HORISONT: Second Assault

HORISONT: Second Assault

Dass das gelungene 2009er Debüt Två Sidor Av Horisonten der Schweden HORISONT kaum beachtet wurde, ist schade. Durch die größtenteils schwedischen Vocals klang das Album sehr witzig und hatte starken bluesigen Retro-Rock an Bord. Nun also schaut die Band aus Göteborg auf den Rest der Welt und präsentiert das neue Album Second Assault entsprechend komplett in englischer Sprache. Gäääähn, man kann jetzt schon erwarten, dass die Jungs bequem mit ihren Nachbarn von GRAVEYARD, mit denen man ja auch gerade die Bühne teilt, in einen Topf geworfen werden. Klar ist es nicht leicht, sich aus der Masse an schwedischen Retro-Rockern abzuheben, aber genau hier können HORISONT punkten.

Die bluesigen Elemente des Debüts wurden merklich zurückgenommen, die gemeinsam mit den schwedischen Vocals einen Großteil des Charmes des Albums ausmachten. Erfreulich ist, dass der Fünfer nicht platt auf den Erfolg von GRAVEYARD schaut und sich an den Kollegen orientiert, sondern seinen Retro-Rock fast frei vom üblichen Zitieren von BLACK SABBATH und LED ZEPPELIN präsentiert. Deutlich verbeugen sich HORISONT hingegen vor allem vor den ganz frühen THIN LIZZY, noch bevor diese ´76 mit Jailbreak ihren Durchbruch hatten. Mit dem knurrigen Bass, der typischen Melodieführung und den Twin-Guitars sind die Iren schon beim Opener absolut präsent. Ebenso werden auch Freunde der frühen WISHBONE ASH ihre Freude haben an den verspielten Gitarren. Diese sorgen mit total abwechslungsreichen Leads für ständig wechselnde Aha-Erlebnisse, zitieren mal GARY MOORE, mal TONY IOMMI wie bei On The Run, Watch Them Die hingegen bekommt HENDRIX-Leads verpasst, Thing I´ve Seen gar einen kleinen Latino-Touch, der SG-Sound bringt auch einen ganz dezenten SANTANA-Touch mit rein. Auch die Rhythmsection lädt zum genaueren Hinhören ein. Spirit, was für ein cooler Groove, cremig, smooth, ganz kurz doch eine BLACK SABBATH-Drum-Bridge, und ganz fett wieder alte THIN LIZZY.

Im Vordergrund steht allerdings doch wieder Axel Söderberg, der mit seiner sehr hohen, hellen Stimme echte Classic/Retro-Rocker begeistern wird, zarten Ohren hingegen auf Dauer zu anstrengend sein kann. Zudem fehlt ihm etwas die Eigenständigkeit, seiner Stimme drückt man vielleicht doch schnell den Stempel typisch schwedisch auf, zu viele seiner Kollegen der zahllosen schwedischen Retro-Rocker klingen ähnlich. Was soll´s, er hat eine kraftvolle Stimme, die eben genau so zum Sound der Band passt. Beim balladesken, von schönen PINK FLOYD-Leads geschmückten  Crusaders Of Death kommt dann auch mal eine Portion junger OZZY durch, das steht ihm recht gut. Wer mag, der kann zum Ende des Albums hin auch einen Touch früheste, kauzige NWOBHM erkennen. Ein kleines Manko bei Second Assault ist, dass das Klangbild der Songs und der Vocals sehr gleichförmig ist, sodass man im Verlauf des Albums auch mal abdriftet und die Songs nicht mehr wahrnimmt. Und das wäre schade, denn alle Songs sind durchgehend geschmückt mit tollen Momenten, wie viel Feingefühl und Abwechslung darin steckt, muss man erst heraushören. Und eben das lohnt sich, ratzfatz wird aus einem von vielen schwedischen Retro-Alben eins, bei dem man sich gern hinsetzt und der Band zuhört, was sie uns erzählen will. Dann stört auch nicht mehr, dass es keinen herausragenden Song gibt, der das Album zum Überflieger machen wird.

Typischer schwedischer Retro/Classic-Rock? Klar, aber nicht nur, und dabei auch richtig gut! Wer sich im Sound von Bands wie GRAVEYARD, THE CRYSTAL CARAVAN, OBLIVIOUS, MANGROVE, ABRAMIS BRAMA und Co. zuhause fühlt, der liegt bei HORISONT genau richtig.

Veröffentlichungstermin: 30.03.2012

Spielzeit: 40:16 Min.

Line-Up:
Axel Söderberg – Vocals
Charles Van Loo – Guitar
Kristofer Möller – Guitar
Magnus Delborg – Bass
Pontus Jordan – Drums

Label: Rise Above Records

Homepage: http://www.horisontbloggen.blogspot.de

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/horisont

Tracklist:
1. Time Warrior
2. Road To Cairo
3. Crusaders Of Death
4. On The Run
5. Watch Them Die
6. Second Assault
7. Spirit
8. Thing I´ve Seen
9. Hard Bargain
10. Thunderfight

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.