HER NAME IS CALLA: Navigator

HER NAME IS CALLA navigieren durch viele verschiedene Genres und überzeugen durch starkes Songwriting und viel Gefühl.

Das Meer des Lebens ist für Manche sicherlich stets still und ruhig, aber die entfernen sich nicht weit vom Heimathafen und suchen niemals nach Neuland. Wer den ersten Schritt in Richtung einer neue Welt macht, wer dann auch nicht mehr umkehrt wenn es windig wird, der muss mit Turbulenzen rechnen, mit Stürmen, mit Untiefen, vom Kurs abzukommen. HER NAME IS CALLA mussten in den letzten vier Jahren ihrer Reise oft kämpfen, verloren mehrere Male fast den Mut, mussten beinahe alles hinschmeißen, der Traum vom Erfolg zerplatzte wie eine Seifenblase. Um in derart feindlichen Gewässern nicht verloren zu gehen, braucht es einen guten Navigator. Und das Album gleichen Namens zeigt, dass gerade diese Lebensumstände HER NAME IS CALLA in kreativer Hinsicht beflügeln.

Ach, es ist wie so oft bei den Musikern. Erst wenn es privat nicht so richtig läuft, liefern sie beruflich etwas, das man mit Fug und Recht als handfest bezeichnen kann. Navigator ist der sprichwörtliche Fels in der Brandung, gibt den Weg durch die zwölf Songs vor, verfährt sich hier und da aber. Stilistisch ist die Bandbreite von HER NAME IS CALLA größer als auf The Quiet Lamp, dafür ist der Gesamteindruck aber weniger dicht. Navigator klingt wie die berühmte Ansammlung von Songs, die es nicht unbedingt schafft, ein großes Ganzes entstehen zu lassen. Aber das ist nicht nur ein Nachteil für HER NAME IS CALLA. Somit gibt es einige Songs oder Teile davon, die aus dem Album herausragen.

Getragen von der wunderbaren Stimme von Tom Morris erzeugen einige Stücke pure Gänsehaut. Gleich der kurze Auftakt I Was On The Back Of A Nightingale beginnt sehr intim und steigert sich dann, ohne gleich volle Instrumentierung aufzufahren. Das große Pathos bleibt wenigen Songs vorbehalten wie dem schweren Meridian Arc und dem facettenreichen Titelstück. HER NAME IS CALLA bauen in ihre originelle Version von Post Rock eine Menge folkige Momente (Burial, It Was Flood und Perfect Prime) ein, haben abwechslungsreiche Arrangements parat, so dass The Roots Run Deep eher elektronisch klingt und Ragman Roll am ehesten mit dem Artrock von RADIOHEAD verglichen werden kann. Entsprechend gibt es wenig krachende, laute Gitarren und Drums zu hören, dafür viele Akustikgitarren, Klavier und Streicher.

Spielerisch ist Navigator beachtlich, gerade Tom Morris, der das Album mit seinem Gesang und dem charakteristischen Songwriting, zu dem auch Multiinstrumentalist Adam Weikert einen großen Teil beiträgt, dominiert präsentiert sich als ein sträflich überhörter, hochkreativer und fleißiger Thom Yorke der Straße – das macht HER NAME IS CALLA nur noch sympathischer. Passend dazu ist die Produktion frei von Ballast und schön direkt, so dass HER NAME IS CALLA nie den Boden unter den Füßen verlieren. Abschließend sei daran erinnert, dass The Quiet Lamp eines der schönsten, traurigsten Alben des Jahres 2010 war, entsprechend kann Navigator dieses enorme Niveau nicht immer halten, ein Übersong wie Pour More Oil fehlt außerdem. Aber zweifellos ist HER NAME IS CALLA Musik geglückt, die in den besten Momenten tief unter die Haut geht und eine Menge zu entdecken verspricht – vielleicht haben die Briten nun endlich den Erfolg, der ihnen zusteht.

Veröffentlichungstermin: 16. Mai 2014

Spielzeit: 60:17 Min.

Line-Up:
Sophie Green – Violin, Vocals
John Helps – Bass
Nicole Robson – Cello, Vocals
Tom Morris – Lead Vocals, Piano, Guitar, Banjo, Organ
Adam Weikert – Drums, Organ, Vocals, Banjo, Mandolin, Piano, Double Bass

Produziert von HER NAME IS CALLA
Label: Function Records

Homepage: http://www.hernameiscalla.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/hernameiscalla

Tracklist:
1. I Was On The Back Of A Nightingale
2. The Roots Run Deep
3. It´s Called, ´Daisy´
4. Ragman Roll
5. Meridian Arc
6. Navigator
7. Burial
8. A Second Life
9. It Was Flood
10. Whale Fall: A Journal
11. Dreamlands
12. Perfect Prime