MARATHONMANN: Holzschwert

MARATHONMANN: Holzschwert

Manchmal kommen sie aus dem Nichts. Schleichen sich hinterrücks an und ziehen dir eins über den Schädel, sodass du im Anschluss erst einmal deine Gedanken sortieren musst. MARATHONMANN sind solche Gesellen. Erst seit gut anderthalb Jahren aktiv kommt von den Münchnern nun ein Debütalbum, das vermutlich kaum einer richtig auf dem Zettel hatte.

Mit knackigen 36 Minuten hält sich „Holzschwert“ nicht mit großen Sperenzchen auf. Direkt, unverblümt und nachdrücklich bringen die zehn Songs ihre Essenz auf den Punkt: Ein spielfreudiger Hybrid aus Melodic Hardcore und geradlinigen Punk-Rock-Strukturen zimmert das Gerüst, die deutschsprachigen Screams von Bassist Michael Lettner sorgen für den Charakter. Die Gitarren schreddern in „Räume“ und „Wenn du dem Teufel deine Hand gibst“, dass es eine Freude ist, zeigen im starken „Die Stadt gehört den Besten“, „In den Trümmern deine Sätze“ sowie dem Titeltrack mit seiner fast schon reservierten Strophe aber auch melodische Handschrift.

Das durchweg gute Songwriting verspricht MARATHONMANN einen guten Einstand

Der punkige Grundansatz erinnert instrumental an die rockige Seite von RISE AGAINST, die zusammen mit POLAR BEAR CLUB die Nacht durchgezecht haben. Doch sollte dieser Vergleich nicht auf die Goldwaage gelegt werden, stimmlich bleiben MARATHONMANN nämlich fast schon konservativ im Hard- bis Metalcore zu Hause. Ansätze von melodischem Gesang in „Wir sind immer noch hier“ sind die Ausnahme. In der Regel füllen durchgehend Michael Lettners Screams den Raum. Die passen an sich gut zur Band und rücken „Holzschwert“ in die Nähe von STEVE FROM ENGLAND, bleiben neben dem linearen Songaufbau allerdings der Bereich, der noch das größte Steigerungspotenzial offenlegt. In beiden Fällen müssen MARATHONMANN dem Vergleich mit POLAR BEAR CLUB standhalten, die aus ähnlicher Ausgangslage gesanglich und kompositorisch eine deutlich kreativere Vision umgesetzt haben.

Weil MARATHONMANN mit dem ordentlichen „Grabräuber“ und dem konsternierten „Schiffe versenken“ nur zwei Ausreißer aus dem bewährten Schema verzeichnen, verspielt „Holzschwert“ kurz nach der Halbzeit etwas Potenzial. Und doch: Die Produktion mit ihrem drängelnden Bass, die lesenswerten Texte und das fast durchweg konstante Songwriting-Niveau versprechen einen guten Einstand, der – das wird uns nach gründlichem Nachdenken bewusst – willentlich unter dem Radar geflogen ist. Warum? Weil MARATHONMANN erst durch das Überraschungsmoment demonstrieren können, wie schmerzhaft so ein „Holzschwert“ in den richtigen Händen sein kann.

Veröffentlichungstermin: 22.03.2013

Spielzeit: 36:13 Min.

Line-Up:
Michael Lettner – Gesang, Bass
Robin Konhäuser – Gitarre
Tom Fischer – Gitarre
Marcel Konhäuser – Drums

Produziert von Robin Völkert und MARATHONMANN
Label: Century Media

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/marathonmannband

MARATHONMANN „Holzschwert“ Tracklist

01. Wenn du dem Teufel deine Hand gibst
02. Die Stadt gehört den Besten (Video bei YouTube)
03. Unter Tränen
04. Holzschwert (Video bei YouTube)
05. Räume
06. Wir sind immer noch hier
07. Grabräuber
08. In den Trümmern deine Sätze
09. Propeller
10. Schiffe versenken

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.