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ARCTURUS: Aspera Hiems Symfonia, Constellation, My Angel (Re-Release)

Das Schaffen von ARCTURUS, Teil 1. Die ersten drei Alben als Re-Release

Re-Releases sind so eine Sache, meistens stinken sie gewaltig nach Abzockerei und erwirken den Eindruck, als wären sie lieblose Aufgüsse genialer Musik. Dieses Re-Release hingegen ist sinnvoll und ja, fast schon essentiell. Die Anfang der 90er gegründete Avantgarde-Truppe um Keyboarder Sverd, Drummer Hellhammer (aka Jan Axel van Blomberg, bekannt von MAYHEM, THE KOVENANT, etc.) und dem charismatischen Sänger Trickster G. (aka Garm / Christoffer Rygg, bekannt von ULVER) hält hier drei schwer erhältliche Perlen bereit, die jetzt sogar Remastert und mit einem neuen Artwork versehen wurden.

“My Angel” – Nie zuvor gab es ähnliche Musik, schleppend, absolut dunkel und atmosphärisch

Im Jahr 1991 veröffentlichte die frisch gegründete Band eine erste 7-Single namens My Angel, auf dem der hypnotisierende Titeltrack für Furore sorgen sollte. Nie zuvor gab es ähnliche Musik, schleppend, absolut dunkel und atmosphärisch. Mit Metal hatte dieser Song nicht mehr viel zu tun, höchstens Marius Wolds Voacls). Gegen diesen Schock der damaligen, puristischen Fans gab es ein Heilmittel, dass dennoch einige Nebenwirkungen hatte: Morax hieß dieses Stück, ebenso schwer verdaulich, aber durch den Einsatz der E-Gitarre zum Aufatmen. Dieser Song steht dennoch My Angel sehr nahe, klingen beide Stücke doch wie aus einem Guss.

“Constellation” – Düster, aber irgendwo doch wärmend war das ARCUTURUS-Rezept

Drei Jahre später wurde das auf 500 Stück limitierte Constellation Mini-Album auf die Menschheit losgelassen. Hierbei zeichnete sich, auch durch Neuzugang Garms Gesang ab, in welche Richtung die Reise gehen sollte: Ins Universum. Schlichtweg ergreifend waren diese sechs Songs, angefangen mit The Deep is the Skies. Ungewohnt flott, mit vielen Spielereien auf den Keyboards und der Gitarre sowohl mit eingängigen Hooklines begeisterte dieses Lied und auch die anderen Stücke die Zuhörer. Die Arbeit Sverds an den Keyboards, inspirierte unzählige Bands und selbst in den neueren Alben von DIMMU BORGIR und Konsorten findet man viele Querverweise auf dessen Stil. Vergleich doch mal Du Nordavind mit einem Song Spiritual Black Dimensions… Ebenso Garms Gesang konnte vollends überzeugen und (ich bin ja nicht der Größte Black Metal-Spezialist, also verbessert mich ruhig) brachte den zweistimmigen Gesang hervor, zwischen erhabenen cleanen und gekreischten Vocals. Düster, aber irgendwo doch wärmend war das Rezept, dass diese Musik einzigartig machen sollte. Auf diesem Release fand sich ebenso das tolle Cosmojam, welches den Hörer auf einen kurzen Trip ins Universum einlädt. Reich an Details und dennoch nicht zu verwirrend starteten ARCTURUS in eine große Zukunft.

“Aspera Hiems Symphonia” – Das Album sprudelt vor Ideen der Black Metal Supergroup

1995 war es schließlich so weit, das erste Album von ARCTURUS, das legendäre Aspera Hiems Symphonia erblickte das Licht der Welt und schlug als konsequente Weiterentwicklung von Constellation die Richtung ein, die man erwartet haben muss. Eine Weiterentwicklung war dennoch spürbar zu erkennen, die Arrangements waren ausgereifter, die Übergänge flüssiger. Das Album sprudelt geradezu vor Ideen, wie gerade die Keyboard-Parts und Lead-Gitarren deutlich machen. Viele Details gibt es nach wie vor zu entdecken. Außerdem wurde das Gaspedal mal durchgetreten, so durfte Hellhammer auch mal richtig losblasten. Ja, es schien, als wäre Aspera Hiems Symphnonia der kreative Befreiungsschlag gewesen, den sich einige Bandmitglieder der so genannten Black Metal-Supergroup, sehnlichst gewünscht haben müssen.

Melancholie und Ruhe trifft auf Gefühlausbrüche

Melancholie und Ruhe trifft auf Gefühlausbrüche, wie sie ehrlicher nicht sein könnten, entfesselde nordische Wildheit eben. Bereits im ersten Song To thou who Dwellest in the Night wird dies deutlich. Ebenso in den Neuinterpretationen Wintry Grey (hieß auf dem Vorgänger noch Icebound Stems and Vaporous Grey), Raudt og Svart und Du Nordavind hört man diese inzwischen verstärkte Leidenschaft bestens heraus. Allein dieses Album macht mehr als süchtig, denn es wartet mit dermaßen vielen kurzen Parts auf, die im Ohr bleiben und nicht mehr rauswollen. Ebenso gibt es einige technische Spielereien zu hören, wie zum Beispiel das Backward-Masking in Whence and Whither Goest the Wind. Mit den unheimlichen Tönen von Naar Kulda Tar klingt dieses Phänomenale Werk aus und lässt den Hörer allein in der Dunkelheit zurück und die Frage offen, wo hin der Weg diese unglaubliche Band führen wird…

41:21 + 38:17

Line-Up:
Garm – Vocals
Sverd – Keys
Knut – Guitars
Hellhammer – Drums

Candlelight Records

CD1:

Aspera Hiems Symphonia (1995)
1. To thou who Dwellest in the Night
2. Wintry Grey
3. Whence and Whither Goest the Wind
4. Raudt Og Svart
5. The Bodkin & The Quietus
6. Du Nordavind
7. Fall of Man
8. Naar Kulda Tar

CD2:

Constellation (1994)
1. The Deep is the Skies
2. Cosmojam
3. Raudt Og Svart
4. Icebounds Streams and Vaporous Grey
5. Naar Kulda Tar
6. Du Nardavind

My Angel (1991)
1. My Angel
2. Morax