IROHA: Shepherds & Angels

Akustischer Blümchensex für Freunde von JESU.

Andy Swan gehört schon lange zum Dunstkreis von GODFLESH, daneben arbeitet er mit Diarmuid Dalton zusammen, der bei JESU als Bassist aktiv ist, und spannte Justin Broadrick ein, das Debütalbum zu mixen. Dass IROHA somit stark nach JESU klingen, das wissen wir nicht erst seit heute, nicht erst seit dem letztjährigen Debütalbum. Statt sich dafür zu schämen – warum auch eigentlich? – ziehen IROHA mit ihrem zweiten Album Shepherds & Angels ins Gefecht und befinden sich nach wie vor zwischen der Heaviness satter Riffs und langsamer Rhythmen und der Zerbrechlichkeit von sanftem, leisen Gesang und beinahe kitschiger Synthesizer. IROHA weichen somit nicht von ihrer Ausrichtung ab, Shepherds & Angels klingt schlicht und ergreifend wie JESU mit poppigen Melodien, selbstverständlich ohne in ein Radioformat zu passen.

Shepherds & Angels geht einfach schnell ins Ohr, lullt den Hörer in eine sanfte und warme Welt ein, wehrt alles störende durch die Wand aus Riffs ab. Der Spagat gelingt IROHA ziemlich gut, You Reap What You Sow und Home Is Where The Heart Is könnten, wären sie extrovertierter, flotter und weniger melancholisch zu Singalongs mutieren, Legacy und Blind Faith klingen wie eine weiche, wabernde Wand aus Klängen, die in dunklen Farben schimmert. Abschließend gehen IROHA eine Kollaboration mit PYRAMIDS ein, die sich dem Album gut anpasst, aber doch ein wenig abgefahrenere Sounds und Stimmungen parat hat. Ein schönes, massives, aber auch recht trauriges Schlussstatement für ein Album, das ein wenig zu viel Harmonie parat hat und es nötig hat, auch mal zumindest ein wenig die Zähne zu zeigen.

Wellness-Heaviness ist es, was IROHA bringen, Musik für die Momente, in denen der Sludge-Fan mal romantisch wird und Blümchensex hat. Denn genau das ist es, was Shepherds & Angels ist, akustischer Blümchensex. Bitte jetzt nicht falsch verstehen. IROHA haben ein schönes Album geschaffen, Andy Swan präsentiert sich als routinierter Songwriter, als melancholischer, sanftmütiger Musiker mit Sinn für gute Songs und schöne Sounds. Shepherds & Angels ist kein wirklich mitreißendes Album, dafür sind IROHA zu zurückhaltend und bedienen sich keiner Effekthascherei. Dass Andy Swan und seinen Freunden ein tiefes Album gelungen ist, ist hingegen unbestreitbar, denn verlieren kann man sich in den sieben Songs durchaus, sogar mehr als beim Debütalbum. Shepherds & Angels passt schön zum Advent, wo wir alle eh ganz tief in unserem Inneren ein bisschen sentimental und harmonieversessen sind.

Veröffentlichungstermin: 7. Dezember 2012

Spielzeit: 48:47 Min.

Line-Up:
Dominic Crane – Vocals
Andy Swan – Guitar, Programming
Diarmuid Dalton – Bass

Label: Denovali Records

Homepage: http://iroha.bandcamp.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/irohaband

Tracklist:
1. The Greatest Healer
2. You Reap What You Sow
3. Legacy
4. Home Is Where The Heart Is
5. Shepherds & Angels
6. Blind Faith
7. Denial (Collaboration with PYRAMIDS)