HEIRS: Hunter [EP]

HEIRS gehen einen Schritt nach vorne und einen zur Seite – ohne dieses Mal für ein Aha-Erlebnis sorgen zu können oder unter die Haut zu gehen.

Und da geht die Reise auch schon weiter. Zuerst war da Alchera, ein Debütalbum, das sich von Instrumental Rock in Richtung Noise vorwagte, dann setzte ein Jahr später Fowl dort an und stieß für HEIRS eine Türe in Richtung Wave und Industrial auf. Beide Werke, auf ihre eigene Art und Weise originell, spannend und unheimlich. Hunter, die neue EP der australischen Musiker, ist wieder ein Schritt nach vorne, teilweise aber auch seitwärts. Während das Titelstück Hunter noch auf Fowl hätte stehen können, mit seiner fantastischen Steigerung und der wundervollen Thereminarbeit von Miles Brown aufwartet, wagen sich HEIRS danach in deutlich Industriallastigere, wavigere Ecken vor. Und das ist fast schade, denn auch wenn Hunter der Musik keine neue Facette beisteuern kann, das Stück ist verdammt stark, was man von den folgenden Songs nicht uneingeschränkt behaupten kann. Symptom hingegen wie eine Melange aus HEIRS zu Zeiten von Alchera, frühen SWANS und späteren GODFLESH. Das ist spannend und gut gemacht, aber noch nicht so recht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es auch der etwas zu arg zurückhaltende Synthesizer, der auch nicht wirklich zur melodischen Gitarrenarbeit passen will. Zum Abschluss dieser EP versuchen sich HEIRS am Cover eines eher unbekannten Stücks der SISTERS OF MERCY, das in einer repetitiven, knapp dreizehnminütigen sehr atmosphärisch und entspannt daher kommt, aber in der Hälfte der Zeit ebenso gewirkt hätte.

HEIRS lassen keinen Zweifel aufkommen, dass die ausgedehnten Touren ihnen gut getan haben. Hunter zeigt eine organisch wirkende, eingespielte, routinierte Band, die sich lieber an den Achtzigern, denn an dem neuen Jahrtausend orientiert. Leider geht die Musik selbst, mit Ausnahme des Titelstücks nicht wirklich unter die Haut. HEIRS liefern sehr gute, experimentelle Musik ab, das Aha-Erlebnis, das man mit Fowl verbinden durfte, fehlt leider hier. Immerhin, der bizarre Sinn für Ästhetik ist da, Kreativität ist da, die hervorragende Produktion ist da. Es scheint einfach nur, als wären HEIRS keine Band, die auf einer EP gut wirkt, die einen geschlossenen Gesamteindruck benötigt, um wirklich überzeugen zu können. Da ist ein Coversong, und wenn er noch so sehr in den Stil der Band eingefügt wird, natürlich kontraproduktiv. Im großen Vertrauen, dass HEIRS uns mit ihrem kommenden Album wieder umhauen werden, empfehle ich ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen Hunter denen, die auch schon Fowl mochten.

Veröffentlichungstermin: 2. Dezember 2011

Spielzeit: 24:44 Min.

Line-Up:
Damian Coward – Drums, Electronics
Brent Stegeman – Guitar, Programming, Electronics
Laura Bradfield – Bass Guitar
Ian Jackson – Guitar
Miles Brown – Theremin, Synthesizer

Produziert von Brent Stegeman und Damian Coward
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.heirs.com.au

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/heirsmusic

Tracklist:
1. Hunter
2. Symptom
3. Never Land