LIVING GATE: Deathlust [EP]

Das könnte man schon als Supergroup bezeichnen: Aaron Riesenberg (YOB), Wim Sreppoc (WIEGEDOOD, OATHBREAKER), Lennart Bossu (AMENRA, OATHBREAKER) und Levy Seynaeve (AMENRA, WIEGEDOOD) tun sich zusammen, um eine Death Metal EP einzuspielen. In meiner Welt sind das Großkaliber! Die Freude und die Erwartungen sind dementsprechend hoch, das old-schoolige Logo und Cover tun ihr übriges dazu. Aber wie so oft im Leben bekommt man nicht das, was man sich vorstellt. Das muss aber auch nicht immer schlecht sein.

Sind LIVING GATE eine Supergroup?

Mit den ersten Tönen wird schon klar, dass manche Trademarks der anderen Projekte stärker in LIVING GATE einfließen als andere, denn bereits im Opener „Delusion of Consciousness“ sind es die schnellen Triple-Anschläge auf den Gitarren, wie man sie von WIEGEDOOD kennt, die das Riffing bestimmen.

Dazu kommen auch schnell Blastbeats und das typische hektische RIffing, so dass sich in vielen Parts der Songs der Unterschied zu den letzen WIEGEDOOD Veröffentlichungen hauptsächlich im tief gegrowlten Gesang manifestiert. Manches macht irgendwie den Eindruck aus WIEGEDOOD-Riff-Kiste mit der Aufschrift „Nicht genug Black Metal“  zu stammen.

Qualität ist da, Langsamkeit nicht

Logischerweise sind die Unterschiede zu den üblichen Betätigungsfelder der anderen Hälfte von LIVING GATE, zum Beispiel AMENRA oder YOB, viel grundlegender als zu einer Black Metal Band wie WIEGEDOOD, so dass eventuelle Ähnlichkeiten sich weniger aufdrängen, und letztlich tut es der Qualität der Songs keinen Abbruch, wenn man den persönlichen Stil der Musiker auch in solchen Projekten heraushören kann, selbst wenn nicht alle Musiker gleichermaßen prägnant sind.

Und die Qualität ist durchaus gegeben. „Deathlust“ ist ein schneller Brecher, mit technischen Riffs und viel Energie und einem gelungene Solo-Gitarren-Duell am Ende, „Heavens Ablaze“ überrascht mit viel Midtempo und erinnert an SUFFOCATION oder gar MORBID ANGEL. „Roped“ haut in die gleiche Kerbe. Die Quasi-Bandyhmne „Living Gate“ punktet mit der Verbindung von Blastbeats und groovigem Midtempo und mit viel Dissonanz. Langeweile findet nicht statt auf dieser EP. Echte Überraschungen aber leider auch nicht.

Die Produktion ist dicht und sehr erdig, kratzig und ziemlich mittig angelegt, so dass einem die Gitarren direkt ins Gesicht springen, und die Drums und Vocals mehr im Hintergrund stattfinden. Das klingt herrlich unmodern und undergroundig. Allerdings ist  der Snaresound etwas zu dumpf für meinen Geschmack, mehr Peitschenknallen hätte mir da besser gefallen, aber da ist mein persönlicher Geschmack.

Hochklassiger, schneller und technisch hochwertiger Death Metal

Alles in allem sind die fünf Songs handwerklich perfekt umgesetzt, kompetent geschrieben und wirklich interessant, aber dennoch will der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Vielleicht, weil ich mir in meiner naiven Vorfreude ausgemalt hatte, dass die energetische Hektik von WIEGEDOOD durch den Einfluß der AMENRA, und YOB-Kollegen mit mächtigen Doom-Parts und Atmosphäre verschmolzen wird und aus der Verschmelzung der musikalischen Welten von solch kompetenten Musikern etwas wirklich Neues entsteht, was aber leider nicht der Fall ist. Doom oder überhaupt Langsamkeit sucht man auf der EP vergebens.

Was man allerdings bekommt, ist hochklassiger, schneller und technisch hochwertiger Death Metal mit viel Underground Feeling, einer vernünftigen Produktion sehr gutem Songwriting und mit Musikern, die auf hohem Qualitäts-Level agieren. Und das ist ja auch schon eine ganze Menge mehr als üblich. Reinhören lohnt sich.

Release Date: 12.06.2020

Label: Relapse Records

LIVING GATE „Deathlust“ Tracklist

1. The Delusion of Consciousness (Audio bei YouTube)
2. Roped
3. Deathlust
4. Heaven Ablaze (Audio bei YouTube)
5. Living Gate

Line Up:

  • Aaron Riesenberg – Bass
  • Wim Sreppoc . Drums
  • Lennart Bossu – Guitars
  • Levy Seynaeve – Guitars, Vocals

Mehr im Netz:

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