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HEIRS: Fowl

Eine Reise in menschliche Abgründe zwischen Industrial, Dark Wave und gewaltigem Instrumental Rock.

Ikonisch, wie diese Abart eines Federviehs samt verendetem Ei auf dem Titelbild zu sehen ist. Alles verkehrt sich, HEIRS sind auf ihrem Zweiwerk der beste Beweis hierfür. Fowl ist ein unheimliches Album, eines das den Hörer gerade nach dem stilistisch recht unterschiedlichen, aber beileibe nicht schlechten Debüt Alchera zunächst vor eine gewisse Aufgabe stellt. Das, was die vier Australier hier zu bieten haben, ist von der unheimlichsten Sorte, und es wächst von Mal zu Mal mehr. HEIRS verlassen den doomigen Post Rock, und werden zu einem dunklen Hybrid aus Industrial, Dark Wave und gewaltigem Instrumental Rock.

Fowl hat alles parat, die leisen, ruhigen Momente, das große Chaos, die ätherische Mystik, die Melancholie, das grenzenlos Böse, genauso wie das schwindelerregend Schöne. HEIRS betreten Pfade ganz weit abseits von dem, was instrumentale Bands ansonsten bieten. Sie fließen einem Strom aus Myriaden von Schlangen gleich ihrem Ziel entgegen, sind wandelbar, facettenreich, streifen sich immer wieder ihre Haut vom Körper und bleiben doch trist, grau und hoffnungslos. Dass sich an der Oberfläche der Musik nicht viel tut und die Songs einen hypnotischen Strudel aufbauen mag auf einige langweilig wirken, aber wer seinen Kopf unter die unsteten Wässer der Musik taucht, findet sich bald in einem Tiefenrausch wieder.

Nachdem bedrückenden und tristem Dust baut sich mit dem Titelsong, der geleitet wird von einer sagenhaften Basslinie und atmosphärischen Gitarrenharmonien, ein erster Orkan auf. Als wäre dies eine verspätete Initialzündung, explodierten HEIRS ab diesem Zeitpunkt mit ihrer Kreativität. Das eingängigste Stück von Fowl ist sicherlich Burrow, das mit einem Theremin zum puren Seelenqual wird und dank der leidenschaftlichen Gitarren tief unter die Haut geht. Unwirtlich und boshaft wird es mit Tyrant, das sehr im Industrial verwurzelt ist und ähnlich verstört wie HEIRS. Auch Men wirkt düster und farblos, steigert sich gegen Ende allerdings in sehr schwere Gefilde. Fowl endet überraschend versöhnlich mit dem ruhigen Mother einerseits, mit dem leidenschaftlichen und epischen Drain andererseits. Diese fünfundvierzig Minuten folgen einem roten Faden, HEIRS geben sich ebenso wandlungsfähig, wie sie ihrem Weg folgen.

Verpackt in ein wunderbares Soundgewand, bei dem es nichts zu meckern gibt, stechen vor allem der grandiose Bass und die Drums, die herrlich nach den Achtzigern klingen und trotzdem viel Druck bereit haben, heraus. An den Gitarren toben sich Brent Stegeman und Ian Jackson aus, tauchen die Musik in zahlreiche Details, Farben und Atmosphärische Wandel. Hervorragend kommt das Theremin von Gastmusiker Miles Brown zur Geltung und bietet einen zerbrechlichen Gegenpart zur sonst häufig recht spröden Musik. Die Songs, das Spiel der Musiker, das surreale Artwork, alles wirkt wie aus einem Guss und sorgt für ein schaurig-schönes Hörerlebnis, an dem man sich so schnell nicht satthören kann. HEIRS haben einen riesigen Schritt nach vorne getan und brillieren auf ungewohntem Terrain. Zweifellos, Fowl ist eine sehr empfehlenswerte Reise in menschliche Abgründe.

Veröffentlichungstermin: 15. Oktober 2010

Spielzeit: 45:05 Min.

Line-Up:

Brent Stegeman – Guitar, Synthesizer, Electronics, Programming
Ian Jackson – Guitar
Laura Bradfield – Bass
Damian Coward – Drums, Electronics

Gastmusiker:
Miles Brown – Theremin, Synthesizer, Electronics

Produziert von Brent Stegeman & Damian Coward
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.heirs.com.au

MySpace: http://www.myspace.com/heirsmusic

Tracklist:

1. Dust
2. Fowl
3. Burrow
4. Tyrant
5. Men
6. Mother
7. Drain

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