ILSA: Preyer

Sludge, Doom und Death Metal, Serienmörder, Fanatismus und Doppelmoral, die Faszination an der Entmenschlichung, sowohl von Täter, als auch Opfer ist nicht wirklich neu, scheint aber noch immer zu funktionieren. Die reißerische Mischung, die ILSA auf ihrem sechsten Album bieten, wirkt dadurch schon ein wenig kalkuliert. Das Sextett aus Washington, D.C. walzt kompromisslos eine Dreiviertelstunde lang durch „Preyer“ hindurch und wirkt trotz aller Heaviness, Brutalität und Gewalt reichlich unspektakulär, will sich aber immer wieder mit kurzen Blicken über den Tellerrand retten.

ILSAs Wurzeln liegen eindeutig im Crust und Hardcore, auch wenn die Transformation in eine Sludge-Band recht fortgeschritten ist. Das ist es auch, was ILSA zumindest ein wenig von der Masse abhebt. Die Querverweise aus dem damals noch boshaften Metalcore der Neunziger sind für das Sextett das Salz in der Suppe. Die kranke Atmosphäre ist verwandt mit STARKWEATHER, wie „Lady Diamond“ zeigt. Das gepresste Geschrei erinnert immer wieder entfernt an BLOODLET. Die Qualität dieser Legenden erreichen ILSA indes nicht.

ILSA spielen ihr Potenzial nicht aus

Für traditionelleren Doom hätte die Band auch ein gutes Händchen. Die Leadgitarren in „Poor Devil“ und „Moonflower“ kommen gut rüber. Umso bedauerlicher, dass eine Band mit drei Gitarristen nicht häufiger Variation im Gitarrenbereich anstrebt. Hier verschenken ILSA viel Potenzial. Davon abgesehen gibt es in Sachen Riffs nicht viel Aufregendes zu hören. Die Instrumentalisten schreiben größtenteils generische Material, das bestenfalls ins Ohr geht, aber nie für Gänsehaut sorgt. Immerhin entsteht wie durch ein Wunder der kleine Hit „Widdershins“, dessen Riffing von HIGH ON FIRE sein könnte. Auch das punkige „Shibboleth“ lässt durch den gesteigerten Crust-Anteil aufhorchen.

“Preyer” ist ein recht generisches Sludge-Album mit Crust- und Hardcore-Wurzeln

Doch der Großteil ist, wie gesagt, nicht der Rede wert. Obwohl ILSA eine Menge Erfahrung mitbringen, sind sie nur eine weitere Sludge-Band mit fetten Riffs und dürrer Seele. Diese Reise ins finstere Herz der USA mit seinen Kultmorden – hier war übrigens die Geschichte von Sean Sellers ausschlaggebend für das Thema der religiösen Doppelmoral – ist leider ebenso ermüdend, wie die x-te EYEHATEGOD-Kopie. Herrgottnochmal, nicht mal beim Cover haben sie sich Mühe gegeben. ILSA zeigen mit „Preyer“, dass es eben nicht ausreicht, Potenzial zu haben, es aber nicht auszuspielen. Dass sie stattdessen quasi aus Faulheit assi klingen und mit der üblichen Okkultismus-Serienmörder-Thematik aufzuwarten, macht es nicht besser. In diesem Bereich gibt es deutlich relevantere Alben.

Wertung: 4 von 11 Okkultistenmorde mit Teppichmessern

VÖ: 20. November 2020

Spielzeit 45:48

Line-Up:

Orion – Vocals
Brendan – Guitars
Tim – Guitars
Dylan – Guitars
Sharad – Bass
Joshy – Drums

Label: Relapse Records

ILSA „Preyer“ Tracklist:

1. Epigraph
2. Poor Devil (Official Audio bei Youtube)
3. Moonflower
4. Shibboleth (Official Video bei Youtube)
5. Mother of God
6. Scavengers
7. Widdershins
8. Preyer (Official Audio bei Youtube)
9. Lady Diamond
10. Behind the Veil
11. The Square Coliseum

Mehr im Netz:

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