Jutzes Resterampe

Jutzes Resterampe

Auch wenn der Markt massiv geschrumpft ist, kommen Monat für Monat Unmengen an neuen CDs auf den Markt. Viele davon landen bei Vampster, doch es fehlt uns oft an Kapazitäten, alles zu besprechen. Vom letzten Redaktionstreffen kam ich mit 100 veralteten CDs zurück in der Hoffnung, sie im Schnelldurchgang zu rezensieren, um einmal einen Eindruck davon zu vermitteln, welche Ausmaße die Veröffentlichungsflut angenommen hat.

Die meisten Alben hier sind bereits über drei Jahre alt – faszinierenderweise hat jedoch seither fast keine der Bands ein neues Album rausgebracht. Insofern sind die Reviews fast noch aktuell. Ich habe die CDs meistens auch nur zum Teil gehört, um der Masse irgendwie Herr zu werden. Für 20 Alben hat meine Kondition gereicht.

RAVENHEART: Valley Of The Damned
Als wären Band- und Albumname nicht genug, klingt das Einstiegsriff bereits dermaßen nach melodischem Power Metal, dass man das Zielpublikum gleich bildhaft vor Augen sieht. Die Musik erinnert an FREEDOM CALL, wobei RAVENHEART über weite Strecken ein ordentliches Tempo vorlegen. Da überrascht es wenig, dass Chris Bay und Cede Dupont von FREEDOM CALL als Gastmusiker auftreten. Textlich gibt es haufenweise Klischees und nahezu nichts Originelles. So kann man gut raten, wo man Zeilen wie Valley Of The Damned, Heading For Tomorrow oder Fly Away To A Rainbow In The Sky schon einmal gehört hat. Abgerundet wird die CD durch Keyboards, die man wahlweise als kitschig oder episch bezeichnen kann. Traditionellen Metal-Fans dürfte die Musik sicher zu glatt und poppig klingen. Doch für Leute, die gerne klar produzierten Heavy Metal mit vielen netten Melodien und reichlich Chören bietet Valley Of The Damned gute Unterhaltung.
VÖ: 03.10.2008
http://www.ravenheart.ch

PANICA: Not Everything´s Just Grey
Typischer Skateboardsound. Und da sage noch mal jemand, ich würde für meine Reviews einfach blind den Info-Text abschreiben, wo ich ihn doch tatsächlich auf seine Quintessenz zusammendampfe, so dass mit zwei Worte sofort klar wird, dass hier eine Band Punkrock mit Melodie und einer gewissen Unruhe spielt, wobei die Produktion klar und druckvoll ist, was dem ursprünglichen Punkgeist freilich dermaßen zuwider ist, dass man fast schon von Poprock sprechen könnte, wäre der leicht nasale Gesang nicht doch eher punkig als poppig. Die CD klingt nett, aber nicht umwerfend.
VÖ: 24.10.2008
http://www.panica.com

GABRIELE BELLINI: De Revolutionibus Orbium Celestium
Ein Gitarristen-Soloalbum! So, liest jetzt noch irgendjemand weiter? Stilistisch bewegt sich die Musik am Rande der Vampster-Grauzone – akustische Gitarre begegnet elektronischen Hintergrundgeräuschen, die mal mehr, mal weniger rhythmisches Fundament liefern. Sporadisch brechen halsbrecherische Tonleiterläufe aus den Stücken heraus. Zwischendurch kommen auch elektrische Gitarren zum Einsatz. Dann wird eine gewisse Ähnlichkeit zu GORDIAN KNOT erkennbar. Allerdings sind die Stücke von Gabriele Bellini offenbar eher knappe Ideenfragmente und leider keine sich entwickelnden Kompositionen. Die Musik klingt zwar erfrischend anders als übliche Hardrock- Frickelsoloscheiben. Doch das weitgehend instrumentale Gedudel hat keinen roten Faden, so dass alle guten Ansätze im Vakuum der Belanglosigkeit verpuffen.
VÖ: 21.05.2008
http://www.garbielebellini.it

SPELLBOUND DAZZLE: Unreal FairyTales
Moderner Heavy-Rock mit fetten Gitarren, druckvollen Drums und einer Schwäche für folkloristische Elemente tönt aus den Lautsprechern. Der Gesang wechselt zwischen leicht aggressivem Timbre und eher klagender Sanftmut. Richtig durchsetzen kann sich die farblose Stimme jedoch weder in der knalligen Produktion, noch im orientierungslosen Songwriting. SPELLBOUND DAZZLE gelingt es zwar, sich stilistisch vom Rest der aktuellen Szene abzuheben, aber dem Liedmaterial fehlt es an Eingängigkeit. Die Abgehteile kommen gut rüber, schaffen es für sich genommen aber nicht, nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Die eingeschobenen Balkan-Folklore lockert das Geschehen auf, doch zumindest auf Platte fehlt auch hier das Gespür für Hooklines. So erzeugt Unreell FairyTales eine interessante Stimmung im Spannungsfeld zwischen Brettgitarren und osteuropäischer Folklore, der bei allem Pfeffer herausragende Momente fehlen.
VÖ: 28.01.2011
http://www.spellbounddazzle.com

TIMECUT: Timecut
Ich habe mir die CD nur wegen des leicht abstrakten Titelbilds vorgenommen. Wie sollte ich ahnen, dass die Musik genauso diffus klingt? Ich glaube, so klängen COLDPLAY, wenn sie Metal spielen würden. Ausschweifende Klangflächen vertreiben immer wieder die Gitarrenriffs. Dann ziehen cleane, leicht psychedelische Gitarren durch die Lieder. Der Gesang hat einen klagenden Unterton und bleibt auch bei den härteren Passagen clean und kontrolliert. Klar, es gibt emotionale Ausbrüche, die das Geschehen auflockern und mit soliden Grooves für Bewegung im Klangbild sorgen. Fröhlichkeit, Selbstzufriedenheit und Mainstream-Pop sucht man vergebens auf dieser CD. Fans von Rockmusik mit einer gewissen Heaviness, die gerne in Klanglandschaften schwelgen, können hier also ruhig mal ein Ohr riskieren.
VÖ: 15.11.2008
http://www.timecut.net

BUBI ELEKTRICK: Herz aus Scheiße
Diese Mini-CD sticht aus der Veröffentlichungsflut heraus – nicht weil sie gut oder revolutionär ist. Nein, diese Veröffentlichung ist so schlecht und primitiv, dass sie fast schon wieder unterhaltsam ist. Herz aus Scheiße besticht bereits durch ein klares Titelbild mit klarem Titel. Die Musik hält dann auch, was die Verpackung verspricht. Gitarrenfragmente werden als Samples verwendet. Dazu gesellen sich primitive Technobeats und höchstmonotoner – na ja, Gesang würde ich es nicht nennen – eher Sprechpassagen. Beim Lied Ted Punk Punk Ted mutet der repetetive Text, der kaum über die Worte des Titels hinausgeht, fast schon dadaistisch an. Ansonsten gibt es einen Hauch mehr lyrische Tiefe, aber mit so etwas wie Niveau kommt die Musik freilich nie in Berührung. Somit eignet sich die Musik erschreckend gut für diverse soziale Situationen, z.B. um wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, nachdem man ergebnislos diskutiert (oder gar gestritten) hat, welches METALLICA-Album das beste ist.
VÖ: 01.01.2008
http://www.myspace.com/bubielektrick

ANDROBB: 5 Million Miles Away
Zurück zum Ernst des Lebens: ANDROBB aus Liechtenstein spielen Heavy Rock, der mit seinen eher schleppenden Riffs ein wenig an die softeren Zeiten von METALLICA erinnert. Zwischendurch ist der Gesang bemüht, etwas mehr Melodie und einen Hauch von Fröhlichkeit beizusteuern, kann jedoch nur wenig Akzente setzen. Die Mini-CD klingt in meinen Ohren reichlich harmlos. Die härteren Passagen reißen einen nicht vom Hocker und wirken eher unausgereift. Die großen Killerhooklines, die dieses Manko ausgleichen könnten, fehlen. Man hat zwar den Eindruck, dass die Musiker mit Spaß und Gefühl bei der Sache sind, doch der Unterhaltungswert hält sich in engen Grenzen.
VÖ: 07.05.2010
http://www.androbb.li

SUSPYRE: When Time Fades…
Nach dem Genuss des Openers ist bereits klar, dass dies ein typisches Progressive Metal-Album aus dem Hause von The Laser´s Edge ist. Im weiteren Verlauf bestätigt sich dieser Eindruck, wobei die songdienlichen, abwechslungsreichen Gitarrenriffs und der kraftvoller Gesang, der an Russell Allen (SYMPHONY X) erinnert, positiv auffallen. Krumme Takte dominieren das Geschehen, ohne den Fluss der Kompositionen merklich zu stören. Statt Synthiegequietsche gibt es gerne Orgelklänge, die helfen, eine geschlossene, eher düstere Atmosphäre zu erschaffen. Wer SYMPHONY X einen Tick komplexer erleben möchte, sollte die CD antesten, und auch Leute aus dem DREAM THEATER-Fanlager können ein Ohr riskieren. Die emotionale Tiefe von PAIN OF SALVATION bzw. die frickelige Verrücktheit von Bands wie POWER OF OMENS fehlt zwar, doch solide, eigenständige Progressive Metal-Bands hört man schließlich nicht alle Tage.
VÖ: 14.11.2008
http://www.myspace.com/suspyre

MIDNITE CLUB: Circus Of Life
Dieses Hardrockalbum ist eigentlich ziemlich hörenswert. Die Gitarrenriffs haben Drive, der Gesang ist kernig und doch melodisch, einige Songs haben eingängige Refrains, das Ganze klingt, als würde es auf der Bühne sogar noch einen Tick besser funktionieren. Doch der Markt ist übersättigt und ich bin es ein Stück weit auch. Zumindest finde ich auf die Frage, wer dieses Album unbedingt braucht, keine befriedigende Antwort. MIDNITE CLUB klingen besser als die gewöhnliche Rockband aus dem Ort, doch für ein größeres Publikum bräuchte es (noch) catchigere Songs bzw. wohl einfach auch eine andere Zeit. Fans von melodischem Hardrock, der handwerklich tadellos umgesetzt und leidenschaftlich dargeboten wird, können jedenfalls ein Ohr riskieren.
VÖ: 30.05.2008
http://www.midniteclub.de

POLUTION: Overheated
Und noch ein Hardrockalbum – einen Tick besser gelaunt als MIDNITE CLUB, aber ebenso professionell. Die Songs klingen treibend, stellenweise fast schon hektisch. Gerade die Sologitarren verbreitet gute Laune, der Gesang kommt gut und mit einem gewissen Charme herüber. Einzelne Songs wissen mit schönen Refrains zu überzeugen, doch zwischendurch gibt es auch ein paar Füller, wo man zwar mitwippt, aber nicht groß aufhorcht. Die Frage, ob die Welt unbedingt noch ein melodisches Hardrockalbum braucht, stellt sich natürlich auch hier.
VÖ: 20.06.2008
http://www.polution.ch

ZORO: Core
Hundesilhouetten auf dem Titelbild und japanische Popmusik auf der CD – was soll man da sagen? U2 reisen nach Fernost und verzichten zur Abwechslung mal auf Beruhigungspillen. Flott, spritzig, glatt, ein bisschen glitzernd, tadellos produziert rockpoppen sich ZORO durch ihre Stücke. Statt klarer Eingängigkeit gibt es eher einen exotischen Reiz, der mich bei Stücken wie Digo aufhorchen lässt. Wer auf der Suche nach lockerflockiger Abwechslung ist, kann hier über den Tellerrand schauen. Freilich ist das hier lediglich Vampster-Randgruppen-relevant, auch wenn es bei NANA einen Härteausbruch gibt, der den Titel Core schon fast rechtfertigt – wäre da nicht ein aalglatter Refrain im Song versteckt. Mal sehen, ob ich auch noch eine normale Metal-CD eingepackt habe.
VÖ: 05.03.2010
http://www.zoro-web.com

PEGAZUS: In Metal We Trust
Ha – das ist Metal! Der Refrain des Openers Metal Messiah ist zwar ziemlich melodisch, aber die Riffs und die Doublebass machen klar, dass hier nach dem US-Metal-Reinheitsgebot gekocht wird. Das australische Quartett gehört natürlich schon zu den etablierteren Genre-Vertretern, so dass die Stiltreue wenig überrascht. Der Gesang variiert zwischen klaren Melodien, kraftvoller Röhre und coolen, hohen Schreien. Die Musik bleibt insgesamt eher moderat hart – keine moderne Thrash-Anleihen, keine progressiven Einschübe. Das Songwriting wirkt entsprechend starr, zumal die Texte sich auf ein ziemlich begrenztes, weithin bekanntes Vokabular beschränken. Die meisten Songs bewegen sich im Midtempo-Bereich, mal eher rockig, mal mit flotter Gitarrenuntermalung. Unterm Strich ist so ein solides Metal-Album rausgekommen, das traditionelle Puristen anspricht. Insgeheim vermute, nein, fürchte ich, dass das neue RUNNING WILD-Album ähnlich normal klingen wird, wie diese Sammlung von Klischees.
VÖ: 15.04.2011
http://www.pegazusofficial.com

CIRCULAR LOGIK: One
Noch ein Gitarristen-Soloalbum! Ja, genau, mit viel Sologedudel, um das herum Hardrock-Songs mit leichtem Metal-Touch gebaut wurden. Projektkopf Phil Vincent zeichnet sich auch für den Gesang verantwortlich, der das ohnehin unspektakuläre Geschehen eher vernebelt als erhellt. Das liegt ein Stück weit auch an der dumpfen Produktion, die mehr nach Soloausflug, als nach verschwitzter Rockshow klingt. Die Kompositionen neigen sehr zu Dur-Akkorden, die der Musik einen schwebenden Charakter geben. Immer wieder wechselt der Stil – mal hört man Country-Flair, mal Melodic Rock, mal Blues. Hooklines gibt es keine – zumindest nicht in der ersten Hälfte. Weiter bin ich nicht vorgedrungen in dieses nichts sagende Stück Rockmusik.
VÖ: 28.03.2007
http://www.philvincent.com

ELEVENER: When Kaleidoscopes Collide
Das AOR-Projekt ist mittlerweile zu einer Band mutiert und hat mit Symmetry In Motion ein neues Album am Start. Die CD When Kaleidoscopes Collide bewegt sich stilistisch im selben Fahrwasser und erinnert entsprechend mal an SURVIVOR, mal an JOURNEY – und alles, was es dazwischen gibt. Die Überfliegernummern, die die AOR-Giganten einst zu Megastars machten, fehlen ELEVENER. Doch da AOR Heaven ständig solche Alben rausbringt, scheint es zumindest einen kleinen Markt für kurzweiligen Melodic Rock zu geben. Die Musik wird durch den stilechten, recht hohen Gesang klar aufgewertet. Die Stücke sind eher flott und haben immer wieder ihre hörenswerten Momente. Lediglich bei ruhigen Liedern wie I Still Remember fehlt noch die Substanz.
VÖ: 26.07.2008
http://www.elevener.com

DEDICTED: Argonauts
Moderner Metal mit Core-Elementen und den jüngeren Thrash-Auswüchsen – sowas bekomme ich, wenn ich mir CDs nach dem Titelbild raussuche. Dieses suggeriert verträumte Aquarelstimmung. Tja, so kann es gehen. Da wird Stakkato-gerifft, da werden dissonante Saitenklänge verbreitet, da haut der Schlagzeug brachial auf sein Kitt und der Sänger schreit, schreit, singt, schreit, schreit, singt, Break, schreit, schreit, singt, schreit, schreit, schreit, singt, schreit, schreit, singt, schreit, schreit, schreit. Die Atmosphäre schwankt zwischen klinischer Kälte und aufgewühlter Agitation. Und das war erst der Opener! Ich werde die CD bei Gelegenheit mal meinem Bruder unterjubeln – für mich ist das viel zu brutal und disharmonisch. Metal-Core-Freunde sollten dagegen nicht zögern, jetzt schon mal reinzuhören in dieses Lärmmonster. Ich brauche jetzt etwas Melodischeres.
VÖ: 10.04.2009
http://www.dedicted.com

MENCHEN: Red Rock
Hier wird traditioneller Heavy Rock mit einer ordentlichen Portion Wüstenstaub verziert. Im ersten Moment klingen die Songs nüchtern und bodenständig. Im zweiten Moment klingen sie dann karg und bodenständig. Nach einer Weile wirken sie eher solide und bodenständig. In den Texten geht es um Sonne, Züge, Reiten und Jesus. Entsprechend klingt die CD durchaus zöllibatisch arrangiert und komponiert – und natürlich bodenständig. Mal geht es ein bisschen flotter zur Sache, dann auch mal ansatzweise groovig. Dann hat die unendliche Weite des amerikanischen Westens aber wieder die Songs im Griff. Zumindest solange, bis mal wieder Zeit für Gitarrensologedudel ist, das zwar dosiert, aber doch penetrant eingesetzt wird. Der Gesang setzt wenig Akzente, so das Album letztlich nur geeignet ist für einsame Reiter, die auf der Suche nach einem einfachen Stromgitarren-Soundtrack sind.
VÖ: 08.04.2009
http://www.billmenchen.com

ABINGDON BOYS SCHOOL: Teaching Materials
Und noch einmal poppige Rockmusik aus Japan. Im Gegensatz zu ZORO stehen hier die verzerrten Gitarren weiter im Vordergrund, leider auf Kosten der Eingängigkeit. Die professionelle Umsetzung, die auch hier mit allerlei elektronischen Feinheiten Soundlücken stopft, vermag dabei nicht über eine gewisse Orientierungslosigkeit hinweg zu täuschen. Dass einige der Songs statt auf Japanisch auf Englisch gesungen werden, hilft da auch nicht. Die Melodieführung ist ungewohnt und der sporadische Auto-Tune-Einsatz verstört eher, als dass er für Geschmeidigkeit sorgt. Für sorglosen Popspaß ist die CD jedenfalls einen Tick zu heftig und verworren ausgefallen, während sie für eine Rockparty zu sehr glitzernd und zu häufig auf Abwege gerät.
VÖ: 30.10.2009
http://www.aabbss.com

ERIK JAYCE LANDBERG: Break The Spell
Auf dem Cover: ein heroischer Gitarrist inmitten von Feuer, bewaffnet mit einer Stratocaster. Auf der CD: melodischer Hardrock, bei dem sich häufiger als nötig die Sologitarre austobt, während ansonsten neoklassische Harmonien das Geschehen dominieren. Am Gesang: Gören Edman. Am Zug: niemand. Solche Musik ist nett und solide, aber nicht einmal der ansonsten für überdurchschnittliche Alben gute Ausnahmesänger kann das Album aus dem Mittelmaßsumpf retten. Das Songwriting ist einfach zu simpel und spannungsarm, als dass mir irgendeine Melodie nachhaltig in Erinnerung bleibt. Die dumpfe Produktion tut ihr übriges, um den Unterhaltungswert von Break The Spell weiter zu reduzieren. Könnten eingeschlafene Füße Melodic Rock spielen, würde er vermutlich so klingen.
VÖ: 19.09.2008
http://www.jaycelandberg.com

RESONANCE ROOM: Unspoken
Gothic Doom trifft auf Progressive Metal – was vor 20 Jahren noch undenkbar war, klingt inzwischen fast schon selbstverständlich. Statt Skalengedudel gibt es zerfurchte Breaks, statt ewigem Trautigsein wechseln sich klagender Gesang und stimmige Gitarrenwände ab. Das Tempo ist freilich zu sprunghaft für reine Doom-Freude; generell wirkt die Musik bei aller Düsternis unruhig. Die Stücke betonen die Atmosphäre, wobei auf groß angelegte Melodien verzichtet wird. Der Gesang klingt oft nach Gejammer. Selten gibt es auch Krümelmonstereinlagen. Die Umsetzung wirkt an manchen Stellen ein wenig holprig. Das steigert freilich die Authentizität, da man ja beim Spielen immer mal wieder die Tränen wegwischen muss, die allzu viel Traurigkeit nunmal mit sich bringt. Die Texte und die Aufmachung sind stimmig. Man könnte zynisch behaupten, dass die progressiven Aspekte nichts als Ziellosigkeit sind. Wenn das Ziel aber eben Ziel- bzw. Hoffnungslosigkeit ist, haben RESONANCE ROOM paradoxerweise ihren Reiz, der in dieser Form etablierten Bands wie OPETH oder PAIN OF SALVATION fehlt. Unspoken ist somit zwar kein überragendes Album, aber ein interessantes Album einer originellen Band.
VÖ: 07.09.2009
http://www.myspace.com/resonanceroom

ULYSSES: The Gift Of Tears
Progressive Metal, dem der letzte Schliff fehlt, gibt es auf The Gift Of Tears zu hören. Einzelne Fragmente klingen bereits cool, aber der Gesamteindruck bleibt durchwachsen. Das liegt nicht zuletzt am etwas leiernden Gesang und den behäbigen Arrangements, denen es an Spitzigkeit und Spielwitz fehlt. Über weite Strecken scheint die Band mehr daran interessiert zu sein, Sachen zu spielen, die spontan in den Sinn gekommen sind bzw. die eben spaßig zu spielen sind. Das Publikum hat das nachsehen, weil eben die großen Zusammenhänge auf der Strecke bleiben und The Gift Of Tears letztlich ein bestenfalls durchschnittliches Album geworden ist, dass der Prog-Szene keine neuen Impulse liefert.
VÖ: 25.11.2008
http://www.ulysses.nu

ToDo-Stapel

Sodele, das waren jetzt Kurzbesprechungen zu 20 Alben. Ich müsste diese Schnellabfertigung noch viele Male wiederholen, um die im Bild gezeigten Rückstände abzuarbeiten. Freilich gibt es genug Material, dass alle Leute bei Vampster viele Monate bräuchten, selbst wenn jede/r pro Woche einmal so eine 20er-Zusammenfassung machen würde.

Jutze
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