LITTLE DEAD BERTHA: Way Of Blind

LITTLE DEAD BERTHA: Way Of Blind

LITTLE DEAD BERTHA gelten im russischen Raum als eine der dienstältesten Bands, die seit 1994 aufgrund einiger Line-Up-, Stil- und Namensänderungen nie zur Ruhe gekommen ist. Das mag vielleicht auch der Grund sein, warum es der Band bis heute nicht gelungen ist, in Mitteleuropa Fuß zu fassen. Dass die sechs Russen zudem bei einem russischen Label unter Vertrag stehen (Stygian Crypt Productions), das für die hiesigen Fans und Interessenten lediglich einen veralteten Mailorder-Katalog zur Verfügung stellt und in puncto Distribution keine nennenswerten Partner hat, erschwert die Sache zusätzlich.

Zu Hause sind die Musiker in der knapp eine Million Einwohner beherbergenden Stadt Woronesch. Dort nahmen LITTLE DEAD BERTHA die Alben In Memorium Premortis (1997), Two Sides … (2000 unter dem Namen BERTHA) und Light And Shadows (2003 ebenso unter dem Namen BERTHA) auf und vollzogen einen Stilwechsel vom anfänglichen Thrash Metal über Doom bis hin zum Gothic Metal. Mit der Rückkehr zum alten Bandnamen und dem aktuellen Album geben LITTLE DEAD BERTHA einen Hinweis darauf, dass sie sich wieder ihrer musikalischen Wurzeln rückbesinnen, ohne aber die Doom und Gothic Einflüsse ganz zu kappen. Insofern kommt es auf Way Of Blind zu einer spannenden Mischung aus hartem Melodic Death Metal und symphonischen Gothic Metal, der unter die Haut geht und Fans des Genres das Gefühl gibt, die Musik schon ewig zu kennen bzw. nur auf dieses Album gewartet zu haben.

Der Auftakt ist dabei aber gar nicht einmal so verheißungsvoll, rufen doch die ersten, fast billig klingenden Keyboard-Sounds eher die Erinnerung an die russischen Landsleute von THE AERIUM oder THE LUST wach. Doch mit dem Einsatz des Schlagzeugs und der Gitarren beugt sich diese Befürchtung etwas und sobald der Soundregler an den Keys umgedreht und der nächste Songabschnitt eingestampft wird, ist alle Kritik Schall und Rauch. Denn der Opener Without Hope macht eines gleich zu Beginn offensichtlich: LITTLE DEAD BERTHA geben sich keineswegs mit eindimensionalen Songs zufrieden, sondern versehen ihre Tracks mit einer breiten Anzahl von Abschnitten, die mit großartigen Breaks, interessanten Interludes und mit viel Dynamik gespickt sind. Schleppende, von einer Violine begleitete Parts, die alleine schon wegen dieser Konstellation an MY DYING BRIDE erinnern, wechseln mit flotten Blastbeat-Passagen ab, denen es trotz des Tempos nicht an Melodie fehlt.

Wandlungsfähig, wie der Sound an sich, sind auch die Vocals, die ein aggressives Shouten ebenso zur Geltung kommen lassen, wie Growls und gesprochene Parts. Ebenfalls mit von der Partie sind weibliche Vocals, die großteils die Atmosphäre und die Melodien unterstützen, und weniger oft als primärer Gesangsstil eingesetzt werden. Eine starke Vorstellung liefern auch die Gitarren ab, die sauber und schnell für die nötige Härte sorgen. Auch der Bass drängt sich immer wieder in den Vordergrund und bekommt in manchen Abschnitten sogar die volle Aufmerksamkeit seitens des Hörers. Die Saiteninstrumente sind schließlich – gemeinsam mit den Vocals – vom soundtechnischen Aspekt gesehen am besten abgemischt. Das Schlagzeug, das im Übrigen ebenso ganz vorzüglich gespielt wird, könnte hingegen noch etwas mehr Durchschlagskraft vertragen.

Ein einziges Highlight auf Way Of Blind zu nennen, fällt allerdings schwer, denn jeder einzelne Song birgt seine Eigenheiten, die ihn auf seine Weise einzigartig und fortlaufend hörenswert machen. Begeistern in My Evil Wish die beinahe funkig gespielte Gitarren-Zwischenstücke, berühren in Force And Brave die spartanisch instrumentierten und atmosphärischen Songteile. Und während in Requiem die Doom und Thrash-Vergangenheit der Band zu einem wohlwollenden Gruß ausholt, lässt man sich vom treibenden I Don´t Believe mitreißen. Gemeinsam ist den Songs allerdings ihr Abwechslungsreichtum, ihre melodiöse Eingängigkeit und ihr perfektes Arrangement. Letztendlich ist Way Of Blind ein Album, das wie ein Mosaiksteinchen den musikalischen Horizont ergänzt und vor allem bereichert.

Veröffentlichungstermin: 10.06.2005

Spielzeit: 52:14 Min.

Line-Up:
Dmitriy Zamaruev – Vocals

Sergey Galushko – Guitar

Yuriy Sveshnikov – Bass

Dmitriy Paltsev – Drums

Tatiyana Voytenko – Keyboards

Svetlana Hodyakova – Vocals

Label: Stygian Crypt Productions

Homepage: http://www.bertha-music.narod.ru

Email-Adresse der Band: ldbertha@mail.ru

Tracklist:
1. Without Hope

2. Raven

3. I Don´t Believe

4. My Evil Wish

5. Last Way To Nowhere

6. Force And Brave

7. Way Of Blind

8. Requiem

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.