INCANTATION: Decimate Christendom

Brutal und interessant, hat aber auf Dauer etwas wenig zu bieten.

INCANTATION sind alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. INCANTATION sind eine Bank. Ein Death Metal-Relikt aus alten Tagen, das Aktivitäten bis in die Neuzeit vorweisen kann.

INCANTATION sind wahrscheinlich als Kult zu bezeichnen und haben sich das auch wahrscheinlich verdient.

Dummerweise können sie damit bei mir aber nicht punkten. „Decimate Christendom“ ist ein nettes Scheibchen für zwischendurch, was man sich durchaus anhören kann, aber die Songs wollen und wollen mir nicht ins Ohr. Ich weiß, die Fans werden mich verspotten, steinigen und vierteilen und dann den Fischen zum Fraß vorwerfen, aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Und das ist folgendes: Die Lieder sind wirklich durchdacht, heavy und brutal. Sie sind im Grunde abwechslungsreich, können viele Tempowechsel aufweisen und haben von Knüppelparts bis zu langsamem, gar schon doomig schleppenden atmosphärischen Teilen alles zu bieten. Die Songs sind technisch, aber selten überladen und ziemlich ausgeklügelt und machen großteils schon Spaß. Also genau das, was man sich von der neuen INCANTATION erhofft hat.

Es liegt somit eigentlich gar nicht auf der Hand, worin für mich der kleine Stein des Anstoßes liegt, aber obwohl all das an sich positive Eigenschaften sind kommt mir „Decimate Christendom“ zu eintönig vor. Der Gesang, den diesmal INCANTATION-Mitbegründer und Gitarrenarbeiter John McEntee als Ersatz für den entlaufenen Mike Saez übernommen hat trägt mit Sicherheit seinen Teil dazu bei. Zwar erledigt er seinen Job sehr solide, aber die Vocallines an sich sind mir zu schnöde geraten. Man merkt, dass hier die Musik im Vordergrund steht, denn jedes einzelne Instrument hat mehr zu bieten als das Gegrunze des Sängers, das zwar schön brutal ausfällt, aber einfach zu monoton und vorhersehbar ist.

Persönlich gefallen mir schnellere Songs, wie „Decimate Christendom“ oder „Dying Divinity“ am besten und der Unterhaltungswert ist okay, aber am Schluss bleibt für mich unter dem Strich kein durchweg interessantes Album übrig, dass ich mir gerne noch öfters anhören würde. Statt dessen rauscht das Album, wie ein 40-Tonner an mir vorbei, laut, brutal und schwerfällig. Aber eben trotzdem vorbei, nicht voll in die Fresse.

Und das ist zugegebenermaßen ein Problem, dass ich mit INCANTATION immer hatte. Man hört sich rein, hört auch gerne weiter, aber nachdem die CD um ist, fragt man sich, was genau geschehen ist. Die atmosphärischen Parts sind mir zu schleppend, fast zu langweilig und kommen nicht auf den Punkt, geschweige denn zu einem Ende.

Für Fans ist das Album sicher empfehlenswert, Freunde des Todesmetalls der alten Schule könnten auch Gefallen an dem neusten blasphemischen Hassklumpen von INCANTATION finden. Kurzum: Ziemlich interessant, aber nicht wirklich begeisternd.

Veröffentlichungstermin: 27.07.2004

Spielzeit: 48:30 Min.

Line-Up:
John McEntee – Gitarre/Gesang

Kyle Severn – Drums

Joe Lombard – Bass

Produziert von Bill Korecky
Label: Listenable Records

Homepage: http://www.incantation.com

Email: john@incantation.com

Tracklist:
01. Decimate Christendom

02. Dying Divinity

03. Oath Of Armageddon

04. Blaspheme The Sacraments

05. Merciless Tyranny

05. Horns Of Eradication

06. Unholy Enpowerment Of Righteous Deprivation

07. Thorns Of Everlasting Persecution

08. No Paradise Awaits

09. Eternal Darkness Under Conquered Skies

10. Feeble Existence

11. Exiling Righteousness (Bonus Track)