GREGORIAN: The Dark Side

Die Mönche zeigen sich nicht besonders mutig und präsentieren pseudo-gregorianisierte Versionen der Originalsongs, ohne von deren meist poppigen Strukturen abzurücken.

Der Name GREGORIAN dürfte wohl den meisten ein Begriff sein, die sich nicht davor scheuen, ab und an mal einen Blick in die deutschen Albumcharts zu werfen, war das Projekt doch mit den letzten vier Masters Of Chant-Alben immer wieder dort vertreten und konnte weltweit bereits mehr als 2,5 Millionen Alben verkaufen. Was soll man sich also dabei denken, wenn diese überaus erfolgreichen Produzenten, die hinter GREGORIAN stecken, nun ein Album namens The Dark Side veröffentlichen, um dem Hörer auf diesem Gothic in neuem Gewand zu präsentieren? Richtig, mit Gothic oder auch Metal hat dieses Album nur am Rande etwas zu tun, man schaue sich nur die Tracklist an, in der sich neben einem Stück von ALANIS MORISSETTE (Uninvited) jede Menge Songs, die dem Teenie-Volk als Gothic oder Düster-Rock verkauft werden, wiederfinden, wie etwa My Immortal von EVANESCENCE oder RAMMSTEINs Engel.

Im Grunde ist The Dark Side nichts anderes als eine Mixtur von Popularmusik mit gregorianisch anmutenden Chören, die in der Form offenbar ziemlich gut den Massengeschmack trifft. Richtige gregorianische Musik würde dies natürlich nicht schaffen, an einer ernsthaften Interpretation der ausgewählten Kompositionen auf gregorianische Art sind die Produzenten aber offensichtlich gar nicht interessiert, würde dies die Musik doch wahrscheinlich so sehr entfremden, dass die Originalstücke kaum noch erkennbar wären. Die Songstrukturen und Melodien werden also größtenteils beibehalten, und auch wenn die Instrumentierung sich mal mehr, mal weniger stark an die Originale anlehnt, so handelt es sich doch durchweg immer um eine klassische Rock/Pop-Instrumentierung mit Drums, Keyboards und E-Gitarren, auch das ein oder andere Gitarrensolo darf nicht fehlen. Die neu vertonten Stücke sind und bleiben also Popsongs im weitesten Sinne. Teilweise hat man sogar den Eindruck, dass einige Stücke noch mehr in Richtung Popmusik gedrückt wurden, als dies bei den Originalen der Fall ist. Dies liegt unter anderem an der glattgebügelten Produktion mit seichten Arrangements, bei denen die Keyboards teilweise erschreckend billig klingen.

Hat man sich damit abgefunden, hier keine wirklich gregorianische Musik zu hören zu bekommen, so erhält man eine Sammlung mit stark variierender Qualität, was nicht nur an den Originalsongs liegt, sondern auch auf die jeweiligen Interpretationen zurückzuführen sind. Recht gut gelungen sind The Raven, im Original vom ALAN PARSON´S PROJECT, My Immortal und Hurt, das allerdings hinter dem Cover von JOHNNY CASH eindeutig den Kürzeren zieht. Beim SISTERS OF MERCY-Klassiker More, welches sich ziemlich nah ans Original hält, geht der Mönchsgesang in den rockigen Gitarren einfach unter, und auch das sehr originalgetreue Engel ist nicht wirklich überzeugend, da es hier einfach an der der RAMMSTEIN-Version eigenen Durchschlagskraft fehlt.

Am Ende kommt man, wenn man schon einmal das Vergnügen hatte, gregorianischen Chöre zu hören, zu drei Schlüssen: 1. gregorianische Chöre können so viel mächtiger klingen als auf dieser Scheibe und benötigen dann auch gar keine Begleitinstrumentierung, diese wirkt sogar eher störend. 2. es reicht nicht, auf Poparrangements pseudo-gregorianische Chöre zu klatschen; eine deutlich mutigere Herangehensweise hätte das Album wesentlich interessanter gemacht. 3. es reicht, auf Poparrangements pseudo-gregorianische Chöre zu klatschen; die Leute werden es schon kaufen.

Veröffentlichungstermin: 25.10.2004

Spielzeit: 69:09 Min.

Line-Up:
Michael Soltau – Gesang, Keyboards & Programming

Frank Peterson – Gesang, Acoustic & Electric Bass

Carsten Heusmann – Gesang, Keyboards & Programming

Jan-Eric Kohrs – Gesang, Keyboards & Programming

Peter Weihe – Guitars

Gunther Laudahn – Additional Guitars

Curt Cress – Drums

Kristian Draude – Additional Drums & Percussion

Frosty Beadle – Additional Drums & Percussion

The G-Strings – String Orchestra

Stefan Pintev – String arrangements & Solo Violin

Chiara Ferraú – Italian narration

Violet – Female Vocals (#5)

Anette Stangenberg – Female Vocals #8)

Marjan Shaki – Female Vocals (#11)

Produziert von Michael Soltau, Jan-Eric Kohrs und Karsten Heusmann
Label: edel records

Hompage: http://www.gregorian.de

Tracklist:
1. Hurt

2. My Immortal

3. The Four Horsemen

4. Unbeliever

5. Where The Wild Roses Grow

6. Close My Eyes Forever

7. More

8. Uninvited

9. The Raven

10. Gregorian Anthem

11. Engel

12. Ave Satani (The Omen)

13. The End

14. In The Shadows