KLABAUTAMANN: Merkur

Was, das sind KLABAUTAMANN?!? Und wie. Und wie gut.

Zwei Jahre nach der selbstbetitelten EP Klabautamann präsentieren KLABAUTAMANN mit Merkur ihr drittes Full Length-Album. Schon das kalt-blaue Cover verkündet offenmundig, ja verschreit, Veränderung und musikalisch merkt man schon in den ersten Sekunden von Unter Bäumen, dass im Bonner Wald ein anderer Wind weht. Was hingegen gleich geblieben ist: eine transparente, authentische Produktion, die keine Wünsche offen lässt. Und natürlich die Eigenständigkeit. Und der Umstand, dass KLABAUTAMANN wohl das interessanteste sind, was Deutschland in Sachen Black Metal zu bieten hat.

Obwohl man sich über letztere Stilbezeichnung streiten kann, da KLABAUTAMANN es lieben, mit jazzigen Parts ihre Merkur-Stücke zu ergänzen, so sind die Deutschen im Kern dem Schwarzmetall verpflichtet. Wunderbare Dissonanzen, sperrige Raubeinigkeit, Texte, wirken wie in ewiger Dunkelheit ertrunken. Spielerisch abwechslungsreich und sperrig gibt sich Merkur, Anspieltipps herauszupicken ist angesichts der durchwegs hohen Qualität kaum möglich.

Cleane Vocals (etwa in Der Wald ist ein Meer) gibt es genauso wie ruhigere, jazzige Passagen (beispielsweise in Herbsthauch). KLABAUTAMANN zeigen sich in den verzerrten Parts genauso stark wie in den langsameren, nachdenklicheren. Höhepunkt ist definitiv der Titeltrack, der sich von einem sperrigen Dissonanzbeginn plötzlich in Richtung OPETHs Watershed wendet, nur um dann mit einem absolut mitreißenden Groove ein gepflegtes Bluesfeeling aufkommen zu lassen – einfach nur geil! Hüftsteife Black Metaller? Wohl garantiert nicht. Erfrischend und dennoch düster bleiben die Bonner bis zum Ende, wo Noatun mit satten Basslines und dezentem X-Files-Melodiefeeling dieses tolle Album abschließt.

Fazit: KLABAUTAMANN haben sich weiterentwickelt und reüssieren mit ihrem neuen Material. Wer Black Metal mag, der über den Tellerrand blickt, irgendwie schon immer eine Schwäche für die Atmosphäre von IN THE WOODS, BORKNAGAR, ULVER, WOBURN HOUSE oder OPETH hatte, der wird mit Merkur eine spannende musikalische Reise auf verschlungenen, mysteriösen Pfaden antreten…

Veröffentlichungstermin: 29.06.2009

Spielzeit: 46:59 Min.

Line-Up:
Tim Steffens (WADGELMIR, KRUSCHKE): Vocals, Gitarre, Bass
Florian Toyka (ISLAND, WOBURN HOUSE, VALBORG, KOSMOS WALD): Gitarren, Bass

Gastmusiker
Patrick Schröder: Drums
Fredy Schnyder (NUCLEUS TORN): Piano, Mellotron in Noatun
Christian Kolf: zusätzliche Vocals in Der Wald ist ein Meer

Produziert von KLABAUTAMANN
Label: Zeitgeister / Heavy Horses Records

Homepage: http://www.klabautamann.de/

MySpace: http://www.myspace.com/klabautamann

Tracklist:
1. Unter Bäumen
2. When I long for Life
3. Stygian
4. Herbsthauch
5. Morn of Solace
6. Der Wald ist ein Meer
7. Merkur
8. Lurker in the Moonlight
9. Noatun