HOUR OF PENANCE: Disturbance

Bestimmt langweiliger Death Metal. Oder?

Schon wieder so eine CD. Bestimmt langweiliger Death Metal. Noch dazu aus Italien. Kein Wunder, dass HOUR OF PENANCE ein paar Tage auf meinem Stapel liegen blieb, bis ich mich aufraffen konnte, die CD in den Player zu schmeißen. Manchmal bin ich eben doch froh um meine Neugier, denn die war stärker, als das Grausen vor dem, was ich befürchtete. Jetzt fällt mir ein Stein vom Herzen, dass ich die CD vor ein paar Tagen doch rotieren ließ.

Nix da mit ödem Gekloppe, das Debüt-Album des Quartetts aus Rom ist eine verdammt feine Death Metal-Scheibe geworden und ich bin mal wieder darin bestärkt worden, dass auch junge Bands so richtig geilen Sound machen können. Die Mischung aus PROFANITY (Komplexität), MORBID ANGEL (Heavyness) und HATE ETERNAL (Eingängigkeit) kommt fett aus den Boxen und sorgt für ein offenes Mundwerk. Wie in einer Achterbahn kommt man sich vor, wenn man den Italienern zuhört und noch schlimmer: Wenn man ihnen nicht gewachsen ist, fühlt man sich schnell überfordert, aber das macht rein gar nichts, denn so hat man den Ansporn sich die Scheibe immer wieder und wieder anzuhören. Das ist zwar kein Aha-Erlebnis, als wenn man CRYPTOPSY-Fan mit And then You´ll Beg wird, aber es kommt dem Nahe.

Nicht nur technisch sind HOUR OF PENANCE topfit, sie haben auch ein richtiges Gespür dafür, wenn die Riffs so ins Ohr gehen, dass sie nicht gleich verworfen werden – wie bei Ami-Bands so üblich, doch die stehen jetzt mal außer Konkurrenz. Dadurch werden Mystification as Law, N.E.M.A und das tonnenschwere Blood Tribute einerseits zu Ohrwürmern, andererseits bleiben sie komplex und verstörend, man hat tausend Fetzen der Scheibe im Ohr, die man nur nach und nach zuordnen kann. In allen Belangen sind HOUR OF PENANCE für einen Neuling extrem stark und hinterlassen einen hervorragenden ersten Eindruck. Dass der Gesang abwechslungsreicher hätte sein können, ist relativ egal, denn die Instrumente stehen deutlich mehr im Vordergrund. Und wer seinem Scheibchen so eine fette Produktion verleiht, der weiß, was noch wichtig ist.

Alles in allem also eine wirklich lohnenswerte Investition, die extremst Death Metal-Fans durchaus zufrieden stellen dürfte, gerade auch, weil sich zu keiner Sekunde Langeweile einschleicht. Von Blast Beats bis zu schleppenden Parts ist alles dabei; wenn da einem mal nicht das Wasser im Mund zusammen läuft. Da gibt es nur eins: Zuschlagen!

VÖ: 7. April 2003

Spielzeit: 39:06 Min.

Line-Up:
Mike – Vocals / Bass
Enrico – Guitars
Francesco – Guitars
Mauro – Drums

Label: Xtreem Music

Homepage: http://www.hourofpenance.com

Email: hvpisc@tin.it

Tracklist:
1. Der Zorn Gottes
2. Rise and Oppress
3. Mystification as Law
4. From Hate to Suffering
5. Inhaling Disbelief
6. N.E.M.A
7. Spires
8. Soul Addicted
9. Dawn of Cerebus
10. Blood Tribute