Platten wie Nothing aus, die den Hörer zermürbt zurücklassen, auf Dauer jedoch aufgrund ihrer monoton-kaputten Brachialität auch ermüden. Manche MESHUGGAH-Alben bieten da noch weitaus mehr. Dann kommen die genannten Attribute in einem hochspannenden, zwischen nervösem Abtasten, derbstem Schlagabtausch und dem einen kalkulierten K.O.-Haken pendelnden Jahrhundertfight zum Einsatz, von dem noch Generationen später gesprochen wird. Destroy Erase Improve war so ein Urknall, auf dem heute ganze Genres basieren und der nicht zuletzt dank seiner Vielfalt nichts von seiner zermalmenden Durchschlagskraft eingebüßt hat.

Wo kann man nun das neue, vielversprechend betitelte Album Koloss in diesem sprachlichen Bild einsortieren? Einerseits ballert einem The Hurt That Finds You First dermaßen schnell und perfide um die Ohren, dass es sich nahtlos in Hochgeschwindigkeitsmassaker der Marke Combustion und Terminal Illusions einreiht, nur um gegen Ende einen fast schon Ethno-artigen Kontrapunkt zu setzen. Hinzu gesellen sich gewohnt komplexe Groovemonster wie I Am Colossus oder Marrow, die allerdings nach den früheren Ausflügen in die höheren Sphären der vertonten analytischen Geometrie eher organisch klingen und trotz ihrer ungeraden Takte und verrückten Thordendal-Leads das Mitwippen nicht gänzlich unmöglich machen. Dann wiederum kann auf Koloss eine vermehrte Fokussierung auf atmosphärisch dichte und doch natürlich zugleich abgedrehte Parts konstatiert werden. Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion fußt auf einer denkbar simplen Gitarrenlinie, erzeugt jedoch eine angespannte, finstere Stimmung, während Behind The Sun sich durch triste postapokalyptische Landschaften kämpft. Auch hier gilt die neue Devise ´Kopfkino statt kopfrechnen´, ohne banal zu werden oder gar in die Niederungen banaler 4/4-Taktungen abzusinken. Wenn dann aber The Demon´s Name Is Surveillance das Geheimnis seiner nur scheinbar vertrackten Rhythmik allzu früh preisgibt, könnte manch einer, der an MESHUGGAH einzig und allein die progressive Kante liebt, schnell das Interesse an Koloss verlieren. Diese Sichtweise würde allerdings den Weg zur Erkenntnis verstellen, dass MESHUGGAH mit Koloss ganz andere Ziele zu verfolgen scheinen, auch wenn jede Minute unverkennbar nach den Schweden und niemand anderem klingt. Mit seiner wuchtigen Monotonie, seiner mysteriös-erhabenen Ausstrahlung, seiner undurchdringlichen Härte und den ganz und gar außerirdischen musikalischen Fähigkeiten von MESHUGGAH löst sich Koloss von der allzu weltlichen Eingangsmetapher und wirkt vielmehr wie der geheimnisvolle Monolith in Stanley Kubricks Meisterwerk 2001 – Odyssee im Weltall, der in seiner Massivität majestätisch weit über allem irdischen Treiben der Normalsterblichen seine Bahnen zieht. Es mag abwechslungsreichere, komplexere und auch härtere MESHUGGAH-Alben geben, Koloss besticht jedoch durch diese intensive Ausstrahlung.

Veröffentlichungstermin: 23.03.2012

Spielzeit: 54:32 Min.

Line-Up:
Jens Kidman – Gesang
Fredrik Thordendal – Gitarre
Mårten Hagström – Gitarre
Dick Lövgren – Bass
Tomas Haake – Schlagzeug
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.meshuggah.net

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/meshuggah

Tracklist:
1. I Am Colossus
2. The Demon´s Name Is Surveillance
3. Do Not Look Down
4. Behind The Sun
5. The Hurt That Finds You First
6. Marrow
7. Break Those Bones Whose Sinews Gave It Motion
8. Swarm
9. Demiurge
10. The Last Vigil